Geburt in der Fremde

Seit gut einem Jahr existiert in Basel die Schweizerische Koordinationsstelle für Migration und reproduktive Gesundheit des Hilfswerks Iamaneh. Ziel ist ein flächendeckendes Angebot an Geburtsvorbereitungskursen für Migrantinnen.

Dr. Eunice de Carvalho und Madelaine Wick Marcoli koordinieren Geburtsvorbereitungskurse.

Verschiedene Untersuchungen im Bereich Migration und Gesundheit zeigen es: Schwangerschaften und Geburten verlaufen für Migrantinnen oft schwieriger als für einheimische Frauen. Auch die Versorgung im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit ist schlechter.
Im Juni 2002 hat in Basel die Schweizerische Koordinationsstelle für Migration und reproduktive Gesundheit ihre Arbeit aufgenommen. Getragen wird die Stelle vom Hilfswerk Iamaneh, geleitet von Eunice de Carvalho und Madeleine Wick Marcoli. Die Finanzen kommen vom Bundesamt für Gesundheit und von verschiedenen Stiftungen. «Die Erfahrung an einem Schweizer Spital hat gezeigt, dass mit Geburtsvorbereitung in der Muttersprache zum Beispiel die Zahl der Kaiserschnitte gesenkt werden konnte», erklärt de Carvalho. Madeleine Wick Marcoli betont, dass das Problem nicht auf Migrantinnen beschrõnkt ist: Je weniger sich eine Frau auf ihre Geburt vorbereiten könne, desto anfälliger ist sie für Schwierigkeiten.
«Das Problem ist, dass Migrantinnen generell einen schlechteren Zugang zu den Dienstleistungen des Gesundheitswesens finden», sagt de Carvalho. «Sie sind nicht nur zu wenig informiert, auch kulturelle Unterschiede oder das Fehlen von vergleichbaren Angeboten in ihren Herkunftsländern tragen zu den Schwierigkeiten bei.»
Um diese Mankos zu beheben, gibt es schon seit drei Jahren in Renens bei Lausanne ein lokales Pilotprojekt, welches in einem Quartierzentrum muttersprachliche Geburts- vorbereitungskurse anbietet. Ab 2004 werden solche Kurse auch am Universitätsspital Lausanne und bei einer Frauenberatungsstelle angeboten. Begleitet werden sie von einer Koordinationsgruppe aus Ärztinnen, Hebammen und Migrationsfachleuten.
Im Juni haben Wick Marcoli und de Carvalho auch hier eine solche Gruppe ins Leben gerufen mit dem Ziel, in den beiden Basel Geburtsvorbereitungskurse für Migrantinnen anzubieten. In den nächsten Jahren wollen die Leiterinnen der Koordinationsstelle in verschiedenen Regionen der Schweiz weitere lokale Koordinationsgruppen ins Leben rufen.
Alle beteiligten Personen und Organisationen an einen Tisch zu bekommen, sei sehr aufwändig, sagt Madeleine Wick Marcoli: «Ebenso wichtig und arbeitsintensiv ist es allerdings, das Angebot auch bei der Zielgruppe bekannt zu machen. Wir müssen die Migrantinnen dort erreichen, wo sie selbst hinkommen.»   

Andreas Merz

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