3 Fragen




Dr. med. Anke Ronsdorf, Oberärztin der Notfall- und Intensivstation der Medizinischen Klinik Liestal

Warum kommen Migranten/-innen häufiger in die Notaufnahme?
Weil es in ihren Herkunftsländern in der Regel keine Hausärzte gibt. Man geht dort zum Arzt ins Spital. Von daher kann ich klar bestätigen, dass Migranten/-innen häufig zu uns kommen.

Wie gehen Sie damit um?
Wir versuchen, auf diese Patienten einzugehen, weisen aber auch darauf hin, dass es niedergelassene Ärzte gibt, die sie beim nächsten Arztbesuch möglicherweise aufsuchen könnten. Speziell bei Patientinnen, die unserer Sprache nicht so mächtig sind, versuchen wir Kontakt herzustellen mit Ärzten, die aus dem Herkunftsland der Patientin kommen.
In der Region Basel denke ich insbesondere an niedergelassene Ärzte, die Türkisch sprechen, da das eine Klientel ist, die wir häufiger sehen. In akuten Notfällen leiten wir rasch die nötige Behandlung ein. In lebensbedrohlichen Situationen versuchen wir durch Angehörige die Verständigung mit dem Patienten herzustellen und Informationen zu vermitteln. Das ist eine schlechte, aber oft nicht zu vermeidende Variante. Für uns ist es relativ schwierig, im Notfall türkische Dolmetscher zu bekommen. Es wäre darum sicherlich gut, wenn wir einen Pool von Dolmetschern hätten. Für einige Sprachen trifft das zwar zu, für die meisten jedoch nicht.

Reagieren Migranten, Migrantinnen aggressiv oder werden gar gewalttätig, wenn sie sich sprachlich nicht verständlich machen können?
Nein, das erleben wir auf der Notfallstation äusserst selten. Die meisten kommen mit einer Frage oder einer Bitte. Meistens gelingt es uns auch mit der Hilfe von Spitalangestellten, einen Weg zu finden.

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