-minus Grosses Multi-Kulti-Rezept

Mitunter ist das Fest ja auch echt stressig - zumindest was das Essen angeht. Vom Halleluja-Gesummse und dem Familienfrieden ganz zu schweigen. Letzterer ist eh im Eimer, seit Tante Martha  Golf spielt und sich nun in höhere Handicaps schwingt. Ich meine: Wir feiern ja ein Christenfest. Christen sind  unter sich. Und doch geht der Zoff ab - die Omi weigert sich, «Oh Tannenbaum» zu singen, weil das ein reformiertes Liedlein sei. Und ihre katholische Erziehung verbietet ihr einen musikalischen Tannenbaum.


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Tante Martha wiederum macht Stunk, weil der Engel der Verkündung über der Krippe fehlt. Und die Kleinen sind eh auf dem letzten Nerv - erstens ist die Blockflöte heiser, zweitens kann Karl-Uwe sein Gedicht vom Weihnachtsstern  nicht mehr und drittens: «Wann gehts denn endlich an die Geschenke?!»
Es ist Tradition, dass vor den Geschenken immer gegessen wird. Entsprechend ist es eigentlich total egal, was die gütige Hausmutti auftischt. In Gedanken sind alle eh schon unter dem Baum beim Gewickelten und Beschleiften.
Trotzdem gibt es gewisse Weihnachtsessen, die sind traditionell: In unsern Gefilden war das Schüfeli auf Bohnen der Renner der 50er- und 60er-Jahre. Dann kam aus undefinierbaren Gründen der amerikanische Puter über den grossen Teich geflogen. Seither truthühnern die Hobbyköche am 24. Dezember mit 28-Pfündern herum.
Am beliebtesten ist heute jedoch «Fondue chinoise» - wir sind mit dem Jesuskindlein also am chinesischen Fonduetopf gelandet. Ja, wir denken mit Wehmut an jene Zeit zurück, als noch heisser Schinken mit Kartoffelsalat oder ganz einfach nur drei Platten mit belegten Brötli den Heiligen Abend einläuteten.
Nun sind wir ja eine Gesellschaft, die multikulti geworden ist. So heisst das Wort für vielschichtig, bunt. Und «nicht nur auf ein einziges Schweizerkreuz fixiert».
Eigentlich wäre es ja ganz im Sinne von Weihnachten, wenn wir am Heiligen Abend unsern Tisch für verschiedenste Leute decken würden - für Leute aus andern Ländern und andern Kulturen. Immer mehr junge Leute laden am 24. Dezember ihre türkischen, thailändischen oder arabischen Freunde oder Bekannten ein - und für einmal steht nicht der Geschenkberg im Vordergrund (obwohl die Kleinen natürlich noch immer genau so heiss auf den grossen Auspack-Moment sind wie eh), nein, für einmal soll der Heilige Abend einfach ein gemütliches Zusammensitzen sein. Ein gemeinsames Essen, das unter dem Zeichen des Friedens und der Toleranz steht.
Wenn wir so etwas auf die Beine oder auf den Tisch stellen könnten, hätten wir vielleicht sogar ganz nahe im Sinne des christlichen Weihnachtsfestes gehandelt.
Und falls Ihnen die Idee gefällt - hier ein «Multikulti-Auflauf», den sicherlich die meisten mögen und der den Vorteil hat, dass man ihn schon zwei Tage vorher zubereiten und am Heiligen Abend nur noch in den Ofen schieben kann...

Sei's drum - Multikulti-Auflauf «24. Dezember» Zutaten (für 12 Personen)
1 kg Makkaroni, 3-4 Aubergines, 6 grosse Zucchini, 10 Rüebli (geschält und mit dem Sparschäler in lange Streifen geschnitten), 6 Tomaten, 2 Tassen Rosinen, 6 Mozzarella-Kugeln, 250 g geriebener Emmentaler (damit die Schweiz auch zum Zug kommt), 3 Eier, 8 dl Halbrahm, Curry, Kreuzkümmel, Salz, 5 Knoblauchzehen, 3 Zwiebeln, Olivenöl


Zubereitung
Die Makkaroni in Salzwasser al dente kochen (aber nicht zu hart). Mit kaltem Wasser abspülen. Zucchini und Auberginen wie schon die Rüebli mit dem Sparschäler in Streifen schneiden. Tomaten in feine Rundummeli schneiden und diese etwas salzen und pfeffern.
Die gehackten Knoblauchzehen und Zwiebeln in wenig Olivenöl anziehen. Alles Gemüse und auch die Tomatenscheiben dazugeben. Mit Curry, Salz und Kreuzkümmel würzen und mit 2-3 Tassen Wasser ablöschen. Die Rosinen hinzufügen. Und alles so lange köcheln lassen, bis sich die Flüssigkeit reduziert hat. Halbrahm und Eier verquirlen. Leicht salzen und ebenfalls mit Curry und Kreuzkümmel diesen Eierguss würzen.
Nun in eine grosse (oder verteilt auf zwei kleinere) Gratinform eine Lage Makkaroni geben. Dann eine Lage vom gedämpften Gemüse. Schliesslich eine Lage mit fein gerädelten Mozzarelle. Und eine Lage mit etwas Emmentaler. Dies wiederholen - die letzte Lage sollte die Käselage sein. Nun gibt man den Eierguss über alles. Fertig.
Im vorgeheizten Ofen sollte der Gratin mindestens 40 Minuten bei 180-200 Grad ausgebacken werden. Danach kann man die Ofentemperatur runterstellen und den Gratin beliebig lange bei 70 Grad im Ofen lassen.
Der rohe Gratin kann schon am Tag vor dem Heiligen Abend zubereitet und im Eiskasten aufbewahrt werden - am Festtag selber backt man dann eine Stunde bevor die Gäste kommen, alles aus. Ach so - und über alles streuen wir noch zwei, drei Prisen Toleranz. Frohes Fest!
-minu
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