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Kojo Koranteng ist Erwachsenenpsychiater und Medizin-Anthropologe. Er stammt aus Ghana und
führt in Rheinfelden eine eigene Praxis innerhalb einer Praxisgemeinschaft.
Oft schütteln Afrikaner über die europäische Kindererziehung den Kopf.
Welche Unterschiede stellen Sie punkto Erziehung zwischen der Schweiz und Ghana fest?
Die Unterschiede sind riesig. Kinder in Ghana verrichten Arbeiten, die zu einem anderen
Verantwortungsgefühl führen. Durch dieses verstärkte
Verantwortungsgefühl ist es für Afrikaner selbstverständlich, im Alter
für die Eltern zu sorgen. Die Strukturen in Afrika sind sehr hierarchisch. Kinder
rangieren dabei auf der untersten Stufe der Gesellschaftsordnung. Sie bedienen ihre
Grosseltern, Eltern, Onkel, Tanten und Gäste der Familie und werden nicht wie hier
bevorzugt behandelt.
Haben Sie viele ausländische Patienten? Welches sind die hauptsächlichen
Probleme bei afrikanischen Migrantenfamilien?
Nur fünf Prozent meiner Klientel stammen aus Afrika. Die Probleme der afrikanischen
Familien hier in der Schweiz gründen meist auf den unterschiedlichen Zielen der
Erziehung, die jeweils vermittelt werden. Die Kinder fühlen sich ungerecht behandelt,
da sie den Unterschied bei ihren Klassenkameraden sehen. Es ist schon vorgekommen, dass
afrikanische Kinder ihre Eltern angezeigt haben. Ich versuche den Eltern klar zu machen,
dass ihr Erziehungsstil und ihr Verständnis in Europa zu Problemen führen. Zudem
verhindern sie damit, dass sich ihr Kind auf natürliche Weise integrieren
kann.ô
Kommt Ihnen Ihre afrikanische Herkunft bei Ihrer Arbeit zugute?
Ja, meine Herkunft hilft mir, doch viel wichtiger ist es, die Leute zu verstehen. Ich
versuche zwischen den Kulturen zu vermitteln - und das ist eine sehr schwierige Aufgabe.
Afrikanische Migranten haben oft das Gefühl, ich hätte meine Seele verkauft,
weil ich ihnen zu mehr Dialogbereitschaft und selektiveren Anpassungsleistungen rate.
hew
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