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 Die rechtliche Situation, kulturelle Unterschiede und die schwierige Kommunikation machen
eine grenzüberschreitende Liebe zur Herausforderung. Gelingt eine binationale
Partnerschaft aber, kann sie Modellfall einer Gesellschaft der Zukunft sein.
Geschärfter Blick auf die fremde und die eigene Kultur
"Die Freundin meines Sohnes ist schwarz, aber sie ist nett und intelligent."
Schweizerinnen und Schweizer, die ihren Partner oder die Partnerin ausserhalb der
nationalen, vielleicht auch ausserhalb der kulturellen Grenzen suchen, haben oft mit
Vorurteilen, manchmal sogar mit rassistischen Ansichten von Verwandten oder Freunden zu
kämpfen. Trotzdem hat sich diese Lebensform in den letzten 100 Jahren enorm
verbreitet, denn "binationale Ehen sind nicht nur Lebensentwürfe Einzelner,
sondern auch Ergebnisse wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher
Entwicklungen", wie die schweizerische Selbsthilfeorganisation
"Interessengemeinschaft Binational" in einem Bericht festhält.
Von den knapp 36 000 Ehen, die 2001 in der Schweiz eingegangen wurden, waren rund ein
Drittel Verbindungen zwischen einer Schweizerin und einem Migrant oder einem
Schweizer und einer Migrantin.
Die Ehe muss gelingen
Im Jahr 2000 führte das Bundesamt für Statistik knapp 120 000 binationale Paare
auf, dabei wurden jedoch nur jene Paare berücksichtigt, bei denen ein Partner oder
eine Partnerin schweizerisch ist. Würden aber auch Eingebürgerte,
Doppelbürgerinnen, ausländische-ausländische Beziehungen und die vielen
binationalen Konkubinats-paare berücksichtigt, könnte man wohl in jeder Familie
irgendwo einen multikulturellen Einschlag entdecken.
Doch binationale Paare bauen ihre Partnerschaft oft unter erschwerten Bedingungen auf.
Wenn zum Beispiel ein Schweizer eine Frau im Ausland kennen lernt, kann diese mit einem
Touristen-Visum für drei Monate in die Schweiz einreisen. Soll die Beziehung
länger erprobt werden, kann je nach Praxis ein "Visum zur Vorbereitung der
Ehe" bestellt werden, das bis zu neun Monate gilt, aber nur unter bestimmten,
strengen Auflagen erhältlich ist.
Binationale Konkubinatspaare haben also kaum die Möglichkeit zur Probeehe und die
gemeinsame Basis, die eine Partnerschaft stärkt, muss oft unter Zeitdruck entstehen.
Während Asylbewerber, die eine Schweizerin heiraten möchten, meist
Schwierigkeiten haben, die nötigen Papiere zu besorgen, ist das Prozedere für
EU-Bürgerinnen und -Bürger deutlich einfacher.
Und wenn die bürokratischen Hürden genommen sind, muss die Ehe gelingen. Denn
kommt es vor Ablauf von fünf Jahren zur Krise, kann es sein, dass der
ausländische Partner seine B-Bewilligung verliert und die Schweiz verlassen muss.
Verpflichtungen der Familie gegenüber
Damit eine Partnerschaft gelingt, müssen Fragen des Alltagslebens bei binationalen
Paaren meist viel grundlegender angegangen werden als bei schweizerischen. Wie gehe ich
mit Zeit um? Wie feiern wir Weihnachten, Ostern? Wie erziehen wir die Kinder? Was ist
Liebe? Wie viel Freiheit brauche ich, wie viel brauchst du? Wie gehe ich mit dem Heimweh
meiner ausländischen Partnerin um?
"Unter Zeitdruck kann eine Werteklärung kaum stattfinden", erklärt
Konrad Meyer von der nordwest-schweizerischen Beratungsstelle für binationale Paare
und Familien. "In Mitteleuropa zum Beispiel beruht die Ehe auf der Vorstellung von
romantischer Leidenschaft. In anderen Kulturen gibt es aber zig andere Gründe, eine
Ehe zu schliessen."
Grosse Enttäuschungen ergäben sich viel stärker aus Missverständnissen
als durch die bewusste Täuschung durch die ausländische Partnerin oder den
ausländischen Partner. Die Wertunterschiede vorher zu klären, hält der
Berater deshalb für einen entscheidenden Faktor, dass binationale Partnerschaften
gelingen. So ist zum Beispiel "Geld" ein Thema, an dem sich viele Konflikte
entzünden. Für einen ausländischen Partner ist es meist eine
Selbstverständlichkeit, die finanziellen Verpflichtungen gegenüber der
Herkunftsfamilie zu erfüllen. Für einen Schweizer Mann wiederum ist es nicht
ohne weiteres einsichtig, warum seine afrikanische Frau jede Woche zum Frisör muss,
wo er sie doch auch so sehr schön findet. Konrad Meyer: "In der Schweiz machen
wir mit unserem Erscheinungsbild eine Aussage über uns selber, in anderen
Ländern aber macht man sich schön, um dem Gegenüber eine Ehre zu
erweisen."
Oft besteht zudem in binationalen Partnerschaften ein Abhängigkeitsverhältnis,
weil Ausbildungen oder Diplome des ausländischen Partners hier nicht anerkannt sind
und er deshalb nicht arbeiten kann oder auch weil er wegen
Verständnis-schwierigkeiten im Freundes- oder Familienkreis nicht so einfach Fuss
fasst.
Zwei Sprachen, zwei Kulturen
Trotz dieser speziellen Umstände liegt die Scheidungsrate bei binationalen Paaren mit
39 Prozent tiefer als bei rein schweizerischen Paaren (45 Prozent). "Mit einer
binationalen Partnerschaft hat man die Möglichkeit, eine eigene dritte Kultur
aufzubauen", so Konrad Meyer. Andrea Knecht von der Informationsstelle Integration
der GGG und langjährige Mitarbeiterin der IG Binational bestätigt: "All
diese Schwierigkeiten sind auch eine Chance. Binationale Partnerschaften können
farbig und toll sein, man benötigt Toleranz, Respekt und Flexibilität - jene
Qualitäten, die im Arbeitsleben ja immer verlangt werden." Deshalb ist die
Fachfrau überzeugt, dass diese "Lehrstätten interkultureller
Kommunikation" eine grosse Chance für die Gesellschaft der Zukunft sind. Und
Kinder, die in binationalen Beziehungen aufwachsen, nehmen meist zwei Sprachen und zwei
Kulturen von Anfang an mit Offenheit auf. Wie zum Beispiel der fünfjährige
Felix: "Du bist ein Schneeleopard", sagte er zu seiner Mutter, "Papi ist
der schwarze Panther, und wir sind Pumas."
Menschen in einer binationalen Beziehung haben nicht nur Einblick in eine fremde Kultur,
sie schärfen durch den Partner oder die Partnerin auch kritisch den Blick auf die
eigene. Das kann nur gut tun.
Monika Wirth
Infos:
IG Binational
Selbsthilfeorganisation für
binationale Partnerschaften
www.ig-binational.ch
GGG Informationsstelle Integration
Tel. 061 206 92 27
Beratungsstelle für binationale Paare und Familien
Tel. 061 271 33 49
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