Freie Zeit im Quartier?

Ein gesamtstädtisches Konzept für Quartiertreffpunkte befindet sich in Basel-Stadt in der Umsetzungsphase. Sozio-kulturelle Freiräume wie Quartiertreffpunkte tragen zur Verbesserung der Lebensqualität von Quartierbewohnerinnen und Quartierbewohnern bei und werden deshalb neu vom Kanton mitfinanziert.

Die Freizeit, über die Menschen heute verfügen, hat deutlich zugenommen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Arbeitszeitverkürzung, Teilzeitstellen, mehr Ferien, früheres Rentenalter, erhöhte (und europaweit höchste) Lebenserwartung, Vereinfachungen der Haushaltsarbeit usw. Aber auch Arbeitslosigkeit führt dazu, dass viele Menschen heute über mehr «freie Zeit» verfügen.

Der fliessende Übergang von Erwerbsarbeit und Freizeit ist ein Merkmal der post-modernen Freizeitgesellschaft. Die reduzierte Arbeitszeit macht möglich, dass mehr Zeit für andere Tätigkeiten vorhanden ist. Zu diesen Ergänzungstätigkeiten gehören u. a. auch Aufgaben und Angebote im sozio-kulturellen Bereich. Die für die Lebensqualität notwendige Sinngebung kann sowohl in der primären Erwerbsarbeit als auch in der (sozio-kulturellen) Freizeit(-Betätigung) stattfinden, wobei die Gewichtung individuell unterschiedlich ist. Während früher die Sinngebung vornehmlich bei der Erwerbsarbeit lag, verlagert sie sich, bedingt durch die vielfach «sinnentfremdete» Erwerbstätigkeit, bei vielen Menschen immer mehr in die Freizeit. Dadurch gewinnt die Freizeit zunehmend an Bedeutung, eine eigenständige «Freizeitkultur» ist entstanden.

Freizeitraum und Quartierarbeit
Diese Entwicklung führt zwangsläufig auch zu neuen Raumbedürfnissen. Neben dem wachsenden Bedarf nach persönlichem Wohnraum, wo jeder Mensch allein oder z.B. mit der Familie seine Freizeit verbringt, werden auch Kultur- und Freizeiträume im Quartier oder in der Stadt aufgesucht, da sozio-kulturelle Aktivitäten mit anderen Menschen nur beschränkt auf Grünanlagen, Sportplätzen oder in Parks stattfinden können. Diese Aktivitäten sind für die Identifikation der Wohnbevölkerung mit ihrer Umgebung von grosser Bedeutung.

Quartierarbeit ist keine neue Erfindung, leisten doch seit vielen Jahr-zehnten Quartiervereine, Kirchgemeinden und andere Institutionen und Trägerschaften (auch) in unserer Stadt wertvolle Arbeit mit und für die Bevölkerung.
Allerdings haben sich nicht nur die Bevölkerungsstrukturen und die Bedürfnisse in den vergangenen Jahren radikal verändert, sondern auch die Methoden und Mittel der modernen Gemeinwesenarbeit.
Gemäss einem neuen gesamtstädtischen Konzept für Quartiertreffpunkte in Basel-Stadt wird unter dem (Sammel-)Begriff «Quartiertreffpunkt» ein «soziokultureller Freiraum verstanden, wo Angebote präsentiert, koordiniert und gestaltet werden, die zur Verbesserung der sozialen und kulturellen Lebensqualität der Quartierbewohnerinnen und Quartierbewohner beitragen».

Grundsätzlich soll die Initiative für den Betrieb eines bestehenden oder für die Neu-Einrichtung eines Quartiertreffpunkts von der Quartierbevölkerung ausgehen. Die Trägerschaft (in der Regel ein Verein) setzt sich aus Bewohnerinnen/Bewohner des jeweiligen Quartiers zusammen und verfolgt primär präventive Ziele und Aufgaben bezüglich Begegnung, Integration, Erziehung, Selbsthilfe und Vernetzung.

Integrationsziel
Quartiertreffpunkte ermöglichen auf unkomplizierte Weise den niederschwelligen Zugang zu Angeboten, die eine Gemeinschaft braucht und die den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner nachhaltig prägen. Sie dienen als ideale Präventionsmassnahme gegen die zunehmende Anonymisierung und Vereinsamung.
Quartiertreffpunkte können dazu beitragen, bestehende soziale Konflikte altersübergreifend zu mindern, und sind Ort, wo sich Menschen mit verschiedensten Nationalitäten begegnen und sich untereinander ideell austauschen können. Als Zielgruppe ist in der Regel die ganze Quartierbevölkerung angesprochen.

Folgende integrative Massnahmen sind vorgesehen:  
  • gezielte Information über die Angebote der Quartiertreffpunkte
  • Einbezug von Mediatorinnen und Mediatoren ausländischer Herkunft
  • Angebote, welche die Bedürfnisse aller Bevölkerungsgruppen berücksichtigen
  • Vernetzung mit kulturellen Einrichtungen ausländischer Bevölkerungsgruppen

Der Kanton Basel-Stadt beteiligt sich zurzeit an den Kosten für den Betrieb von 11 sozio-kulturellen Quartiertreffpunkten und zwar im Sinne einer Basisfinanzierung, die ein Angebot auf minimaler Stufe ermöglicht. Durch Eigenleistungen können sowohl der Betrieb (Personal, Öffnungszeiten) wie auch das Programmangebot den Ressourcen entsprechend ausgebaut werden.
Es bleibt somit der Anreiz bestehen, für die Entwicklung des Quartiertreffpunktes auch hinsichtlich der Finanzen innovativ und aktiv zu sein.

Qualitätssicherung
Die Qualitätssicherung und die Qualitätskontrolle erfolgen nach einheitlichen Kriterien für alle Quartiertreffpunkte. Sie sind zwischen den Trägerschaften und der Kontaktstelle für Quartierarbeit vereinbart und im jeweiligen Subventionsvertrag festgelegt worden. Auch die Vielfalt der kulturellen, kreativen und allgemein bildenden Betätigungen und Beteiligungen in den Quartiertreffpunkten mittels Kursen, Veranstaltungen oder speziellen Anlässen wird quantitativ und qualitativ bewertet und bei regelmässigen Qualitätsgesprächen weiterentwickelt.

Bei der Gestaltung der freien Zeit geht es nicht nur um die Freizeit-Betätigung an sich, sondern auch um die Frage des Umgangs mit der Zeit und somit um die existenzielle Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens.

Roland Frank, dipl. sozio-kultureller Animator HFS, Leiter Kontaktstelle für Quartierarbeit, Erziehungsdepartement

Das Konzept Quartiertreffpunkte Basel-Stadt vom 31. März 2000 kann kostenlos bezogen werden bei:

Erziehungsdepartement
Kontaktstelle für Quartierarbeit
Neu: Stadthausgasse 13
Postfach 1076, 4001 Basel
Telefon 061 267 84 60
Fax neu 061 267 84 64
E-Mail: roland.frank@bs.ch

Adressen subventionierter Quartiertreffpunkte

Quartiertreffpunkt Breite, Weidengasse 53, 4052 Basel, Tel. 061 312 91 88, www.elternkindzentren.ch, E-Mail: quartiertreff.breite@bluewin.ch

Familienzentrum Gundeli, Dornacherstrasse 192, Gundeldingerfeld, 4053 Basel,  Tel. 061 333 11 33,  www.elternkindzentren.ch
  
Förderverein Pro QuBa (Quartierzentrum Bachletten), Bachlettenstrasse 12, 4054 Basel, Tel. 061 281 01 44, www.quba.ch, E-Mail: quba@netsession.ch

Kontaktstelle für Eltern und Kinder Basel-West, Stöberstrasse 36, 4055 Basel,  Tel. 061 302 15 15, www.elternkindzentren.ch  

Quartiertreffpunkt Davidseck, Davidsbodenstrasse 25, 4056 Basel, Tel. 061 321 48 28

Joint Venture Quartierbogen:
Verein Regenbogen, Haltingerstrasse 4, 4057 Basel, Tel. 061 693 42 98    

Quartierkontaktstelle Unteres Kleinbasel, Müllheimerstrasse 77, PF 355, 4007 Basel, Tel. 061 691 94 84, E-Mail: qks@freesurf.ch

Quartiertreffpunkt Kasernenareal, Kasernenstrasse 23, 4058 Basel, Tel. 061 681 29 46,  www.kasernentreff.ch, E-Mail: info@kasernentreff.ch

Eltern-Kind-Zentrum MaKly:              
Elternverein MaKly, Claragraben 158, 4057 Basel, Tel. 061 691 70 08, www.elternkindzentren.ch, E-Mail: makly@bluewin.ch

Basler Frauenverein am Heuberg, Heuberg 6, 4051 Basel, Tel. 061 260 92 92, www.baslerfrauenverein.ch  

Burg am Burgweg, Burgweg 7, 4058 Basel, Tel. 061 691 01 80, www.elternkindzentren.ch E-Mail: burg.bs@freesurf.ch

Treffpunkt Rheinacker, Im  Rheinacker 15, 4058 Basel, Tel. 061 601 50 30, www.elternkindzentren.ch, E-Mail: rhyacker@freesurf.ch

ELCH Elterncentrum Hirzbrunnen, Allmendstrasse 134, 4058 Basel, Tel. 061 601 20 21,  www.elternkindzentren.ch

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