Crazy Tricks in Bärennächten

Statt in den Ausgang in die Sporthalle: In der «Bärennacht» treffen sich Jugendliche aus verschiedensten Nationen samstagnachts zum freien und friedlichen Basketball-Spiel in der Dreirosen-Halle.

Im Spiel Energien ablassen und keinen Stress suchen.

Die Idee an sich ist simpel, und eigentlich erstaunt es nicht, dass sie funktioniert. Warum nicht Jugendlichen ganz unbürokratisch eine Halle, Basketbälle und Körbe zur Verfügung stellen und dazu Sound abspielen? Im Kleinbasel ist diese Idee für Jugendliche Realität geworden. Seit Oktober 2000 wird zwischen Herbst- und Frühjahrsferien jede Samstagnacht in der Dreirosen-Turnhalle Basketball gespielt. «Bärennacht» oder «Midnight Basketball» heisst der Anlass, der durch die Unterstützung der Kleinbasler Gesellschaft zum Bären, des Sportamts und einer Versicherung möglich wurde. Initiiert wurde die Multikulti-Sportnacht von der Gesellschaft zum Bären, die sich bei ihrer Gründung vor fünf Jahren zum Ziel gesetzt hatte, das friedliche Zusammenleben im Kleinbasel zu fördern. Die Anregung zur Basketball-Nacht kam von einer Diplomarbeit der Fachhochschule für Soziale Arbeit beider Basel.
Zwischen 30 und 60 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren treffen sich nun im Winterhalbjahr samstags von halb elf bis ein Uhr nachts bei fetziger Musik, vom DJ aufgelegt, zu locker geführten Matches. Und wenn an einem Abend nicht so viele Jugendliche da sein sollten, dann werden per Handy-Propaganda im Nu weitere Mitspielerinnen und Mitspieler mobilisiert. «Die Bärennacht ist nicht unsere Erfindung», erklärt Ambros Isler, Basler Arzt und Gründungsmitglied der Gesellschaft zum Bären. «Ähnliche Anlässe für Jugendliche, die dabei Energien ablassen und Spass haben können, gibt es zum Beispiel auch in New York, Hamburg oder Zürich.»

Ladies-Night lockte Spielerinnen
«Midnight Basketball ist eine sehr gute Sache», bestätigt Boris Avram. «Statt am Rhein zu sitzen und zu saufen und zu kiffen, können die Jungen etwas Gutes für sich tun.»
Der 19-jährige Serbe war von Beginn des Anlasses mit dabei, zuerst als Spieler, nun als Spielleiter. «Wir, mein Kollege Asmir Bekiri und ich, organisieren die Spiele und schauen, dass es keinen Streit gibt», sagt der Elektromonteur-Lehrling. Gespielt wird nämlich ohne Schiedsrichter, und bei Fouls müssen Unklarheiten im Gespräch beseitigt werden. «Aber das regelt sich immer selber, weil niemand Stress will», sagt Boris Avram. «Ich fands gewaltig», erzählt der Ex-NLB-Basketballer Pascal Kaufmann, der die Bärennacht zu Beginn leitete. «Ich hatte am Anfang Bedenken, ob alles friedlich ablaufen würde, aber es hat sich wieder einmal gezeigt, dass Sport die Kulturen verbindet», sagt der 24-Jährige. Neben Schweizern hat er in der Dreirosen-Halle auch Südamerikaner, Türken, Asiaten und Jugendliche vom Balkan und weiteren Regionen beobachtet. Aber die Besetzung der Sport-Nacht kann sich immer wieder ändern. Zum Beispiel hofft man bei der Leitung immer noch auf mehr weibliche Verstärkung. «Es wäre lustiger, wenn mehr Frauen kämen», meint Boris Avram. Eine Ladies-Night lockte zwar einmal viele Spielerinnen zum Turnier, nun sind die männlichen Jugendlichen aber wieder deutlich in der Überzahl.

Sich wohl fühlen, wo man lebt
«Strassenbasketball» werde hier gespielt, sagt Pascal Kaufmann, «crazy tricks» sind hip. Aber auch für Anfänger/-innen gibt es Möglichkeiten. «Man kann sie fragen, ob sie schon mitspielen wollen, sonst steht meistens eine Halle zum Üben und für erste Spielchen bereit», sagt Pascal Kaufmann. Und schliesslich kann man sich in weiteren Bären-Basket-Projekten weiterbilden. Im Juni fand zum Beispiel der vierte Bärencup, ein Turnier mit gegen 250 Spielerinnen und Spielern, statt, und im Dezember 2001 wurde ein eigener Bären-Basket-Club gegründet, der bereits sechs Teams umfasst und bei dem Interessierte aller Altersklassen jederzeit willkommen sind. «Ich bin davon überzeugt, dass man sich dort wohl fühlen muss, wo man lebt», erklärt Ambros Isler seine Motivation, sich in der Gesellschaft zum Bären zu engagieren. Die Bärennacht, die am 18. Oktober ein weiteres Mal ihre Tore öffnet, trägt dazu wohl bei.

Monika Wirth


Informationen zur Bärennacht bei:
Ambros Isler, ahisler@bluewin.ch,
Tel. 061 692 88 11.
Informationen zum Basketballclub Bären Kleinbasel bei:
Pascal Kaufmann, kaufmannpascal@tiscali.ch, Natel 079 664 89 94.

zurückblättern
blättern