Für Ansichten und Gefühle Raum lassen

Die Familie Mazumbar ist wirklich multikulturell. Der dreijährige Jay spricht schon drei Sprachen und kommt ohne Mühe damit klar. Die Familie hat sich für einen Wohnort in der Schweiz entschieden, weil vor allem Filomena Mazumbar hier ihre Wurzeln hat. Und für den Berufsmusiker Udai Mazumbar, der viel unterwegs ist, spielt der Wohnort keine besondere Rolle.

Filomena und Udai Mazumbar - mit ihrem Söhnchen Jay.

«Engstirnige Leute gibt es überall», sagt Udai Mazumbar. Das sei in Indien so und in der Schweiz nicht anders. Doch persönlich fühle er sich sehr wohl in Basel und überhaupt in der Schweiz. «Denn hier wird es ab und zu auch Winter. An meinem Heimatort ist die tiefste Temperatur 35 Grad.» Der professionelle Musiker hat an diesem Nachmittag Zeit, um mit seinem dreijährigen Sohn Jay zu spielen. Der Junge wächst gleich dreisprachig auf. Mit mir spricht er italienisch, in der Kinderkrippe lernt er Baseldeutsch und mit Udai redet er Bengali», sagt Filomena Mazum-dar, die ursprünglich aus Süditalien stammt. Sie arbeitet halbtags am ethnologischen Seminar der Universität Basel. Wegen dieses Jobs und wegen der Schule für Jay hat die Familie Basel als Wohnort ausgesucht.

Viel in der Welt unterwegs
Udai Mazumbar, der Berufsmusiker, sagt: «Ich bin sowieso sehr viel unterwegs in meinem Beruf.» Es gebe weder in Indien noch in der Schweiz so viele Auftrittsmöglichkeiten für einen Tablaspieler. Deswegen verbringt er jedes Jahr einige Monate im heimatlichen Alahabad am Ganges. «Für die Hindus ist die Stadt im nördlichen Zentralindien ein Pilgerort.» Die Heimat vermisst der Tablaspieler nicht: «Ich bin sehr offen aufgewachsen, meine Eltern waren nicht dogmatisch und so möchte ich es auch mit meinem Sohn halten.» Dieser würde ja sehen, wenn er seine religiösen Rituale durchführe, und könne dann später entscheiden, wie er leben und glauben wolle. «Wir lernen durch den Beruf meines Mannes auch Leute kennen, die in Bewegung sind,» sagt Filomena Mazumbar. Man müsse die verschiedenen Kulturen akzeptieren, den Leuten für ihre Ansichten und Gefühle Raum lassen.

Kein Bruch zwischen den Welten
Filomena Mazumbar ist mit fünf aus Süditalien in die Schweiz eingewandert. Mit ihrer Familie verbringt sie jeden Sommer zwei Wochen. «Wir schauen, dass wir's pro Jahr einmal schaffen, alle zusammen nach Indien zu gehen und einmal nach Italien.» Erst wenn die Schule für den kleinen Jay beginne, werde es wohl schwieriger, diese Ferientermine zu koordinieren. Zwischen den Welten besteht bei den Mazumbars kein Bruch: «Indien ist sehr vielseitig, alles geschieht nebeneinander», das macht es so faszinierend, sagt Filomena Mazumbar. «Wenn über Indien in den Medien berichtet wird, berichtet man vor allem über Armut und Elend, dabei übersieht man, dass es auch eine ganz andere Seite gibt. Denn gerade technologisch ist Indien im Moment weltweit führend», sagt Udai Mazumbar.

Basel ist weltoffen
Durch seine Musik würde er immer wieder weltoffene Leute kennen lernen, was eine Bereicherung sei. Diese Weltoffenheit erleichtere teilweise aber die Integration nicht, da er keinen Anreiz habe, die Sprache in Basel zu lernen. «Ich brauche es nicht täglich für meinen Job und das wenige, was ich mit den Leuten sprechen muss, geht auch auf Englisch.» Selbst indische Freunde, die etwa bei Novartis als Computerexperten arbeiteten, könnten sich in ihren Abteilungen problemlos auf Englisch verständigen und würden so das im Sprachkurs angeeignete Deutsch viel zu wenig üben. Bei den Mazumbars spielt die Musik von Udai eine grosse Rolle. «Ich unterstütze meinen Mann bei seiner Arbeit, verstehe, dass sie wichtig ist.» Daneben hat aber Filomena Mazumbar beim ethnologischen Seminar ebenfalls viel mit unterschiedlichen Kulturen zu tun. «Das hilft mir, mit einer ungewöhnlichen Situation umzugehen.» Mühe mit den Nachbarn oder Ärger hatten die Mazumbars in Basel jedenfalls nie. «Aber natürlich gibt es Rassisten, sie begegnen einem aber selten.» Filomena Mazumbar erinnert sich dabei vor allem an arrogante, intolerante Zöllner. «Das einzige, was mich ein wenig schockiert hier, ist die Ruhe. Es ist immer so still hier. In Indien sieht man auch morgens um vier noch Leute, die irgendetwas machen. Hier ist es einfach ruhig.» Kennen gelernt haben sich die Mazumbars 1992, als Filomena auf einer Indienreise war. Schliesslich traf man sich wieder in Europa und schliesslich wurde eine Beziehung daraus.
«Zwischen unseren Kulturen gibt es keine Probleme, aber wie in allen Ehen haben auch wir Meinungsverschiedenheiten, das hat aber nichts damit zu tun, woher wir kommen.»
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