Als junger Flüchtling hat er miterlebt, wie schnell Jugendliche auf die schiefe Bahn geraten können. Jetzt hilft der gebürtige Kosova-Albaner Heset Grabovci jungen Landsleuten, sich im Leben zurechtzufinden. Mit Erfolg.


Heset Grabovci: «Man muss möglichst früh das Positive stärken.»

Andere resignieren ob all der Probleme in der Welt und vor der Haustür. Nicht so Heset Grabovci. Der Irak-Krieg? Hätte man diplomatisch verhindern können, ist der 31-jährige gebürtige Kosova-Albaner aus Gelterkinden überzeugt und präsentiert sogleich einen ausgeklügelten Plan. Auch zwischen zerstrittenen Parteien in Kosova hat der Konfliktmediator, der lieber Peace-Mediator genannt werden will, bereits mit Erfolg vermittelt. Seine hiesige Arbeit ist weniger spektakulär - aber mindestens so wichtig und anspruchsvoll: Grabovci vermittelt zwischen Albanern und schweizerischen Behörden und hilft albanischen Jugendlichen, sich im Leben zurechtzufinden.

«Es ist meine Pflicht als Mitbürger, etwas für meine Landsleute und die Stadt Basel zu leisten», betont der ausgebildete interkulturelle Vermittler, der 1991 als Kriegsdienstverweigerer in die Schweiz geflüchtet ist. Dieser Pflicht kommt er bisher ohne Lohn nach: Seine Arbeit mit Jugendlichen leistet er ehrenamtlich. Sein bisher einziger Lohn ist sein Erfolg und die Befriedigung, nicht mehr tatenlos zusehen zu müssen, wie hoffnungsvolle junge Menschen auf die schiefe Bahn geraten und keinen Weg zurück mehr finden. Als junger Flüchtling im Asylheim, ohne Arbeit, ohne Möglichkeit zu studieren, ohne Deutschkenntnisse und konfrontiert mit als feindlich erlebten Behörden, erlebte er täglich, wie Mitbewohner sich zu illegalen Geschäften überreden liessen. «Das tat weh», sinniert Grabovci. Es sei schlicht einfacher gewesen, kriminell zu werden als ehrlich zu bleiben.

Wenn Politiker darüber schwadronieren, dass die Jugend eine Zukunft brauche, ärgert sich Grabovci: «Blödsinn. Sie brauchen eine gute Gegenwart - dann kommt die Zukunft automatisch.» Viele albanische Jugendliche benötigten jemanden, der ihnen hilft, im Gespräch mit allen Beteiligten Brücken zu bauen zwischen den verschiedenen Welten von Schule, Familie, Freizeit und Arbeitswelt, zwischen denen sie zu balancieren haben. Andernfalls drohten sie, desorientiert zwischen Stuhl und Bank zu fallen. Mit Alkohol, kleinen Diebstählen und Gewalt versuchten dann viele, sich trotzdem gut und stark zu fühlen.

Noch nötiger als andere brauchten ausländische Jugendliche deshalb einen neuen, eigenen Raum als Fundament, auf dem sie eine positive eigene Identität entwickeln könnten. Diesen will ihnen Grabovci verschaffen - mit Musik, Tanz, Theater, Sport und Gesprächen. Im Moment sucht er Geldgeber. Die Integrationsstelle PMD Basel-Stadt unterstützt das Projekt von Grabovci. Grabovci hofft nun auf weitere Geldgeber, damit er ab nächstem Jahr regelmässig eine ganze Gruppe von Jugendlichen mit Problemen betreuen kann.

«Man muss möglichst früh das Positive in den Jugendlichen stärken, damit die negativen Seiten nicht überhand nehmen», erklärt der Peace-Mediator. Wie bei jenem einst verzweifelten und unverstandenen Jungen, der auch mal in einer Schlägerei mitmischte und trotz seiner Intelligenz nur schlechte Noten heimbrachte. Grabovci wurde seine Vertrauensperson. Er vermittelte dem Geigentalent einen Platz in der Musikschule und unterstützte ihn bei der Lehrstellensuche. Jetzt ist er zufrieden - und glücklich verlobt. Das macht auch den Peace-Mediator glücklich.

Timm Eugster


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