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 Eine gemeinsame Sprache zu finden, Offenheit, Toleranz und Kommunikationsbereitschaft:
Diese Leitlinien tun allen Partnerschaften gut. Für multinationale Verbindungen sind
sie unabdingbar und können damit den Boden für spannende Beziehungen schaffen.
Das zeigen die folgenden Partnerschafts-Porträts.
Die Geschichte beginnt wie im Roman. Während des ersten Weltkriegs verdient sich ein
Schweizer aus Zug sein Geld als Charlie-Chaplin-Double auf den Kreuzschiffen auf allen
Weltmeeren. Als er in Südafrika an Land geht, verliebt er sich in eine russische
Trapez-Künstlerin, reist ihr beharrlich hinterher und überreicht ihr nach jeder
Vorstellung Rosen. Das Paar heiratet und adoptiert einen südafrikanischen Jungen. Als
dieser erwachsen ist, reist er in die Schweiz und heiratet in Basel eine Engländerin.
Ihr Sohn Christian wird 1970 geboren. Sein Nachname Schlumpf ist gut schweizerisch, hier
wächst er auf, zu Hause wird englisch gesprochen, und sein allererster Pass ist ein
Schweizer Pass; später kommen ein englischer und ein südafrikanischer dazu.
Familie Schlumpf-Radisa mit Elea (links) und Moïra
Marijana Radisa ist die Tochter serbischer Gastarbeiter, die schon seit 1965 in der
Schweiz sind. Ob-wohl hier geboren, fühlte sie sich in der Schule immer ein bisschen
fremd, weil sie zu Beginn noch nicht gut Deutsch sprach. "Mit 21 Jahren liess ich
mich einbürgern, weil ich es satt hatte, immer Ausländerin zu sein", sagt
die diplomierte Pflegefachfrau heute. Ihre erste Begegnung mit Christian Schlumpf war
buchstäblich heftig: Als sie während ihrer Erstausbildung zur Drogistin mit den
Armen voller Pakete unterwegs zur Post war, stiess sie mit ihm zusammen. "Toller
Typ", dachte sie, traf ihn aber erst einige Jahre später wieder, als sie in
einer Bar jobbte. Ebenso beharrlich wie sein Grossvater tauchte auch er fortan immer
wieder bei seiner Angebeteten auf.
Flüchten vor der Grossfamilie
"Was ist er", fragte ihre Mutter als Erstes, als Marijana von Christian
erzählte. "Engländer", sagte sie. Die beiden Familien mussten sich
erst annähern. Denn die traditionell eingestellten Eltern hätten es für
ihre einzige Tochter lieber gesehen, wenn der Schwiegersohn Serbe gewesen wäre. Und
ihre Begegnungen mit der sehr fortschrittlich eingestellten englischen Schwie- germutter
waren anfangs schwierig.
"Zu meiner Ehrrettung muss ich sagen, dass deine Mutter kürzlich erklärt
hat, es sei gut, dass du keinen Serben geheiratet hättest", sagt Christian zu
seiner Frau. "Ein Serbe wäre wahrscheinlich mit meinem Leben gar nicht
einverstanden", meint sie. Denn sie lebt emanzipiert, arbeitet als Pflegefachfrau,
engagiert sich - zum Beispiel in der IG Secondas - und verreist auch mal alleine in die
Ferien. Christian Schlumpf, gelernter Radio- und Fernseh-Verkäufer, ist zurzeit auf
Stellensuche und besorgt den Haushalt.
Vieles ist schweizerisch beim Ehepaar Schlumpf-Radisa, aber die englisch-serbischen
Wurzeln machen sich immer bemerkbar: Rösti mit Rostilj, einem Fleischgrill-Gericht.
"Wir sind offen für alles, was aus der Kultur des anderen kommt",
bestätigt Christian, "ohne dass wir die eigene aufgeben." So wird am 25.
Dezember Weihnachten anglikanisch-englisch gefeiert, das serbisch-orthodoxe Fest wird zwei
Wochen später begangen und das Hausheiligen-Fest feiert Christian ebenso gern wie
Ostern. Anders als viele binationale Paare haben die beiden den Vorteil, dass sie als
Kinder ähnliche Wege gegangen sind und eine gemeinsame Sprache sprechen. "Denn
die Bereitschaft zur Auseinandersetzung, zur Kommu- nikation und damit zum
Verständnis des andern sind enorm wichtig", sagt Marijana Schlumpf-Radisa.
Das zeigt sich zum Beispiel, wenn ein Besuch bei der Grossfamilie in Belgrad ansteht.
Während sich die beiden Töchter Moïra und Elea riesig freuen und in der
Familie aufgehen, sind der Rummel und die Herzlichkeit für Christian manchmal zu
viel. "Ich gehe dann raus und Jana muss das erklären", erzählt er.
"Er flüchtet", lacht sie. Marijana hingegen musste sich daran
gewöhnen, dass Christians Mutter nach dem Motto "no news is good news"
lebt, während ihre Mutter, die allein stehend ist, täglich anruft und sehr oft
vorbeikommt. In den meisten Fällen hat ihr Mann dafür Verständnis.
"Christian ist ein sehr demokratischer Mensch. Das schätze ich, aber manchmal
denke ich, er könnte ein bisschen mehr Macho sein", so Marijana Schlumpf.
Einreise in die Schweiz organisiert
Auch Ahmed Lassif ist kein Macho. "Er ist im Grunde ein durch und durch
gutmütiger, freundlicher Mensch", sagt Corina Keller (beide Namen von der
Redaktion geändert). Wie sich die beiden kennen gelernt haben, ist schnell
erzählt. Corina Keller gönnte sich eine Woche Ferien in Tunesien, um
auszuspannen und ein bisschen auf eine Prüfung zu lernen. Arabische Männer,
dachte sie, würden sie nicht reizen. Doch die Aufmerksamkeit der einheimischen
Männer überraschte und überwältigte die 32-Jährige, eine spontane
und positiv denkende Frau. "Ich fühlte mich bewundert und begehrt, ein ganz
anderes Gefühl als hier in der Schweiz."
Corina und Ahmed: "Die Landung war hart." (Foto gestellt)
Um sich ein bisschen Ruhe vor den Einladungen zu verschaffen, überliess sie es
schliesslich einem jungen Tunesier, ihr Reiseführer zu sein und nur das. Als sie zwei
Tage später abreiste, war die Geschichte für die Schweizerin abgeschlossen. Sie
war nicht darauf vorbereitet, dass Ahmed Lassif nach ihrer Rückkehr immer wieder
anrief und seine Liebe und Treue beteuerte. Das berührte die Frau und eigentlich
hätte sie noch einmal nach Tunesien reisen wollen, um diese Beziehung zu testen, doch
da hatte der 22-Jährige schon seine Einreise in die Schweiz vorbereitet. Sie bezahlte
sein Ticket.
Der Schweizer Kampfstimmung ausgeliefert
"Ich bewunderte seinen Mut, diesen Schritt zu unternehmen", erzählt Corina
Keller. "Er hat mich ausgesucht. Von den Liebesbeweisen her war die Beziehung zu
Ahmed das Schönste, was ich bisher erlebt habe. Ich habe eine ganz grosse Liebe,
emotionale Wärme und Geborgenheit gespürt. Auch seine Familie hat mich mit
offenen Armen empfangen." Ihre Familie hingegen war sehr skeptisch, was sie
verletzte.
Um es vorweg zu nehmen: Die Beziehung hat nicht gehalten. Zu gross waren die kulturellen
Unterschiede, zu kurz die Zeit, sich kennen zu lernen, zu verschieden die Ansprüche
und zu unausgewogen die Ausgangslage. Drei Monate nach seiner Einreise wurde geheiratet,
doch bereits während der Vor-bereitungen zur Hochzeit fragte sich Corina Keller immer
wieder: "Was mache ich hier?" Doch sie sass wie in einem Schnellzug, immer damit
beschäftigt, sich abzugrenzen. "So ein Mann ist nie allein; er ist der
älteste Sohn und von ihm wird erwartet, dass er die ganze Familie versorgt. Der Onkel
will ein Handy, die Grossmutter einen schönen Stoff und die Mutter ist krank und
sollte in der Schweiz operiert werden", sagt die Frau.
Und statt der freundlich-fairen Grundstimmung in Tunesien habe Ahmed Lassif im
Fastfood-Restaurant, in dem er arbeitete, Schweizer Kampfstimmung erlebt. Dem Tempo und
dem Druck hier hielt er nicht stand. Und in seinem gelernten Beruf hatte er in der Schweiz
keine Chance auf Arbeit. "Er war völlig abhängig von mir, hat sich aber
auch wenig bemüht, die Sprache oder überhaupt etwas zu lernen", so Corina
Keller. "Und sein Wertesystem ist ganz anders als meines, was ich zum Beispiel eine
Lüge nenne, heisst für ihn, die Wahrheit ein bisschen zu biegen." Auch die
materiellen Ansprüche des jungen Mannes waren für den bescheidenen Lohn der Frau
viel zu hoch, beide nahmen Kredite auf.
Bescheid zur Ausweisung erhalten
Diesen Veränderungen und Ansprüchen ist der junge Tunesier nicht gewachsen, und
es kommt zum Eklat, als er handgreiflich wird. Mit Hilfe einer Freundin gelingt es Corina
Keller danach, einen Schlussstrich zu ziehen, auch emotional. Bei einer künftigen
Scheidung werden ihm die Gelder ihrer Pensionskasse zur Hälfte ausbezahlt. "Ich
habe etwas Schönes, Grosses, Weites erlebt", sagt sie, "aber die Landung
war sehr hart, ich habe viel geweint." Der Verlassene schafft es nicht, ganz auf sich
gestellt weiter zu bestehen, er wird depressiv, aggressiv, verstösst gegen das Gesetz
- und hat vor einigen Wochen den Bescheid zur Ausweisung erhalten. Zwischen
Schuldgefühlen und Erleichterung befürwortet Corina Keller diesen Entscheid.
"Ich sehe erst jetzt, wie sehr junge Männer von ihren Familien dazu
gedrängt werden, nach Europa zu gehen. Ich glaube, es ist für Ahmed am besten,
in sein Land zurückzukehren, wo er aufgenommen ist und Wurzeln hat."
Familie und Freunde sind Sicherheitsnetz
Harun Rashid hingegen fühlt sich in Basel schon sehr gut verankert. Das hängt
sicher auch damit zusammen, dass der Architekt mühelos Schweizerdeutsch versteht und
auch sehr gut Deutsch spricht. "Neben Englisch haben wir immer Schweizerdeutsch
gesprochen", erklärt sein Lebenspartner Walter Liechti. Und Harun Rashid
ergänzt: "Sonst unternimmst du die grosse Anstrengung, Deutsch zu lernen, und
dann kommt das erste Fest und du verstehst immer noch nichts." Seine guten
Hochdeutsch-Kenntnisse führt er auf die Kommunikation während der Arbeit, auf
die Zeitungslektüre und nicht zuletzt auf seinen Fernsehkonsum zurück.
Harun Rashid (links) und Walter Liechti sind in Basel zu Hause
Der Kanadier mit indischen Wurzeln lebt seit vier Jahren in Basel, kennen gelernt haben
sich die beiden Männer jedoch einige Jahre zuvor in Rom, wo Harun Rashid ein
Auslandsemester absolvierte und Walter Liechti sich völlig gestresst von einem
Jobwechsel erholen wollte. "Wir haben uns, ganz klassisch, am letzten Tag meiner
Ferien getroffen", erzählt der 47-jährige Basler, der nun beim
Regional-TV-Sender Telebasel arbeitet. Die Europareise, die sich an Harun Rashids
Rom-Studien anschliessen sollte, fand schliesslich bereits bei ihrer ersten Station in
Basel ein vorläufiges Ende, weiter gereist wurde später zu zweit. Zurück in
Kanada, arbeitete der angehende Architekt an seiner Diplomarbeit - und er wurde von
grossen Zweifeln heimgesucht, ob diese Beziehung Zukunft habe. "Wenn man bei seiner
Familie und den Freunden bleibt, hat man ein Sicherheitsnetz", erzählt Harun
Rashid. Ein einziger Mensch könne doch nicht der Grund dafür sein, eine solche
Entscheidung zu treffen und dies alles zu verlassen, habe er gedacht.
Familie mit starker Tradition
Doch der 30-jährige Kanadier hat "den riesigen Schritt" gewagt. "Ein
Tag kam nach dem andern, plötzlich ist ein Jahr vorbei und man kennt die Sprache, die
Leute, die Stadt", so Harun Rashid. Mit Glück und Beziehungen fand er auch
gleich Arbeit in einem Architekturbüro - gute Voraussetzungen für die Balance in
einer Beziehung. Natürlich steht hinter dem Kanadier eine indische Familie mit
starken traditionellen Werten, das dürfe man sich ruhig so ähnlich wie im Film
"Bend it like Beckham" vorstellen. "Trotzdem gab es kulturell wenig
Reibungen", sagt Walter Liechti. Dazu sei die kanadische Lebensart jener in der
Schweiz zu ähnlich. "Und wenn es mal Probleme gab, haben wir nie die kulturellen
Unterschiede als Grund dafür gesucht", sagt Harun Rashid.
"Bei uns in Asien"
Bestimmt sind jedoch kulturelle Eigenheiten dafür verantwortlich, dass Joelita
Zimmermann-Gregory mittags zu spät zur Verabredung mit ihrem Mann erscheint und ihn
damit vorerst ums Essen bringt. "Das ist die Philippina Time",
erklärt Silvan Zimmermann fachkundig. "Darauf kann man sich eigentlich ziemlich
verlassen. Wenn wir abends um acht eingeladen sind, sage ich zu meiner Frau, wir
müssten um halb acht dort sein, dann schaffen wirs so auf halb neun." Allerdings
ist auf die Pflegefachfrau auch Verlass, wenn sie ins Kantonsspital zur Arbeit geht.
"Dann ist sie immer absolut pünktlich."
Silvan und Joelita Zimmermann-Gregory mit Sarah (oben), Sophia (unten links) und Joanne
(unten rechts)
Ihre Ausbildung hat die 43-jährige Philippina in ihrem Heimatland absolviert, mit
einem Schweizer Mann ist sie 1982 nach Basel gekommen. Diese erste Ehe hielt dreizehn
Jahre. "Ich habe mich hier immer mehr integriert, habe Freunde gefunden, mich
kulturell interessiert. Doch während ich mich entfaltete, so sehe ich das, hat der
Dialog zwischen mir und meinem Mann nicht mehr funktioniert", erzählt sie. Die
beiden trennten sich. "Bei uns ist die katholische Ehe heilig", sagt Joelita,
"Scheidungen gibt es keine. Aber man achtet bei uns in Asien immer auch auf
Zeichen." Und als ihr der verstorbene Vater im Traum lächelnd erscheint, deutet
sie das als Zustimmung zur Trennung, zumal auch nicht kirchlich geheiratet worden war.
"Bei uns in Asien" sage sie übrigens nur hier, erklärt sie, auf den
Philippinen hingegen heisse es immer "bei uns in der Schweiz".
Die anstrengendste Zeit im Leben
Kurz nach der Trennung traf sie Silvan Zimmermann bei einer Freundin. Doch ganz mit dem
Frühdienst des kommenden Tages beschäftigt, sah sie in ihm und seinem Kollegen
zunächst einfach "junge Boys". Der heute 41-jährige Personalfachmann
einer Wiedereingliederungsstelle hat dann hartnäckig "Akquisition
betrieben", wie er es nennt. Damit hatte er Erfolg und innerhalb von drei Jahren
kamen die drei Töchter Joanne (7), Sarah (6) und Sophia (5) zur Welt. "Es war
die anstrengendste Zeit in meinem Leben", gibt der Mann zu. "Drei Kinder in
Windeln, drei Kinder, die Schoppen brauchen, das ist einfach tough." Auch der
erwachsene Sohn aus Joelita Zimmermanns erster Ehe lebt nun vorübergehend bei der
Familie in Augst und liebt seine kleinen Schwestern sehr. Zur kirchlichen Trauung reiste
Joelita Zimmermanns Bruder, ein Pfarrer, aus den Philippinen ein. "Es war eine
amüsante Trauung, nicht so stier, die werde ich nie vergessen", sagt Silvan
Zimmermann.
Immer miteinander sprechen
Es ist klar, dass es bei einer grossen Familie zu Reibereien kommt. Dabei spielten die
kulturellen Verschiedenheiten jedoch eine untergeordnete Rolle, erklärt das Paar, es
gehe wie bei vielen Familien um Kleinigkeiten, die einen hohen Blutdruck verursachen.
"Joelita ist von ihrer Mentalität her sogar schweizerischer als ich", sagt
Silvan Zimmermann. "Weil wir ein anstrengendes Leben führen, ist unser
Zusammenleben bestimmt nicht immer einfach", ergänzt er. Denn seine Frau
hält nichts davon, die Hände in den Schoss zu legen und zu warten. Joelita
Zimmermann hat ihre Teilzeitstelle beim Kantonsspital behalten. Und sie hat früher
ebenso selbstverständlich beim dörflichen Frauenverein angeklopft, um
Adventskränze zu flechten, wie sie nun eine Weiterbildung beim Hilfswerk
Evangelischer Kirchen in Erwachsenenbildung absolviert.
Gibt es ein Erfolgsrezept für bikulturelle Partnerschaften? "Sie ist eine Frau,
die gegenüber allem aufgeschlossen und interessiert ist", sagt Silvan
Zimmermann. "Wir sprechen immer miteinander", erklärt Joelita Zimmermann.
"Und er ist sehr tolerant."
Monika Wirth
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