 |
 |
 Zuhören, ernst nehmen, das Kind seine Probleme und Ängste mal abladen lassen.
Das ist die Hauptaufgabe von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen. Warum die Eltern
aber hinter den vorgeschlagenen Lösungen stehen müssen, erklären Sabine
Dreyfus und Ibon Ugalde vom Schulpsychologischen Dienst Basel-Stadt.

Die Schulpsychologen Sabine Dreyfus und Ibon Ugalde.
Schulpsychologen/-innen, so stellt man sich vor, therapieren Kinder, die Probleme haben
oder machen.
Ibon Ugalde: Wir arbeiten nicht nur mit Kindern und Jugendlichen, sondern auch mit Eltern
und Lehrkräften. Sie mit einzubeziehen ist sehr wichtig, sie müssen
hinter dem stehen, was wir an Lösungen vorschlagen. Wenn sie dies nicht mit ihren
Werten und ihrem Menschenbild vereinbaren können, bringt alles nichts.
Sabine Dreyfus: Wir bieten Unterstützungen an bei schulischen, familiären,
sozialen, verhaltensmässigen, psychischen, pädagogischen Auffälligkeiten
und Problemen. Dabei sind wir mit verschiedensten Institutionen vernetzt, vermitteln
unsere Klienten oft auch an geeignete Stellen weiter. Ausserdem führen wir in den
Schulen Sprechstunden durch für Lehrkräfte, Jugendliche und auch für ihre
Eltern.
Wenn ein Kind vor Ihnen sitzt, was machen Sie konkret?
Dreyfus: Wir hören erst einmal zu und nehmen das ernst, was das Kind zu sagen hat.
Meist hilft schon, wenn es mal abladen kann. Kinder sind oft sehr kreativ und kommen - mit
unserer Hilfe - auf eigene Lösungen und Strategien. Oder wir zeigen ihnen auf, was
sie tun, wo sie Hilfe finden können.
Arbeiten Sie mehr mit schweizerischen oder ausländischen Kindern und Eltern?
Ugalde. Häufiger mit fremdsprachigen. Dass Migranten/-innen vermehrt bei uns Hilfe in
Anspruch nehmen, hat aber weniger mit ihrer sprachlichen und kulturellen Herkunftskultur
zu tun, sondern mehr mit ihrer sozialen Schichtzugehörigkeit und ihrem Bildungsstand.
Wenn beide Eltern arbeiten müssen, um den Lebensunterhalt der Familie zu verdienen,
wenn sie eigene Probleme haben, bleibt weniger Zeit für die Realität ihres
Kindes. Sie können ihm weniger mitgeben, reden weniger mit ihm, sodass es die
Muttersprache kaum beherrscht. Wenn das Kind in die Schule kommt, macht es sich aus
Ohnmacht auf andere Art bemerkbar. Doch das trifft bei Schweizern aus einer tieferen
sozialen Schicht genauso zu.
Dreyfus: Die Probleme, die ausländische Kinder und Eltern mitbringen, sind
häufig unter dem Strich nicht anders als die der Schweizer Familien. Entscheidend
sind die verfügbaren Möglichkeiten. Vielleicht unterscheiden sie sich im Umgang
mit Konflikten und bei Erziehungsfragen. Da liegt es dann an uns, dies zu verstehen, Hilfe
anzubieten und den Hintergrund dieser Familien zu ergründen.
Haben Kinder und Jugendliche heute andere Probleme als früher?
Dreyfus: Nein, aber die Komplexität und die Intensität der Probleme haben
zugenommen. Kinder sind ein Spiegel der Gesellschaft. Das Leben ist komplizierter
geworden; und da sind die Kinder die ersten, die darauf reagieren.
Früher hiess es: Buben reagieren ihre inneren Konflikte nach aussen ab, Mädchen
fressen sie in sich rein. Kann man das heute noch so sagen?
Ugalde: Diese klare Trennung erlebe ich immer weniger. Kinder haben eine sehr spielerische
Art, mit den Geschlechterrollen umzugehen. Die Jugendlichen suchen ja Beachtung,
Anerkennung, wollen auf sich aufmerksam machen, und dies tun sie mit den Mitteln und
Strategien, die am meisten Erfolg versprechen. Buben und Mädchen nützen alle
Möglichkeiten aus.
Interview: Simone Burgherr
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|