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 Krankheit und Unfälle können uns alle treffen. Doppelt hart ist es für
Menschen, welche die Sprache des Gastlandes weniger gut beherrschen. Bund und Kantone
setzen deshalb auf Projekte, die versuchen, die Gesundheit von Migranten und Migrantinnen
zu fördern.
Von Pieter Poldervaart
Wir merken es erst, wenn sie uns fehlt: Gesundheit ist die Grundlage für das
Wohlbefinden. Immerhin wissen die meisten von uns, wie weiter, wenn es an der Zahnwurzel
pocht oder die Grippe im Anzug ist. Der Gang zur Apotheke, zum Hausarzt oder
schlimmstenfalls zur Notfallstation ist zwar nicht Alltag, aber einigermassen zu
bewältigen.
Migrantinnen und Migranten haben es diesbezüglich schwerer. Oft können sie ihr
Leiden nicht artikulieren - sie sprechen unsere Sprache zu wenig. Nur wenige Arztpraxen
und Spitäler sind auf fremdsprachige Kundschaft vorbereitet und können bei
Bedarf medizinische Dolmetscherinnen und Dolmetscher aufbieten.
Migrantinnen und Migranten im Vorzimmer der Gesundheitsversorgung.
Doch nicht nur Verständigungsschwierigkeiten belasten die Situation für
Ausländerinnen und Ausländer. Je nach kulturellem Hintergrund geht man mit
Krankheit und Gesundheit anders um als bei uns. Oft wird beispielsweise eine Schwangere
vom engsten familiären Umfeld beraten. In der Fremde fehlt dieser Rahmen, und die
vorhandenen Angebote unseres Gesundheitssystems sind zu wenig bekannt und werden nicht
genutzt. So weist die höhere Sterblichkeitsrate der Neugeborenen von Migrantinnen auf
mögliche Lücken in der Schwangerschaftsbetreuung hin. Auch Themen wie
Prävention und Gesundheitsförderung finden bei der ausländischen
Bevölkerung deutlich weniger Widerhall als im Durchschnitt. Zum einen fehlen schlicht
die spezifischen Angebote, zum andern die Information darüber.
Dabei sind Migrantinnen und Migranten besonders auf Gesundheitseinrichtungen angewiesen,
die auf sie abgestimmt sind. Wie die Strategie "Migration und Gesundheit
2002-2006" des Bundesamts für Gesundheit zeigt, ist ein Teil der
Migrationsbevölkerung "grossen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt". Denn
Migranten - und noch stärker Migrantinnen - gehören mehrheitlich unteren
sozialen Schichten oder benachteiligten Berufsgruppen an, was ihre Gesundheit belastet.
Ist unser Gesundheitswesen für diese Herausforderung gerüstet? Die vorliegende
Ausgabe der Migrationszeitung zeigt, dass zahlreiche Projekte auf Bundes- und Kantonsebene
erfolgreich arbeiten mit dem Ziel, Einrichtungen des Gesundheitswesens auch Migrantinnen
und Migranten zugänglich zu machen.
Doch noch gibt es bedenkliche Lücken. Ein Bericht des Instituts für Sozial- und
Präventivmedizin der Universität Basel (ISPB) aus dem Jahr 2001 zeigt, dass
verschiedene Kliniken zwar bewusst Fachpersonal mit Migrationshintergrund einstellen.
Allerdings handelt es sich oft um befristete Stellen, die keine kontinuierliche Arbeit
gewährleisten können.
Ebenfalls schlecht dotiert ist die Psychiatrie. "Im stationären und im
ambulanten Bereich fehlen in den beiden Basler Kantonen längerfristig gesicherte
migrationsspezifische Angebote fast vollständig", meint Elisabeth Zemp, Autorin
der ISPB-Studie.
Der schlechtere Gesundheitszustand, ungenügende Vorsorge und ungesunde
Arbeitsplätze führen unter anderem dazu, dass ein Drittel aller
IV-Rentner/-innen Ausländer/-innen sind. Ihr Leiden ist echt: "Richtige
Simulanten sind höchst selten", betont der Basler Arzt Peter Flubacher im
Gespräch.
Bedenkenswert ist schliesslich die Tatsache, dass unser Gesundheitswesen ohne die
tatkräftige Mitarbeit von Ausländerinnen und Ausländern kollabieren
würde. Ob im Operationssaal, bei der täglichen Pflege der Patienten/-innen oder
in der Reinigungskolonne, rund ein Drittel des Gesundheitspersonals hat keinen Schweizer
Pass. Auch diese Zahl gehört zur Diskussion um Gesundheit und Migration.
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