Mit Mut den Crash abwenden

Respektlosigkeit und Rassismus sind alltäglich. Kein Grund, sie einfach hinzunehmen. Wer das Stück «Crash» der «TheaterFalle» sieht, kann mit etwas Mut die sich anbahnende Katastrophe verhindern. Wie im wirklichen Leben.


Bei der «TheaterFalle» kann das Publikum mitmischen.


Ein aufgerissenes Auge, dann wird alles weiss. Isabelle ist angefahren worden. Doch es gibt Zeugen des Unfallhergangs: Die Zuschauer-/innen des Theaters «Crash!», das diesen Unfall auf Bühne und Leinwand inszeniert. Sie haben gesehen, wie Isabelle aufs Mofa stieg, um ihren Freund Nat einzuholen, der nach einem Streit an seinem Arbeitsort weggerannt ist. Sie haben auch den Streit gesehen. Und sie haben sogar die Möglichkeit, Isabelles Unfall rückgängig zu machen. Denn: Sobald das Stück zu Ende ist, können die Zuschauer/-innen eingreifen. Szenen, die ihnen wichtig scheinen, werden noch einmal gespielt. Sie bestimmen, welche Figur im Stück an welcher Stelle anders reagieren sollte. Wie kann man den «Crash» vermeiden? Die Frage stellt sich immer wieder neu.

«Crash!» ist eine Produktion des Basler Forum-Theaters «TheaterFalle», in der Respektlosigkeit und Rassismus zur Sprache kommen: Nat, ein Thailänder mit Schweizer Pass, wird von seinem deutschen Lehrmeister Karl verdächtigt, Geld aus der Kasse gestohlen zu haben. Nats Freundin Isabelle aus Biel, ihre Gesangslehrerin Sophia und deren argentinischer Freund Pablo treffen an Nats Geburtstagsparty an seinem Arbeitsplatz zusammen. Hier kommt es zum Streit, der sich schon lange angebahnt hat. Kleine Verletzungen steigern sich zur Katastrophe.

Um diese kleinen Verletzungen geht es Ruth Widmer, der Leiterin und Gründerin der «TheaterFalle». «Wir unterscheiden immer zwischen Recht und Unrecht. Dabei gibt es so vieles dazwischen», sagt sie und fügt hinzu: «Es braucht Regeln zum Zusammenleben. Aber man sollte diese Regeln gemeinsam klären. Dazu fehlt uns oft der Mut.» Mut muss man haben, wenn man in Konfliktsituationen eingreifen will - auch im Theater. Ruft ein Zuschauer «Stopp», übernimmt er Verantwortung für den Fortgang des Stücks. Er muss mit der Respektlosigkeit der Figuren auf der Bühne umgehen und sieht die Konsequenzen seiner Vorschläge. «Wenn klar wird, dass jeder Verantwortung trägt für sein Handeln und seinen Umgang mit anderen, haben wir sehr viel erreicht», sagt Ruth Widmer.

Die Schwierigkeiten zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft kennt das «Crash!»-Team nicht nur auf der Bühne. Die Mitwirkenden stammen aus verschiedenen Ländern und sprechen verschiedene Sprachen. Ruth Widmer: «Das Stück ist in einem schwierigen Prozess entstanden. Oft hatten wir untereinander genau die Probleme, die jetzt ins Stück eingeflossen sind.»                          

Miriam Glass



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