Für mich ist die wahre Religion wichtig.

Aziz Kocabas hat früher mit Hakan und Murat Yakin Fussball gespielt. Der in der Schweiz aufgewachsene Türke hätte durchaus Karriere als Fussballer machen können, entschied sich jedoch für ein Theologie-Studium in der Türkei.

«Ich habe getrunken, Schweinefleisch gegessen, hatte Frauen, doch das alles machte mich nicht glücklich.»



Plötzlich seis ihm nicht mehr wohl gewesen, er habe sich mit Fragen über Leben und Tod auseinandersetzen müssen. «Ich habe gelebt wie ein normaler Mensch, psychisch war es mir nicht wohl. Ich hatte Fragen, aber keine Antworten...» Deswegen hat der Vater von zwei Töchtern seine KV-Lehre im zweiten Lehrjahr abgebrochen und eine Karriere als Fussballer aufgegeben. Er reiste in die Türkei, um fünf Jahre lang den Koran zu studieren. Spirituell hat er die Antworten gefunden, er konnte sich jedoch nicht mit der türkischen Lebensart identifizieren: «Schliesslich bin ich in der Schweiz aufgewachsen», sagt er. Es hätte auch etwas mit dem Ausbildungsstand und der Offenheit der Leute zu tun gehabt. Dazu komme, dass er die Schweiz offener als die Türkei erlebe, was das Praktizieren des Glaubens anbelange.

Politische Frage
In der Türkei sei der Glaube zu einer politischen Frage geworden. Oft drohe einfachen, praktizierenden Moslems und ihren Priestern Gefängnis, sobald sie ihren Glauben offen leben wollen. Im Kleinbasel, da fühle er sich zu Hause und vollumfänglich akzeptiert, sagt Aziz Kocabas, der in der Spiritualität des Korans eine Heimat gefunden hat. Er sagt auch: «In meinem Glauben wird ganz klar gesagt, dass ich hier die Schweizer akzeptieren und respektieren muss. Es wird ganz klar gesagt, dass man auch andere Ansichten respektieren muss.»

Aziz Kocabas lebt mit seiner Familie ganz nach diesen Regeln, denn alles andere sei ihm leer vorgekommen. «Ich habe getrunken, Schweinefleisch gegessen, hatte Frauen, doch das alles machte mich nicht glücklich.» Nun habe er eine Familie, zwei Töchter und sei glücklich. Die Toleranz seiner Religion gegenüber weiss er zu schätzen. «Natürlich gibt es viele Moslems, die keine Ahnung haben, was ihre Religion eigentlich sagt», erklärt er temperamentvoll. Dies könne es zwar überall geben, doch spürt man, dass Kocabas unzufrieden ist, wie etwa die Moslems nach dem 11. September behandelt wurden. «Wir wurden einfach alle in den gleichen Topf geschmissen.»

Einfach leben und arbeiten
Dabei zeigt gerade er, als sehr weltoffener Mann, dass dies nicht nötig wäre. «Ich will hier leben und arbeiten, meine Religion ausüben und Fussball spielen.» Dass das alles nicht so einfach ist, erlebte Aziz Kocabas, als er zunächst bei einer türkischen Mannschaft wieder in den Fussball einsteigen wollte. «Mein Glaube wurde nicht akzeptiert...» Schliesslich wandte er sich an den FC Amicitia in Riehen, wo es keinerlei Probleme mit Bart und Abendgebet gab. «Auch vor einem Spiel wird es voll von meinen Mitspielern akzeptiert.»
Aziz Kocabas hat aber ebenfalls sprachliche Probleme hinter sich, so musste er in der Türkei zunächst einmal die türkische Sprache wieder aufarbeiten, während er in der Kindheit erst richtig Deutsch lernen musste. Er habe damit allerdings keine besondere Mühe gehabt und sei in der Schule immer akzeptiert worden. «Ich war immer gerne mit Schweizern zusammen», sagt er, und dies habe ihm letztlich geholfen, auch mit der Sprache klarzukommen. Da er sein Leben in der Schweiz verbracht hat und seine Töchter hier aufwachsen werden, lässt sich Kocabas nun einbürgern. Das Einbürgerungsprozedere betrachtet er wohlwollend, fühlt sich nicht schikaniert, doch verspürt er eine gewisse Unsicherheit, was seine Religiosität und Spiritualität angeht: «Ich trage halt einen Bart, habe weitere Hosen als andere, weil das einfach dazugehört.»

Während er auf der Strasse in Basel grundsätzlich Toleranz erlebt, ist er unsicher, wie die Behörden auf sein Äusseres reagieren. «Vom politischen Wissen und von der Sprache her habe ich – glaube ich – nichts zu befürchten.» Zum Schluss betont Aziz Kocabas, dass in Basel irgendwie von jeder Stadt etwas drinstecke, man könne hier beinahe die ganze Welt friedlich zusammen erleben. Er sagt: «Ich war schon immer im Kleinbasel zu Hause und habe mich hier sehr wohl gefühlt, obwohl es vielleicht schon gewisse Probleme gibt.» Doch grundsätzlich sei das Zusammenleben im Quartier sehr gut.

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