Die Geschichte von Jack - und Halloween

«Dieses Halloween-Zeugs geht mir auf die Nerven, ich kann es bald nicht mehr sehen», sagen die einen, wenn sie im Oktober durch die Geschäfte ziehen, die nun - seit einigen Jahren auch bei uns - zur Herbstzeit zu wahren Horrorhäusern mutieren.

Herbstspuk: Die einen nervts, die anderen freuts...

Andere freuen sich über den Herbstspuk: «Das bringt doch Abwechslung - und wenn wir Halloween nicht hätten, müssten wir schon im Oktober Weihnachtsschaufenster anschauen». Müssen wir trotzdem: In Basel-Stadt etwa tauchten die ersten Weihnachtsdekos um den 20. Oktober herum auf. - Aber eben auch die Kürbisköpfe, Plastikgeister, Horrormasken - und was es auf dem Halloween-Markt halt sonst noch alles so gibt. Nur dass Letztere halt schon im September die Auslagen zierten.

Halloween in Europa. Ein Export aus den USA. Aber nur vermeintlich. Klar, die Gruselprodukte-Welle, die heuer vor dem 31. Oktober - in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November findet die ominöse Nacht der Kürbisköpfe bekanntlich statt - durch unsere Geschäfte rollt, ist ein US-Verkaufsding, das nun auch bei uns Gewinn abwerfen soll...
Doch der Halloween-Ball wird uns Europäern aus den Staaten nur zurückgespielt - denn diese Nacht der Geister ist eine uralte Angelegenheit: aus der alten Welt, aus Europa.

In der keltischen Mythologie, unter Druiden mit ihren Praktiken, Ritualen, hat diese Schauernacht ihren Ursprung. Der Sommer wurde von den Druiden mit riesigen Feuern verabschiedet. Mit diesen Flammen wurde einerseits der Todesgott Samhain gefeiert - andererseits stellten sie Feuergrüsse an das neue Jahr dar, das für die Kelten ja im Herbst begann.
Überbleibsel dieser archaischen keltischen  Brauchtümer haben sich in Irland und Schottland erhalten. Während der Auswanderung in die Neue Welt sind sie dann nach Amerika gelangt.

Die katholische Kirche - immer darauf erpicht heidnische Bräuche umzuwerten - hat aus dem keltischen Fest für Samhain, für Tod und Geister, dann Allerheiligen gemacht. Dieser Feiertag wurde im 9. Jahrhundert im Deutschen Reich eingeführt.
Wo kommt nun aber der Kürbiskopf her? Er stammt aus der alten Geschichte vom besoffenen Taugenichts Jack. Der Antiheld Jack besiegt Hölle und Teufel mittels einer Laterne, die er aus einer Rübe geschnitzt hat. Und mit dieser Laterne muss er nun ewig umherirren, ohne Rast und Ruh...

Aus dieser Geschichte entwickelte sich die so genannte «Jack o'Lantern», der grinsende Kürbiskopf, den es heute in allerlei Ausführungen gibt - der geschnitzte Kürbis ist dabei oft genug feinem Porzellan oder billigem Plastik gewichen.

Der Name Halloween stammt übrigens auch aus England,  Irland und Schottland. Dort hiess Allerheiligen einerseits «All Saints Day», aber auch «All Hallows' Day». Aus dem Abend vorher wurde also «All Hallows Evening». Dies kürzte man dann auch mit «Hallows Eve» ab - und daraus entstand Halloween.

Das Wort «heilig» ist also im Namen dieses vermeintlichen US-Industriefeiertages immer noch erhalten. Die Verabschiedung des Sommers, Sammlung und Reinigung für den Winter, das Anerkennen des Lebenszyklus, zu dem der Tod ja untrennbar gehört - solche Gedanken liegen Halloween eigentlich zu Grunde.

Halloween ist also kein Export aus den USA... Die Amis haben uns den alten Brauch vielmehr zurück- gebracht. Und natürlich wurde dessen ursprünglicher Sinn nun vom Kommerz überlagert - aber, Hand aufs Herz, ist dies etwa bei Weihnachten anders?
Christian Platz
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