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Das Projekt Weltethos will das Gemeinsame als Grundlage des interreligiösen Dialoges
ins Bewusstsein rücken...
Wir werden alle zuerst als weibliche oder männliche Menschenkinder geboren - sei dies
in Asien, Nord- oder Südamerika, in Europa, Afrika oder Australien - und werden erst
über Erziehung z.B. zum Ibo-Gläubigen, zum Hinduisten, Taoisten, Buddhisten oder
zur Jüdin, Christin oder Muslima. Auf dieser Tatsache beruht der oberste aller Werte,
die Menschenwürde, wie sie in der UN-Charta der Menschenrechte festgeschrieben ist.
Können wir diese jahrtausendealte Tatsache in uns auch als Gefühl empfinden,
«zu einer einzigen menschlichen Familie zu gehören, in der jede Gruppe, jeder
Einzelne und jede Nation wegen des positiven Beitrages, den er oder sie leistet,
willkommen geheissen und nicht als eine auf andere gerichtete Bedrohung gefürchtet
wird»? («Brücken in die Zukunft», S. 41)
«Brücken in die Zukunft - Ein Manifest für den Dialog der Kulturen»,
so ist die deutsche Ausgabe des Berichts überschrieben, der im November 2001 dem
UNO-Generalsekretär und der Vollversammlung am Ende des «UNO-Jahres zum Dialog
der Kulturen» übergeben wurde. Er wurde von einer 20-köpfigen Gruppe von
Persönlichkeiten erarbeitet, zu denen auch Prof. Hans Küng gehörte, der
Präsident der Stiftung Weltethos Deutschland und Schweiz. Das Projekt Weltethos hat
darin Eingang gefunden.
Bereits in den 80er-Jahren gelangte der Schweizer Theologe Hans Küng zu der
Überzeugung, dass die Religionen der Welt nur dann einen Beitrag zum Frieden der
Menschheit leisten können, wenn sie sich auf ihre Gemeinsamkeiten besinnen, vor allem
auf das ihnen schon jetzt Gemeinsame im Ethos, und nicht in erster Linie das Trennende. Zu
den Hauptaufgaben der Stiftung bzw. des Projektes Weltethos zählen darum die
Durchführung und Förderung interkultureller und interreligiöser Forschung
und Bildungsarbeit sowie die Initiierung interreli-giöser Begegnungsprojekte vor Ort
und weltweit. Unter anderen wurde 1999/2000 das Medienpaket «Spurensuche»
veröffentlicht, bestehend aus sieben Videos zu Stammesreligionen und den sechs
Weltreligionen sowie dem gleichnamigen Buch mit einer CD dazu.
Nach Abschluss des Medienpaketes wurde von der Stiftung Weltethos im Jahr 2000 die
Ausstellung «Weltreligionen - Weltfrieden - Weltethos» konzipiert und
realisiert. Sie will einladen, die faszinierende Welt der Religionen besser kennen zu
lernen und die Bedeutung ihrer ethischen Botschaften in ihrer Bedeutsamkeit gerade
für unsere heutige interkulturelle und multireligiöse Gesellschaft besser zu
verstehen. Sie stellt - für jeden verständlich - auf sechs Tafeln das breite
Spektrum der Weltreligionen in sehr anschaulicher Weise vor: Hinduismus, chinesische
Religion, Buddhismus, Judentum, Christentum und Islam. Auf sechs weiteren Tafeln
erläutert sie zwei Grundsätze menschlichen Zusammenlebens. Jeder Mensch soll
menschlich behandelt werden und die so genannte goldene Regel: «Was du willst, das
man dir tu, das füge auch dem andern zu» bzw. «Was du nicht willst, das
man dir tu, das füg auch nicht dem andern zu.»
Auf diesen beiden Grundsätzen sind vier Säulen abgestützt, vier ethische
Weisungen, die allen Weltreligionen gemeinsam sind und von religiösen und auch nicht
religiösen Menschen mitgetragen und gelebt werden können: «Gewaltlosigkeit
- Du sollst nicht töten», «Gerechtigkeit - Du sollst nicht
stehlen», «Wahrhaftigkeit - Du sollst nicht lügen» und
«Partnerschaftlichkeit - Du sollst keinen sexuellen Missbrauch treiben». Diese
kultur- und religionsübergreifenden Gemeinsamkeiten (2 Grundsätze und 4
Weisungen) in Fragen des Ethos, also der persönlichen Grundhaltungen, der
Massstäbe, nach denen Menschen leben, und der Normen, an die man sich halten soll,
diese Gemeinsamkeiten wurden, in Anlehnung an gängige Begriffe wie Weltwirtschaft,
Weltpolitik und Weltgesellschaft mit dem Begriff Weltethos bezeichnet.
Das Projekt Weltethos will keine neue Ideologie sein mit dem Ziel einer Einheitsreligion
oder eines Einheitsethos. Es will vielmehr in der Vielfalt der Religionen das allen im
Ethos Gemeinsame als Grundlage des interreligiösen Dialogs ins Bewusstsein
rücken. Das eingangs zitierte Manifest umschreibt diesen Dialog der Kulturen und
Religionen als «Gedankenaustausch sowohl innerhalb von Gesellschaften als auch
zwischen und unter ihnen. Er lässt uns erkennen, was uns über alles Trennende
hinweg verbindet: das uns allen gemeinsame Streben nach einem besseren Leben für
unsere Kinder.» Dem Dialog der Kulturen und Religionen dienen auch verschiedene von
der Stiftung angebotene Weiterbildungsmöglichkeiten, unter anderen ein
zwanzigtägiger Lehrgang «Interreligiöse Bildung».
Guido Baumann, Geschäftsführung Stiftung Weltethos Schweiz
Brambergstrasse 33, 6004 Luzern
Tel. 041 241 17 07, Fax 041 241 17 08
e-Mail: guido.baumann@datacomm.ch
Zur Person: Geboren 1950. Nach einer Matura mit Typus A Studien in Theologie (M. A.) und
Philosophie (lic. phil.) in Löwen, Belgien, Logik und Wissenschaftstheorie (M. Sc.)
in London, England, sowie Anglistik (lic. phil.) in Zürich; zehnjährige
Unterrichtstätigkeit an verschiedenen gymnasialen Mittelschulen in den Fächern
Philosophie, Englisch, Sozialethik und Religion. 1987-2000 Direktor der Schweizerischen
Weiterbildungszentrale für Mittelschullehrpersonen. Seit Beginn 2001
Selbständigerwerbender mit u.a. einem Mandat für die Geschäftsführung
der Stiftung Weltethos Schweiz. Mitarbeit in einem Projektteam der bernischen
Lehrpersonenweiterbildung zum Thema «Ethik in Schule und Unterricht».
Kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen. Kein Frieden unter den
Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen.
Lehrgang Interreligiöse Bildung 2002/03, Stiftung Weltethos CH
Termine (Mo, 9.30 Uhr, bis Do, 16.30 Uhr):
2.-5. Dezember 2002, 17.-20. März 2003, 30. Juni bis 3. Juli 2003, 11.-14. August
2003, 3.-6. November 2003
Details unter www.weltethos.org
Mit dem Lehrgang «Interreligiöse Bildung» will das Bildungszentrum Matt
gemeinsam mit der Stiftung Weltethos Schweiz einen Beitrag zum interreligiösen Dialog
zwischen den Weltreligionen leisten. Der Lehrgang richtet sich an Personen, die sich
für Werte und deren Vermittlung auf einer Basis interreligiöser
Sensibilität interessieren. Er ist in fünf Modulen aufgebaut, die auch einzeln
besucht werden können. Nach Abschluss des Lehrgangs kann das Zertifikat
«Interreligiöse Bildung» der Stiftung Weltethos erworben werden, wenn ein
Projekt zum interkulturellen Dialog zwischen Weltreligionen realisiert wird.
Am Mittwoch, 14. Mai 2003, findet im Bildungszentrum in Muttenz (BZM) ein Forum der
Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung BL zum Thema «Ethik im Bildungsbereich»
statt. Dieses Thema wird anschliessend 2003 zu einem Schwerpunkt in der
Lehrpersonenweiterbildung des Kantons BL. Prof. Kuschel, Vizepräsident der Stiftung
Weltethos in Deutschland, wird in einem Einführungsvortrag das Projekt Weltethos
vorstellen. Anschliessend findet zwischen ihm, Frau Annemarie Pieper und Herrn RR Peter
Schmid ein Podiumsgespräch statt, in dem auch Fragen der Multikulturalität,
interkulturellen und interreligiösen Lernens, ethischer Bildung in der
Lehrpersonenbildung und der Wertekategorien und -hierarchie angesprochen werden. Am
Nachmittag stellt das Projektteam «Ethik in Schule und Unterricht» das von ihm
entwickelte Café éthique vor. - Die Ausstellung «Weltreligionen -
Weltfrieden - Weltethos» wird ab dem Forum bis zum 20. Juni 2003 im BZM gezeigt
werden. - Anmeldungen für das Forum sind zu richten an Markus Hungerbühler,
LFBL, Kriegackerstrasse 30, 4132 Muttenz.
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