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 «Eigentlich wollte ich nur Verwandte in der Schweiz besuchen», antwortet der
1968 geborene Neapolitaner Carmine Curcio auf die Frage, wann er denn das erste Mal nach
Basel gekommen sei. «Aber als ich dann hier war, gefiel es mir unglaublich gut. Und
als mir die Möglichkeit gegeben wurde, für ein Jahr beim Strassenbau zu
arbeiten, willigte ich sofort ein.»
Carmine und Sandra Coppola Curcio leben beide in einer fremden Stadt: Basel.
Es sollte aber anders kommen: Aus dem einen Jahr wurden fünf, und aus der vielen
Arbeit ein Rückenproblem, das eine Therapie erforderte. «Ich arbeitete bis zu
15 Stunden täglich», so Carmine. «Dann meinte der Arzt, ich müsse
sofort damit aufhören.» Und genau in dieser Zeit, im November 96 also, traf
Carmine auf die in Zürich geborene und lebende Sandra Coppola, die für ein paar
Tage in Basel auf Besuch war. «Ich habe ihn einmal gesehen und war sofort aufs
Heftigste verknallt», schwärmt die heute 29-Jährige.
Italienisch im Ohr
Die beiden wurden ohne Umschweife ein Paar, auch wenn es anfangs Sprachprobleme gab.
«Ich konnte nicht wirklich Italienisch, aber ich hatte es im Ohr»,
erzählt Sandra. «Und so dauerte es nicht lange, bis wir uns fliessend in
Carmines Muttersprache unterhalten konnten.»
Von Zürich nach Basel
Für Sandra war der Umzug nach Basel kein Problem. «Ich war fasziniert von der
Stadt, in der Carmine wohnte. Und es war etwas Neues.» Ausserdem hatte sie, die
ehemalige KV-Absolventin, die Chance, ein Praktikum beim
Jugendzentrum St. Johann zu absolvieren. «Schon in Zürich
wusste ich, dass ich unmöglich in einem Büro würde arbeiten wollen, und so
hatte ich dort schon einmal beim Forstamt gearbeitet und ein Spitalpraktikum
gemacht», erklärt sie. «Das Praktikum im Jugi hat mir so viel Spass
gemacht, dass ich schliesslich eineinhalb Jahre dort blieb.» Momentan arbeite sie in
der Carambar, wo sie als Bartenderin nicht nur Getränke ausschenkte, sondern auch
sehr viel von den Menschen mitbekomme: Oft fühle sie sich hierbei wie in einem
sozialen Beruf.
Geheiratet haben die beiden dann vier Jahre nach ihrer ersten Begegnung. Standesamtlich
nur, weil «wir zwar beide katholisch aufgewachsen, aber keineswegs praktizierende
Katholiken sind», erklärt Sandra.
Kreativität verbindet
«Ich habe in meiner Jugend eine musikalische Ausbildung genossen, lernte
während neun Jahren Klavier, Flöte und Kniegeige spielen», sagt Sandra.
«Gerne würde ich meiner Kreativität, die in mir schlummert, wieder
Ausdruck verleihen. Am wahrscheinlichsten wäre Musik, aber es könnte auch etwas
anderes sein. Im Moment warte ich noch auf die Eingebung.» Die Kreativität von
Carmine ist es auch, was Sandra an ihm fasziniert. Und wirklich: Carmine ist ein
Vollblutkünstler. Als Frontmann der Band «Phonetnica» singt er zu
verschiedenen Musikarten die alten neapolitanischen Volkslieder, mit denen er in seiner
Jugend aufgewachsen ist und die ihn noch immer stark prägen. Den Lebensunterhalt
verdient er mit Grafitti: Unter dem Künstlernamen «Edu» ist er in der
Schweiz bekannt. Aber nicht nur von Aufträgen lebt er: Er gibt auch Workshops.
Integriert und akzeptiert fühlt sich Carmine in Basel vollkommen. Sogar ein
grösseres Freiheitsgefühl und mehr künstlerischen Entfaltungsraum habe er
hier als in Neapel.
«Italiener/-innen sind in der Schweiz gut akzeptiert», meint Carmine.
«Denn wir sind hier nichts Neues mehr. Die einzige rassistische Bemerkung, mit der
ich je konfrontiert wurde, kam von einem Polizisten, der mir vor ein paar Jahren
unfreundlich sagte, dass ich verschwinden solle, wenn ich nicht arbeiten
würde.»
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