Henna und Glücksmünzen zum schönsten Tag des Lebens

Eine Hochzeit ist immer ein Bund fürs Leben. Doch wie dieser Bund geschlossen wird, ist je nach Kultur und Religion sehr unterschiedlich. Zwei Paare erzählen vom wichtigsten Tag ihres Lebens.


Stossen auf ihre Zukunft an: Eda (links) und Sedat

Eda (19) steht in ihrem weissen Hochzeitskleid vor dem gleichaltrigen Sedat. Die Braut hat einen Schleier vor dem Gesicht, der Bräutigam versucht, ihn hochzuheben. Aber Eda lässt ihn nicht, weicht zurück. Auch eine Rose von Sedat ändert daran nichts.
Ein Mann mit Mikrofon heizt die Stimmung an: «Applaus bitte, jetzt, jetzt gleich wird sie ihm erlauben, den Schleier zu lüften.» Über 500 geladene Gäste klatschen und toben im Hintergrund. Aber Eda bleibt hart. Sedat hat noch einen Joker in der Tasche: Er zieht einen Diamantring hervor, zeigt ihn stolz den Gästen und überreicht ihn dann Eda. Wieder versucht er den Schleier zu heben und diesmal lässt sie ihn. Sedat küsst die strahlende Braut auf die Stirn.
«Das war alles vorher abgemacht», erzählt Eda, die unterdessen seit gut zwei Monaten mit Sedat verheiratet ist. Eine Show für die Gäste sozusagen. «Wir haben die gesamte Hochzeit auf Video», erklärt Sedat und spult ein Stück zurück: Der Tag davor - Hennatag wird er genannt. Bei den Brauteltern werden dem jungen türkischen Paar die Hände mit Henna bemalt. Edas Hände zierten ein «S», Sedats ein «E». «An diesem Fest, das wir nur mit den engsten Verwandten feierten, nahm ich Abschied von meinen Eltern.» Schliesslich war es Edas letzter Tag im Haus ihrer Eltern, die letzte Nacht in ihrem Bett. «Es war sehr traurig, alle weinten», erinnert sie sich.

Ein Tag Bedenkzeit
Kennen gelernt haben sich Eda und Sedat vor eineinhalb Jahren. «Wir arbeiten im gleichen Spital in der Pflege», so Sedat. Deshalb seien sie sich oft über den Weg gelaufen, hätten irgendwann angefangen, gemeinsam zu Mittag zu essen, und sich Tausende von SMS geschickt. Nach einem Jahr sprach Sedats Vater bei Edas Vater vor und hielt für seinen Sohn um die Hand Edas an. Nach einem Gespräch mit dem Schwiegersohn und ein paar Tagen Bedenkzeit war Edas Vater überzeugt, dass sich seine Tochter für den Richtigen entschieden hatte - der Verlobung stand nichts mehr im Weg. Als das Paar auch eine eigene Wohnung gefunden hatte, wurde die Hochzeit geplant.

Am Tag nach der Hennazeremonie war es so weit: Nachdem den beiden Familien - Frauen und Männern getrennt - beim Coiffeur die Haare gerichtet worden waren, ging das Paar zum Foto-Shooting. Danach fand bei Edas Eltern die Zeremonie statt. Ein muslimischer Geistlicher verheiratete das Paar im Namen Gottes. «Er sprach viele Gebete für uns», erzählt Eda. Danach übergab der Brautvater Eda an ihren Ehemann. Zum Zeichen der Unschuld seiner Tochter und seines Einverständnisses legte er ihr ein rotes Band um die Hüften - und die beiden fuhren im Auto davon.
Am Abend fand dann das eigentliche Hochzeitsfest statt, mit 500 geladenen Gästen, viel gutem Essen, Musik und Tanz. Nach der Feier ging das Paar in die neue Wohnung und übernachtete das erste Mal im gemeinsamen Ehebett. «Alle fanden den Abend wunderschön», erinnert sich Eda. Auch sie und ihr Mann - nur sei alles ein bisschen schnell vorbeigegangen, aber das liege wohl daran, dass alles so aufregend war. Nach den Flitterwochen heirateten Eda und Sedat noch standesamtlich. «Das war uns wichtig, aber nur, um ein offizielles Papier zu haben», so Sedat. «Den Bund fürs Leben schlossen wir am traditionellen Fest.»

Dolmetscher fürs Ja-Wort
«Die amtliche Trauung verläuft immer ähnlich und dauert etwa eine halbe Stunde», erklärt Alexander Egli, Vorsteher des Zivilstandsamts Basel-Stadt. Denn die Zeit sei beschränkt und der Vorgang gesetzlich festgelegt. «Nur die Kleider sind sehr verschieden.» Tamilische Frauen etwa erschienen meist sehr traditionell in prächtigen farbigen Gewändern, die Männer eher klassisch mit schwarzem Anzug. Afrikanische Trauungen seien von der Kleidung her zwar weniger spektakulär, dafür sei die Stimmung meist ausgelassen und das Maximum von 20 Personen im Trauraum fast immer ausgereizt. Sehr unterschiedlich seien allerdings die Sprachen, in denen das berühmte «Ja, ich will» gesprochen werde. Egli: «Wenn das Paar eine andere Sprache als Deutsch, Französisch, Englisch oder Italienisch spricht, wird ein Dolmetscher organisiert.»

Erinnerungsbild vor der romanischen Kirche: Suzi und Jaime

Reis für die Fruchtbarkeit
Suzi und Jaime (beide 30) sind seit vier Jahren verheiratet und seit zehn Jahren ein Paar. Standesamtlich geheiratet haben sie nicht, die kirchliche Trauung und vor allem das traditionelle Fest waren den beiden wichtiger. Sie erinnern sich noch genau an den grossen Tag. «Der schönste Moment für mich war, als wir in der Kirche ‹Ja› sagten und die Ringe tauschten», erinnert sich Suzi. Es sei schon immer ihr Mädchentraum gewesen, in Weiss, mit Kirche und Co. zu heiraten.
Jaime hingegen erinnert sich vor allem an das Fest und die über 100 geladenen Gäste. Da die Verwandten der beiden fast alle in Spanien leben, fand auch die Hochzeit im Heimatland statt. Ein ganzes Jahr zuvor wurde mit den Vorbereitungen begonnen: Kirche, Pfarrer, Festsaal, Fotograf, Hochzeitskleider und Essen wurden ausgesucht und gebucht. Am Hochzeitsmorgen bereitete sich Suzi bei ihrer Grossmutter vor. «Als ich das Kleid anhatte, kam die Nervosität», erinnert sie sich.

Münzen fürs Glück
Draussen vor dem Haus wartete der Brautvater auf Suzi - und mit ihm die gesamte Nachbarschaft. Als die Braut mit ihrer Grossmutter ins Freie trat, begann der Jubel, alle gratulierten der Braut. Mit dem Auto gings zur Kirche, wo der  Bräutigam auf seine Braut wartete. «Wir waren so nervös, dass wir Angst hatten, uns würde schlecht werden», erinnern sich die beiden lachend. Aber alles kam gut: Die Ringe passten, 13 neue Glücksmünzen wanderten von Suzis in Jaimes Hand und sie unterschrieben den Hochzeitsvertrag.
Als das Paar die Kirche verliess, warfen die jubelnden Angehörigen Reis für die Fruchtbarkeit. Dann wurden die Hochzeitsfotos vor einer romanischen Kirche aus dem 11. Jahrhundert aufgenommen, und ab gings zum Fest. Nach einem dreistündigen Essen eröffneten Suzi und Jaime mit einem extra geübten Walzer den Tanz. Danach wurde bis um eins in der Nacht gefestet. «Es war ein schöner Tag und ich habe ihn bis jetzt noch nie bereut», sagt Suzi. «Noch?», Jaime hat genau zugehört. «Schatz, ich bin sicher, das wird auch so bleiben.»

Mena Kost

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