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 Die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City haben es einmal mehr eindrücklich
gezeigt: Sport verbindet, vereint und kennt keine Grenzen. Diese Tatsache sollte nicht nur
an Olympia, sondern ständig wahrgenommen werden, denn Sport ist eines der idealen
Gefässe, um Kinder, Jugendliche und Erwachsene verschiedener Herkunft
zusammenzubringen.
Sport dürfen alle betreiben, unabhängig ihrer Herkunft und ihrer Muttersprache.
Sport und Bewegung sind international. Es erstaunt deshalb nicht, dass sich die Kinder
sehr häufig selbst, und nicht angetrieben handelnd, aus sportlichen und integrativen
Überlegungen engagiert um Kontakte zu Sportvereinen bemühen und dort zumindest
Schnuppertrainings absolvieren möchten. Dies gelegentlich auch gegen den Widerstand
von Eltern, welche auch aufgrund ihrer Herkunft (und vielleicht Religion) sich mit den
hiesigen Gepflogenheiten in Einzelfällen immer wieder schwer tun.
Das Kantonale Sportamt Baselland hat vielleicht gerade deshalb festgestellt,
dass erst wenige ausländische Jugendliche bereits im frühen Kindesalter Zugang
zum Vereinssport finden. Im traditionellen Mutter+Kind-Turnen sowie im Kinderturnen ist
der Prozentanteil an ausländischen Jugendlichen gering. Dies trotz des enormen
Engagements des Schulsportes, der sich im Grundschulalter stark um die Integration
bemüht. Vielleicht werden für dieses Alterssegment von Vereinen zu wenig
Schnupperkurse angeboten?
Dafür stossen jeweils Hunderte von ausländischen Jugendlichen zu Beginn des
Jugend+Sport-Alters (10 Jahre) zum Sport, zu einer an sich idealen Zeitphase, die als
goldenes Lernalter bezeichnet wird. Vielleicht hat das überdurchschnittliche
Interesse in diesem Alter auch damit zu tun, dass das Kantonale Sportamt allen
10-Jährigen Unterlagen zum Sport zustellt und das Angebot unterbreitet, Sportwochen
zu besuchen und auf einer Postkarte acht persönliche Wunschsportarten anzugeben. Ein
Grossteil der Jugendlichen macht Gebrauch von dieser Offerte.
Mädchen fühlen sich vielfach zu Spielformen, Schwimmen, Turnen oder Tanzen
hingezogen, während die jungen Burschen vor allem Ballsportarten, Kampfsportarten und
Individualsportarten bevorzugen.
Das sportliche Können wird völlig losgelöst von Grenzen erlernt. Die
Sprache ist dabei absolut kein Hindernis, denn Sport kennt keine Schranken.
Bei ausländischen Jugendlichen fällt auf, dass sie Mannschaftssportarten
bevorzugen, welche in ihrer Heimat mit Begeisterung ausgeübt werden und ihnen deshalb
näher liegen. Fussball und Basketball sind die am häufigsten gewählten
Sportarten. Bei der Ausübung «ihrer» Sportart leben die Jugendlichen
richtiggehend auf und fühlen sich dabei in ihrem Element. Oftmals übernehmen
ausländische Jugendliche die Leaderrolle, weil sie sich hundertprozentig mit dieser
Sportart identifizieren können.
Umgekehrt fällt auf, dass Sportarten mit schweizerischer Tradition eher selten als
Hobby ausgewählt werden. Gerade hier liegt ein grosses Entwicklungspotenzial, denn
unter den ausländischen Jugendlichen gibt es bestimmt viele, die schnell Gefallen
finden würden an Sportarten wie Turnen, Leichtathletik, Schwingen, Schneesport,
Orientierungslauf, Radsport oder Laufsport. Vereine dieser Sportarten nehmen jederzeit
alle Interessierten gerne in ihren Reihen auf und freuen sich über alle
Neumitglieder. Bevor eine Mitgliedschaft abgeschlossen wird, bieten alle Vereine
Schnuppertrainings für Jugendliche an. Erst nachher stehen sie vor dem Entscheid,
sich vertiefter mit der Sportart auseinander zu setzen oder nicht.
Im Erwachsenenbereich funktioniert die Integration in der Regel ebenfalls gut, aber genau
gleich wie bei den Jugendlichen in den bevorzugten Sportarten aus der Heimat. Besonders im
Fussball spielen viele Ausländer aktiv in Mannschaften mit; so unter anderem auch im
Firmensport und (als Spitzensportler) in den beiden Nationalligen. Reine
Ausländerteams in den unteren Ligen stellen in der Fülle der Teams die Ausnahme
dar.
Im Gegensatz zum Nachwuchs- und Erwachsenenbereich besteht für Seniorinnen und
Senioren am meisten Handlungsbedarf. Erst wenige Ausländerinnen und Ausländer
wagen sich an Aktivitäten im Seniorensport und erleben in angemessener Form Bewegung
durch Sport. Gerade im «gesetzteren» Alter sollten Berührungsängste
abgebaut werden. Dabei geht es nicht mehr um sportliche Spitzenleistungen, sondern um
körperliche Betätigung und wertvolle soziale Kontakte.
Die Schweiz profitiert davon
Integration durch Sport geschieht aber auch in umgekehrter Richtung, wenn beispielsweise
Trainerinnen und Trainer aus dem Ausland engagiert werden und Schweizerinnen und
Schweizern das Einmaleins einer «anderen» Sportart, wie Rugby oder American
Football, beibringen. Hier funktioniert Sport als Integrator in beiden Richtungen und auch
dann, wenn vorerst (sprachliche) Barrieren bestehen. Es ist unbestritten, dass durch Sport
Spezialitäten einer anderen Nation kennen gelernt werden können.
Stärkeres Bewusstsein schaffen
An einer Informationsveranstaltung des Kantonalen Sportamtes im Herbst 2000 kam klar zum
Ausdruck, dass die Integration jugendlicher Ausländerinnen und Ausländer in
Sportvereine zwar erfolgt, aber eher unbewusst und unsystematisch. Ein stärkeres
Bewusstsein in dieser Hinsicht könnte neue Perspektiven eröffnen und zu einer
Sensibilisierung verhelfen. Durch spezielle Modulveranstaltungen, vertiefte Behandlung in
Aus- und Fortbildungskursen sowie Präsentationen an Verbands-Versammlungen und
Informationsschreiben an Vereine, Gemeinden und Schulen könnte die Integration
flächendeckend thematisiert und gezielt angegangen werden. Vielleicht gelingt es,
nicht nur ausländische Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Sport- treiben im
Verein zu animieren, sondern beispielsweise auch Eltern als Funktionäre zu gewinnen,
die auf diese Art eine Chance zur Integration erhalten und so ihre Ideen und
Überlegungen einbringen können.
Von Thomas Beugger und Willi Wenger
Weitere Auskünfte erteilt das Kantonale Sportamt Baselland, St. Jakobstrasse 43, 4133
Pratteln, Telefon 061 827 91 00, E-Mail: sportamt@ekd.bl.ch, Homepage: www.bl.ch/sportamt
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