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 Kalmoo, Basler Rapper
Du hast früher oft «geschlägert». Warum?
Um mich zu befreien. Von meinen Aggressionen zu befreien. Es war eine ganz blöde Form
von Konfliktlösung.
Ich habe meine inneren Konflikte nach aussen getragen. Ich fühlte mich wie ein Baum
ohne Wurzeln und war auf der Suche nach einer identitätsstiftenden Plattform, um
meine Identität, die in Hunderte von Mosaiksteinchen zerfallen war, wieder
zusammenzusetzen.
Ich schlug aber auch aus Ohnmacht drein, Ohnmacht gegenüber dieser Gesellschaft, der
ich mich ausgeliefert fühlte. Als ich zur Schule ging, verstand man unter Integration
vor allem Assimilation. Ich hatte das Gefühl,
nur eine Wahl zu haben, die keine ist: Entweder ich passe mich voll an oder ich erschiesse
mich. Und beides tötet dich. Meine Mentalität steht in einem so krassen
Gegensatz zur schweizerischen, die kalt ist wie der Eisberg, der die Titanic zum Sinken
brachte.

Heute «schlägerst» du nicht mehr. War das ein Prozess, oder hat es
irgendwann einfach Klick gemacht?
Es hat ein Klick gebraucht, um diesen Prozess in Gang zu setzen. Und dieser Prozess ist
noch lange nicht abgeschlossen, so jedenfalls stelle ich mir das vor. Das Klick war die
Entdeckung meines kreativen Ichs, das rauswollte. Ich begann zu rappen, zu rhymen,
verpackte all das, was mich in den Sumpf drückte, in Texte. Aggressionen sind
wie ein Motor, haben auch etwas Gutes. Wenn man sie in die richtigen Bahnen lenkt. Das
habe ich lange nicht gecheckt.
Heute bist du ein bekannter Rapper. Kalmoo. Was ist Kalmoo für dich?
Kalmoo ist mein Tummelplatz, mein eigener grosser Kindergarten, wo ich Blümchen sein
darf oder Elefant. Wo ich sein kann, wie ich will, wie ich als Puccio oft nicht darf.
Kalmoo ist mein kreatives Ich. Er ist mein Therapeut.
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