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 Er war ein junger Kriegsflüchtling aus Kosova, sie eine Basler Studentin. Er ein
Moslem, aus einem Bergdorf und einer traditionellen patriarchalen Familie stammend, sie
eine Christin und emanzipierte Schweizerin. Kann das gut gehen? Es kann. Wie ein
gemischtes Paar das Experiment wagte und zu neuen Horizonten aufbrach.
Nexhmedin Uka und Nadine Berger, seit drei Jahren verheiratet...
Sie sind ein süsses Pärchen, wenn sie am Küchentisch ihrer
Zweizimmerwohnung sitzen und sich tief in die Augen blicken: Nadine Berger Uka aus
Bottmingen, Baselland, und Nexhmedin Uka aus Terstena bei Mitrovica, Kosova, wirken drei
Jahre nach ihrer Hochzeit noch immer wie frisch verliebt. Dabei ist viel geschehen, seit
sich die beiden in einem italienischen Restaurant in der Basler Innerstadt zum ersten Mal
begegnet sind. Er hatte den Job im Service damals als vorläufig aufgenommener
Kriegsflüchtling angenommen, sie als Studentin neben den Vorlesungen und Seminarien
in Deutsch und Geschichte. «Ich weiss noch genau, wie du am ersten Tag angekommen
bist...», schwärmt der heute 25-Jährige, um den es sofort geschehen war.
Sie hingegen genoss ihr Single-Leben, fand in «Nexhi», wie sie ihn liebevoll
nennt, jedoch einen ernsten, interessanten und interessierten Gesprächspartner.
«Erst als er mir den Ausreisebefehl zeigte, schnallte ich, dass ich ihn auf keinen
Fall mehr verlieren wollte...», erinnert sich die 27-Jährige.
Uka ist unterdessen zum stellvertretenden Geschäftsführer in ebendiesem
italienischen Restaurant aufgestiegen, Berger bildet sich zur Gymnasiallehrerin weiter und
unterrichtet in Laufen. Die Beziehung hat neue Horizonte eröffnet: «Früher
hab ich nur gearbeitet oder bin mit dem Bruder, Cousin oder Kollegen in der Stadt etwas
trinken gegangen», erinnert sich Uka, «jetzt mit Nadine geh ich in den Zirkus,
ins Theater, Kino, wir wandern oder fahren Ski...» Auch Berger hat Neues kennen
gelernt: «Ich liebe diese berührende, albanische Musik, die Nexhi
heimbringt», schwärmt sie, «besonders moderne Sänger mit guten
Stimmen.» Die traditionellen Volkslieder hingegen seien musikalisch langweilig -
dafür die Texte umso spannender. Sobald sie die Sprache besser kann, will die
Historikerin eine Doktorarbeit über das alte albanische Liedgut verfassen, in dem
sich der Alltag dieser patriarchalen Gesellschaft über Jahrhunderte spiegelt.
Zwangsläufig mussten sich auch die Familien des Pärchens an neue Horizonte
gewöhnen. «Hats denn keine Albanerin in der Schweiz?!», habe seine Mutter
ungläubig ausgerufen, erzählt Uka, als er ihr seine Heiratspläne
eröffnete. «Es gibt so ein witziges Klischee in Kosova», fügt Berger
lachend hinzu: «Demnach werden alle Albaner, die Schweizerinnen heiraten, zu
Pantoffelhelden, die völlig unter der Knute der Frau stehen.» Sich andere
Partnerschaftsmodelle vorzustellen als die Umkehrung des gewohnten Patriarchats, sei wohl
nicht einfach. «Heute hat meine Mutter keine Probleme mehr mit meiner Frau»,
freut sich Uka. Damit dies auch so bleibt, hält sich der Ehemann mit Kaffeeauftragen
zurück, wenn die Mutter im ehelichen Haushalt zu Besuch ist.
Ist es für den jungen Albaner nicht manchmal komisch, eine so ganz andere Ehe zu
führen als Geschwister und Eltern? «Mit einer Albanerin hätte ich bloss
eine Hausfrau», argumentiert Uka, «mit Nadine jedoch habe ich dazu eine
Freundin und Kollegin gefunden.» Dass Entscheidungen gemeinsam getroffen und der
Haushalt zusammen in Stand gehalten wird, behagt dem aufgeweckten jungen Moslem sowieso
besser als die Patriarchenrolle. «Er ist aufgeschlossener als so mancher junger
Schweizer», weiss die Ehefrau.
Schnell mit dem Schwiegersohn angefreundet hat sich die Mutter Berger, und mit der
Grossmutter hat der Kosovare gar viele Gemeinsamkeiten gefunden: In Ukas Schilderungen
über sein abgeschiedenes Heimatdorf in den Bergen erkennt die alte Frau die Welt
ihrer Kindheit vor 70 Jahren wieder. Dadurch hat sie die Angst vor Ausländern
verloren: «Früher war sie ihnen gegen-über sehr kritisch eingestellt -
heute hält sie im Treppenhaus einen Schwatz mit den jugoslawischen Nachbarn»,
weiss Berger.
Und wie feiert ein christlich-moslemisches Ehepaar Weihnachten? «Ich feiere mit -
bloss in die Kirche geh ich nicht», sagt Uka. Denn: «Gott heisst für mich
Allah - auch wenn er vielleicht derselbe ist, an den Nadine glaubt.»
Beratungsstelle für binationale Paare und Familien
Steinengraben 69, 4051 Basel, Tel. 061 681 24 14
Öffnungszeiten: Mo, Mi 8.00-11.00, Di, Do 14.00 - 18.00
Persönliche Beratung nach Vereinbarung.
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