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 Was unterscheidet gewalttätige Jugendliche von ihren friedfertigeren Kollegen? Diese
Frage untersucht an der Uni Basel zurzeit ein Team aus Erziehungswissenschaftlern,
Soziologen, Ethnologen, Psychiatern und Theologen. Der Projektverantwortliche Anton
Hügli äussert sich zu den ersten Erkenntnissen.

Gewalt: Ob jemand Ausländer oder Schweizer ist, ist kein Faktor.
Zugewanderte Jugendliche werden häufiger straffällig als solche mit Schweizer
Pass. Stimmt das?
Ob jemand Ausländer ist oder Schweizer, ist nach unseren Erkenntnissen absolut kein
Faktor, ob jemand gewalttätig wird oder nicht. Es gibt eine riesige Spannweite
zwischen nur positiv auffallenden jungen Ausländern und solchen, die massiv Probleme
bereiten. Es sind ganz andere Faktoren entscheidend.
Was macht denn aus einem jungen Menschen einen Gewalttäter?
Erstens gibt es bestimmte innere Einstellungen, die gewalttätiges Verhalten
wahrscheinlicher machen. Wer an sich zweifelt, die Zukunft düster sieht und sich von
seinem Umfeld nicht geliebt und erwünscht fühlt, ist eher gefährdet.
Ausserdem ist das Rollenbild wichtig: Wer ein überkommenes, patriarchalisches
Männerbild pflegt, neigt eher dazu, Gewalt als Teil seiner männlichen
Identität zu betrachten.
Zweitens kann ein gleichzeitig strafender und inkonsequenter Erziehungsstil der Eltern die
Bereitschaft zu gewalttätigem Verhalten deutlich verstärken. Eine positive
Bindung zwischen Eltern und Kindern, die neben Anteilnahme auch Kontrolle beinhaltet,
hemmt andererseits Gewalt. Wer ausserdem Mitglied einer Gruppe ist, in der Gewalt
akzeptiert und gefördert wird oder wer Gewalt am eigenen Leib erfahren hat, wird
ebenfalls eher dreinschlagen.
Wer die Schüler kennt, kann also präzise voraussagen, ob in einer Schulklasse
Gewalt verbreitet ist oder nicht?
Nein. Es gibt enorme Unterschiede zwischen Klassen des gleichen Schultyps und sogar des
gleichen Schulhauses. Auch wenn persönliche Einstellungen und der Erziehungsstil den
Nährboden für ein gewalttätiges Klima geschaffen haben, hängt noch
sehr viel davon ab, ob die Lehrperson die Schüler-/innen wertschätzt und
persönlich wie auch fachlich unterstützt. Man muss sich vor Augen halten, dass
immer mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, bis jemand gewalttätig wird.
Positiv formuliert heisst das, dass die Gewaltprävention an zahlreichen Stellen
anknüpfen kann.
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