Wir unterstützen uns gegenseitig

Im Basel Cricket Club treffen verschiedenste Nationalitäten aufeinander. Probleme gibt es deshalb nicht: Cricket verbindet und erleichtert es den Migranten und Migrantinnen in Basel, untereinander Kontakte zu knüpfen.



Für einmal wird der Sportplatz Bachgraben in Basel nicht von einem Fussballclub genutzt. Er dient an diesem Sonntagnachmittag im August als Spielfeld für den Basel Cricket Club. Sieht man von weitem die Männer im schicken weissen Dress und teilweise mit ledernen Gesichts- und Knieschonern ausgerüstet, fühlt man sich ins England des 19. Jahrhunderts versetzt. Den wenigen Passanten/-innen, die eher zufällig das Spiel verfolgen, steht die Überraschung ins Gesicht geschrieben. «Die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer wissen nicht, was wir eigentlich spielen», erzählt Andrew Brooks, Kassier des Basel Cricket Clubs. Der zwei Meter grosse Engländer mit den langen roten Haaren bezeichnet sich selbst als ziemlich schlechten Spieler. Er sei dem Club in Basel beigetreten, weil Cricket eines der wenigen Dinge sei, die er in der Schweiz vermisse. Migranten sind sie eigentlich fast alle, die 22 Mitglieder des Basler Clubs. Nur ein Schweizer gehört dazu - doch auch er lebte lange in Australien, wo er dem dortigen Nationalsport frönte. Vor allem Inder, Pakistani, Engländer, Südafrikaner und Australier spielen Cricket - und sind deshalb auch im Basler Club anzutreffen. Gibt es manchmal Probleme bei so vielen Nationalitäten? «Nein, ganz und gar nicht», sagt Brooks. «Cricket ist ein Mannschaftssport und wir versuchen, uns gegenseitig zu unterstützen.»

Schwierige Trainingsbedingungen
Die Liebe zur 20 Meter langen «Pitch», dem «Wicket» und dem «Cricketwillow» verbindet sie. Für ein eher fussballlastiges Land wie die Schweiz sind dies natürlich Fremdwörter. Und wer sich in die Regeln von Cricket einlesen will, braucht mindesten die Dauer eines Cricket-Spiels dazu - und das kann bis zu fünf Tage dauern. «Die komplizierteren Regeln kennen nur die Schiedsrichter», gibt Brooks zu. Obwohl er bereits als Kind in der Schule Cricket spielte, bleibt die ungeheure Zahl von Regeln für ihn noch immer unüberschaubar. «Zwar ist es gut, wenn man sie ein wenig kennt, doch bei uns in der Mannschaft sind alle willkommen», sagt Brooks. «Natürlich auch Schweizer.» Der Basel Cricket Club ist laut Brooks sportlich nicht wirklich erfolgreich: «Zum einen liegt es sicher daran, dass wir noch nicht sehr lange existieren.» Dass der Club in den unteren Ligen rangiert, liegt aber vor allem an den schlechten Trainingsbedingungen. «Im Winter können wir nicht spielen, da wir keine Halle zur Verfügung haben.» Trainiert wird von Mai bis September einmal wöchentlich in Münchenstein. Jährlich bestreitet die Mannschaft mit Wahlheimat Basel zirka sieben Liga- und fünf Freundschaftsspiele.

Kontakte pflegen und knüpfen
Die Gegner sind Cricket Clubs aus der Schweiz oder dem nahen Freiburg. Doch es wird nicht nur gespielt, sondern auch gefeiert: «Nach jedem Freundschaftsspiel gibt es ein Barbecue», erzählt Brooks. Obwohl der Engländer früher in Zürich wohnte und schon dort einige Kontakte knüpfen konnte, erleichterte ihm der Beitritt zum Cricket Club, in Basel Anschluss zu finden. «Wir pflegen einen freundschaftlichen Umgang und geniessen neben dem Sport auch gemeinsame Freizeitanlässe», berichtet Brooks. Das Publikum im Bachgraben setzt sich vor allem aus Familienmitgliedern der Spieler zusammen. «Die meisten kennen sich oder lernen sich durch das Cricket kennen», streicht Brooks einen weiteren sozialen Aspekt des Clubs heraus. Und wenn er von seinen Schweizer Kollegen wegen seiner speziellen Sportart belächelt wird, hat er jederzeit eine Antwort parat: «Hornussen und Schwingen sind ja wohl auch nicht ganz alltägliche Sportarten, oder?»

Helen Weiss

Basel Cricket Club
Jay Singh, St. Johanns-Vorstadt 84
4056 Basel, Tel. 061 321 38 55
Homepage: www.baselcricket.ch



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