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 Die Externen Psychiatrischen Dienste Baselland (EPD) bieten im Bereich psychischer
Erkrankungen und Störungen ambulante und tagesklinische Leistungen für
Erwachsene an: MIGEV.
Seit vier Jahren wird in diesem Zusammenhang das Projekt «MIGEV», Migrations-,
Integrations- und Gesundheitsversorgung, durchgeführt. In Zusammenarbeit mit
interkulturellen Mediatoren/-innen und Ärzten/-innen, Psychologen/-innen und
Pfleger/-innen mit Migrationshintergrund wird dabei versucht, die kulturspezifischen
Hintergründe für eine psychische Erkrankung aufzudecken. Seither sind
türkische und albanische Frauengruppen und eine albanische Männergruppe
entstanden. Besnik Abazi, FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ist Oberarzt am EPD
Liestal und MIGEV-Projektleiter.
Dr. med. Besnik Abazi, EPD-Oberarzt in Liestal.
Migrationszeitung: Wer kommt zu Ihnen?
Besnik Abazi: Da mein Spezialgebiet die Betreuung von Menschen mit Migrationshintergrund
ist, kommen zu mir vorwiegend Migrantinnen und Migranten. Drei Viertel von ihnen stammen,
ebenso wie ich, aus Kosova, andere aus Bosnien, der Türkei und vielen anderen
Ländern. Der Anteil von Migranten/-innen ist in den letzten fünf, sechs Jahren
deutlich gestiegen. Im letzten Jahr waren die Hälfte der tagesklinischen Patienten
Migranten/-innen.
Warum kommen vermehrt Migrantinnen und Migranten zu Ihnen?
Man spürt immer noch die Auswirkungen des Balkankrieges, und auch die politische
Situation in asiatischen Ländern bewegt viele Menschen dazu, ihr Land zu verlassen.
Heisst das, dass die meisten Probleme Ihrer Patienten ihren Ursprung im Heimatland haben?
Wir haben zwar einige Patienten/-innen hier, die unter posttraumatischen
Belastungsstörungen leiden, die sich aus Kriegserlebnissen oder Folter ergeben. Die
grössere Gruppe aber kämpft mit Schmerzstörungen, ausgelöst durch ihr
Leben in der Schweiz: Viele Männer haben hier jahrelang sehr hart gearbeitet und
lebten von ihrer Familie getrennt. Kommt diese aber nach, ergibt sich eine neue, manchmal
belastende Konstellation. Oft sorgen diese Männer nicht nur für die Kernfamilie,
sondern für weitere Familienmitglieder. Wenn finanzielle Schwierigkeiten dazukommen,
wird der Druck so gross, dass die Aufmerksamkeit leidet. Ein Arbeitsunfall kann am Schluss
dieser Entwicklung stehen. Und aus diesem können sich je nach Situation somatoforme
Schmerzstörungen wie Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen ergeben. Wir in der
Psychiatrie sagen, dass jene, die Probleme nicht verbalisieren können, diese
über den Körper ausdrücken, Schmerz ist hier Ausdruck der psychosozialen
Belastung.
Nicht selten wird gerade über diese Menschen gesagt, sie würden simulieren. Was
meinen Sie zu diesem Vorwurf?
Die Patienten/-innen, die solche Schmerzen haben, müssen mit diesem Vorurteil leben.
Das macht aber für sie alles nur viel schlimmer. Mir erzählen sie: Warum sollte
ich simulieren? Ich habe doch vorher 25 Jahre gearbeitet. Jetzt muss ich zu Hause sitzen,
und es geht mir schlecht. Sie erfahren durch diese Verurteilung eine zweite Verletzung.
Welchen besonderen Schwierigkeiten begegnen Sie beim Umgang mit Migrantinnen und
Migranten?
Wenn wir den Kern ihrer Problematik aufgrund der kulturellen Verschiedenheit nicht
verstehen können, entsteht kein Vertrauen, und die Menschen denken, wir nehmen sie
nicht ernst. Manchmal stossen wir auch an unsere Grenzen, wenn es um die Beurteilung eines
Menschen geht, der vielleicht ausgewiesen werden soll. Dieser hat einerseits enorm hohe
Erwartungen an uns, andererseits gehören wir für ihn aber auch zum
«Apparat», der ihm Böses will. Das ist schwierig.
Und wie geht es der zweiten Generation, den Secondos und Secondas?
Die zweite Generation hat eindeutig nicht dieselben Probleme wie ihre Eltern, weil sie
besser integriert ist und sich besser ausdrücken kann.
Monika Wirth
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