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 Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) setzt sich dafür ein,
Verständnis und Vertrauen zwischen den Kulturen zu fördern. Dieses Anliegen wird
konkret umgesetzt, indem Mediatorinnen ausgebildet und zusammen mit Dolmetschern/-innen in
der Basler HEKS-Regionalstelle vermittelt werden. Oft lassen sich so sprachliche und
kulturelle Missverständnisse einfach klären.
Die Ausbildung zur interkulturellen Mediatorin ist vielseitig.
Vom Hausarzt wurde A.T. mit Verdacht auf Tuberkulose ins Kantonsspital Basel
überwiesen, wo er für weitere Untersuchungen in die Isolierstation verlegt
werden sollte. Weil er noch nicht lange hier war und weder Deutsch noch andere hier
gängige Sprachen verstand, konnte man ihm nicht erklären, warum er allein in ein
Zimmer eingesperrt werden müsse, was für einen vielleicht traumatisierten
Menschen eine schlimme Erfahrung wäre. Doch die diensthabende Pflegerin reagierte
schnell und fragte beim Hilfswerk der Evangelischen Kirchen (HEKS) nach einem Dolmetscher.
Mit der Sprache beistehen
Bereits seit 15 Jahren vermittelt der HEKS-Dolmetscherdienst beider Basel,
«Linguadukt», an die 60 Dolmetscherinnen und Dolmetscher, die aus 28 Sprachen
übersetzen, wie aus dem Albanischen, Arabischen oder Pashtu, der Sprache
Afghanistans, aus dem Singhalesischen oder Vietnamesischen. «Natürlich geht es
um mehr als nur wortwörtliches Übersetzen, das genügt nämlich meistens
nicht», erklärt die Linguadukt-Projektleiterin Doris Herter, «unsere
Leute sind selber Migrantinnen oder Secondos und bringen ihren kulturellen Hintergrund ins
Gespräch ein. Es geht darum, auch einen kulturellen Brückenschlag zwischen
Therapeuten, Ärztinnen und Migranten herzustellen, dann erst ist ein vertrauensvolles
Verhältnis möglich.» Denn gerade im sozialen Bereich und im
Gesundheitsbereich führt die Angst, sich sprachlich ungenügend verständigen
zu können, zu einer ungleich grösseren Belastung. Das wurde in einigen
Abteilungen des Kantonsspitals und des Felix-Platter-Spitals erkannt, wo man die
Linguadukt-Dienste regelmässig in Anspruch nimmt. «Oft sind Frauen erst bereit,
sich untersuchen zu lassen, wenn ich dabei bin», erzählt eine türkische
Dolmetscherin. «Jemandem mit der Sprache beistehen zu können, ist ein sehr
befriedigendes Gefühl.»
Die ganze Erfahrung einbringen
Manchmal aber muss die Aufgabe des «Über-Setzens» über die Kluft
zwischen Kulturen erweitert werden, dann geht es zum Beispiel darum, Familien länger
zu begleiten, Projekte durchzuführen oder Beratungen regelmässig anzubieten.
Für diesen Bereich stellt HEKS interkulturelle Vermittlerinnen und Vermittler zur
Verfügung: die in einem eigenen Lehrgang professionell ausgebildeten Mediatoren vom
Projekt «MEL - MigrantInnen in der Elternarbeit und Erwachsenenbildung». Der
anderthalbjährige Lehrgang qualifiziert die Migrantinnen - drei Viertel der
Mediatoren sind Frauen - temporäre Aufträge oder eine Anstellung anzunehmen. So
haben zum Beispiel einige von ihnen ausländische Eltern durch die Berufsschau des
Amts für Berufsbildung geführt, andere leiten ein Gespräch zwischen einem
Schüler, der Lehrerin und den Eltern, bevor der schulpsychologische Dienst
eingeschaltet werden muss. «Sehr oft ist MEL-Arbeit präventive Arbeit»,
bestätigt MEL-Projektleiterin Sylvia Gobeli. «Wir vermitteln zwar auch in
Konflikten, aber ein wesentlicher Teil unserer Arbeit kann diese verhindern.» Eine
Portugiesin, die in einer Integrationsklasse in Allschwil Vermittlungsarbeit leistete,
erzählt: «Jeder Tag hier war anders, viele Situationen waren schwierig und auch
traurig, aber die Arbeit hat mir grosse Freude und tiefe Befriedigung gebracht, weil ich
spürte, ich bin auf dem richtigen Weg. Anders als bei reinen
Übersetzungsarbeiten konnte ich mich hier mit meiner ganzen Erfahrung einbringen -
als lebenserfahrene Frau, als Migrantin, als Mutter.»
Wiedereinsteigerinnen
MEL-Mediatorinnen können aber auch eigene Projekte realisieren. So wurden tamilische
und türkische Mediatorinnen in Familienzentren in Teilzeitpensen angestellt, weil
viele Fragen um Kindererziehung, Gesundheit, auch Partnerschaft nur auf einer grossen
Vertrauensbasis geklärt werden können - die die MEL-Mediatorinnen schaffen
können.
Seit 1998 wurden in zwei Lehrgängen 35 Mediatoren/-innen ausgebildet. Bei HEKS plant
man, die Ausbildung in naher Zukunft so auszubauen, dass ein eidgenössischer
Fachausweis erlangt werden kann. Für viele Migrantinnen, deren Ausbildungen hier kaum
anerkannt sind, ist das eine gute Chance, wieder ins Berufsleben einzusteigen. Bereits
jetzt haben einige frühere Absolventinnen feste Anstellungen oder haben sich
weitergebildet. Und die Nachfrage nach den Kultur-Übersetzerinnen ist so gross, dass
Sylvia Gobeli mit leichter Ungeduld den Abschluss des nächsten Kurses erwartet.
Monika Wirth
HEKS - Hilfswerk der
Evangelischen Kirchen Schweiz
Pfeffingerstrasse 41, Postfach,
4008 Basel
www.heks.ch
Tel. 061 367 94 00
Fax 061 367 94 05
Linguadukt - HEKS-Dolmetscherdienst beider Basel
Doris Herter
herter@hekseper.ch
MEL - MigrantInnen in der Elternarbeit und Erwachsenenbildung
Sylvia Gobeli
Tel. 061 367 94 00
gobeli@hekseper.ch

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