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 Um Jugend, Gewalt und Rassismus geht es in dieser Ausgabe der Migrationszeitung. Sie
spürt - in der Welt der Jugendlichen - Konflikte auf, leuchtet die Hintergründe
aus und zeigt, warum man der Jugend Vertrauen schenken kann.
Von Timm Eugster
Wer Jugend sagt, denkt schnell an Gewalt und Rassismus, an all die Medienberichte
über Prügeleien, Erpressungen und Neonazi-Zusammenrottungen. Wohin soll das noch
führen, wenn sich nicht mal die Jungen vertragen, die doch unser Gemeinwesen einmal
tragen sollen, fragt sich da manch einer.

Auf Ungerechtigkeiten reagieren Jugendliche allergisch.
Tatsächlich ist es nicht schwer, eine Zeitung mit dem Thema «Jugend - Gewalt -
Rassismus» zu füllen. Wer sich umhört in den Jugendtreffs, auf
Schulhöfen oder vor dem Stadion, wie die Reporterinnen und Reporter dieser Zeitung,
könnte tatsächlich zur Auffassung gelangen, Gewalt und Rassismus seien Alltag
geworden für viele Jugendliche unserer Region. Schweizer FCB-Fans aus der
Muttenzerkurve erklären, warum sie Gewalt in gewissen Situationen für
gerechtfertigt halten (Seite 8). Ein Schweizer Jude erzählt, wie er von Neonazis verprügelt wird, sobald er
eine Kippa trägt, und wie er von einem Türken bedroht wurde. Junge Türken
berichten, wie es sich anfühlt, sich in einem Land eine Zukunft aufzubauen, aus dem
einem viele Einheimische am liebsten weghaben möchten, wo man misstrauisch
beäugt wird und in dem die Türen verschlossen scheinen und oft auch
sind - wegen einem angeblich unschweizerisch klingenden Namen.
Und doch ist den Reporterinnen und Reportern dieser Zeitung eins klar geworden: Das Motto
dieser Zeitung könnte genauso gut «Jugend - Peace & Multikulti»
heissen. Die meisten Jugendlichen wissen sehr genau zu unterscheiden zwischen Einzelnen,
mit denen sie «Stress» haben, und all den anderen Schweizern, Türken oder
Albanern, mit denen sie super auskommen (Seite 3).
Und sobald die sozialen Unterschiede verschwinden, hat Fremdenfeindlichkeit unter
Jugendlichen keine Chance mehr, wie ein Besuch in einer englischsprachigen Elite-Schule
zeigt (S. 18). Auf Ungerechtigkeiten reagieren Jugendliche allergisch - und sie setzen sich für
eine bessere Welt ein (S. 10, 15). Und das in Zeiten, in denen Erwachsene vorführen, dass Konfliktlösung durch
Gespräch etwas für Schwache ist und elegant zu Ziel und Beute kommt, wer den
Gegner mit Bomben ausradiert, mitsamt allen Menschen, die dummerweise auch noch in der
Ziellinie stehen. Ausländische Jugendliche aus einfachen Verhältnissen geben
auch nach 100 Absagen nicht auf, eine Lehrstelle zu finden,
währenddem gutsituierte Erwachsene vormachen, dass die grössten Boni
einstreicht, wer die Firma am schnellsten in den Abgrund führt. Es sind Erwachsene,
die von den Jugendlichen eine Multikulti-Idylle erwarten, während ihre einzige
multikulturelle Erfahrung im Kebab-Essen besteht.
Auch zum Thema «Erwachsene - Gewalt - Rassismus» liesse sich eine Zeitung
mühelos füllen. Und doch liegt der Schwerpunkt dieser Zeitung bei der Jugend und
deren Problemen. Denn diese bestehen. Doch: Sie sind grundsätzlich lösbar - auch
wenn es keine einfachen Patentrezepte gibt. Denn Gewalt ist oft eine Reaktion auf Ohnmacht
und Schwäche, und Rassismus ist ein anderes Wort für den gesellschaftlich
verankerten Machtmissbrauch durch den Stärkeren. Aus schwachen Jugendlichen
können starke werden, die weder Gewalt noch Rassismus nötig haben - wenn sie
dabei unterstützt werden. Zum Beispiel im Sport (S. 6-9), in der Schule (S. 14), im Jugendtreff (S. 3) oder im geschlossenen Aufnahmeheim (S. 16). Wer sich nicht damit zufrieden gibt, die Jugend als gewalttätig und rassistisch zu
verdammen, sondern sie ernst nimmt, auf ihre positive Kraft baut (S. 5, 14) und die bestehenden Probleme mit ihr zusammen angeht, braucht nicht um die Zukunft
unseres Gemeinwesens zu bangen.
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