Sport und Integration

Sport und sportlichsein sind in unserer Gesellschaft zu zentralen Werten geworden. Sportlichkeit signalisiert Belastbarkeit und Selbstkontrolle.



Sport spielt schon lange eine zentrale Rolle bei der Integration von Migrantinnen und Migranten. Wer schon einmal am Sonntagmorgen auf den Fussballplätzen der Region Basel war, weiss, wovon die Rede ist. Für das, was zahlreiche Basler Sportvereine wie zum Beispiel der Volleyballclub VBC Basel seit Jahren unentgeltlich leisten, hätten sie schon längst nicht nur einen Integrationspreis verdient. Unter den populärsten Schweizer Sportprofis gibt es auffällig viele fremdländische Namen wie Hingis, Yakin oder Miluska. Es sind Ausländer oder Ausländerinnen der 2. Generation, denen wir zujubeln und die den Ruf der Schweiz als erfolgreiche Sportnation in alle Welt hinaus tragen.
Jetzt hat auch die Politik den Wert des Sports als Integrationsinstrument erkannt.

Das ist eine Chance für den Sport – und die Integration. Aber es beinhaltet auch eine Gefahr. Für einige ist der Sport inzwischen so etwas wie ein Allheilmittel für eine ganze Reihe von Problemen unserer modernen Gesellschaft: Er soll die Gesundheitskosten senken, er soll die Lern- und Konzentrationsfähigkeit unserer Kinder erhöhen und jetzt soll er auch noch «unser Ausländerproblem» lösen. Damit wird der Sport überfordert. Wir müssen auf dem Boden bleiben: Auch sporttreibende Migranten und Migrantinnen verbringen ihre Freizeit meist mit Landsleuten, nicht mit Einheimischen. Sport erzeugt auch Gewalt. Man müsste blind und taub sein, um auf den Sportplätzen alle rassistischen Äusserungen und offenen Gewalttätigkeiten gerade zwischen «Einheimischen» und «Fremden» nicht wahrzunehmen.
Sport ist keine heile Welt, sondern ein verdichtetes Abbild unserer Gesellschaft, bei dem die alltäglichen Probleme dieser Gesellschaft häufig ungeschminkt zu Tage treten. Erst wenn Sport von allem ideologischen Kitsch und allen falschen Heilserwartungen befreit ist, kann er seine integrative Funktion für Schweizer und Nicht-Schweizer erfüllen:

Der Sport und das Sportlichsein
sind in unserer modernen Gesellschaft zu zentralen Werten geworden. Sportlichkeit signalisiert Belastbarkeit und Selbstkontrolle. Werte, die für beruflichen Erfolg, gesellschaftliche Anerkennung und soziale Integration stehen.
Im Sport sind Emotionen und ein höheres Mass an körperlicher Kraft zugelassen als im nichtsportlichen Alltag. Im sportlichen Wettkampf findet die Kampf- und Angriffslust einen gesellschaftlich erlaubten Ausdruck. Nicht rohe Gewalt, sondern regulierte und kontrollierte Aggression ist in vielen Sportarten der Schlüssel zum Erfolg.
Sport bietet Chancengleichheit. Die Regeln des Fussballspiels sind in Anatolien oder im Kosovo die gleichen wie in Basel und werden von niemandem als fremd empfunden. Um ein Tor zu schiessen, braucht man nicht unbedingt Deutsch zu sprechen.
Wer Sport treibt, tankt Selbstvertrauen, entwickelt ein gesundes Verhältnis zu seinem Körper, kann sich besser ein- und unterordnen, hat das Gefühl, in seiner Freizeit eine «sinnvolle» Betätigung auszuüben, fühlt sich respektiert, lernt mit Frust umgehen, erlebt Toleranz und empfindet Spass und Befriedigung. Wer Sport treibt, fühlt sich wohl in seiner Haut. Damit aber ist ein Sportler mit Sicherheit weniger darauf angewiesen, sich seine Anerkennung und sein Selbstvertrauen zum Beispiel durch Aggression oder demonstratives Anderssein zu erwerben.
Das ist die integrative Kraft des Sports! Diese Chance gilt es zu nutzen.
Im Wissen um diese Chance hat der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt dem Ressort Sport (Sportamt) einen klaren Auftrag erteilt:
«Die Integrations- und Präventionsmöglichkeiten des Sports werden gezielt genutzt.»
(Politikplan 2002–2005 des Kantons Basel-Stadt, Seite 52)
Andrea Müller, Leiter Ressort Sport

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