Vision 2020: solider Wohlstand und eine gesunde Natur für
die nächste Generation.
Foto: z.V.g.Die Ausgangslage ist luxuriös, die Wirtschaft boomt und die gesellschaftlichen Probleme sind im internationalen Vergleich eher klein. Ein kritischer Blick auf die Nutzung der beiden grossen Ressourcen unseres kleinen Landes – das grosse Potenzial an jungen Leuten mit kultureller Vielfalt und die ebenfalls vielfältige Schönheit der Natur – zeigt aber, wo im Hinblick auf die Zukunft dringender Handlungsbedarf besteht. Die Verjüngung der alternden Einheimischen-Gesellschaft wird stark durch Immigration geprägt, die rund 1,6 Millionen Ausländerinnen und Ausländer aus 196 Ländern sind mehrheitlich in der ersten Lebenshälfte, die Schweizerinnen und Schweizer in der zweiten. In den Städten ist jede zweite Ehe binational, die Hälfte aller Kinder hat mindestens einen ausländischen Elternteil. Aber zu viele scheitern auf dem Bildungsweg, zwei Fünftel der Migrationsbevölkerung haben keine Berufsausbildung, ebenso ein Fünftel der Schweizerinnen und Schweizer. Integrationsdefizite der bildungsfernen Eltern werden vererbt, junge Migranten ohne Perspektiven und überforderte junge Schweizer füllen die Problemstatistiken von Therapie, Justiz und Sozialhilfe. Das muss nicht sein, mit einer auf Chancengleichheit ausgerichteten Familien- und Frühförderpolitik starten auch Kinder aus bildungsfernen Familien mit intakten Chancen in die Bildungskarriere. Zudem erhöhen Investitionen in familienergänzende Betreuungsstrukturen sowohl das Bildungsniveau der Kinder (aus allen gesellschaftlichen Schichten) wie die Erwerbsquote und die Kinderzahl der Frauen, sodass sowohl die Gesellschaft und die Wirtschaft und ebenso der Staat (über höhere Steuereinnahmen) profitieren. Mit einer proaktiven Familien-, Frühförder- und Integrationspolitik nach dem in Basel erfolgreichen Prinzip «verbindlich fördern und fordern ab erstem Tag» entfalten wir das Potenzial unserer vielfältigen Jugend optimal und schaffen mit hohem Bildungskapital Chancen auf dem anspruchsvollen Arbeitsmarkt. Diese Kombination von Massnahmen zur Potenzialentfaltung muss im Sinne der Motion Fritz Schiesser (s. Seite 6/7) für eine moderne und systematische Integrationspolitik möglichst bald in einem entsprechenden nationalen Integrationsgesetz klar geregelt werden.
Die Entwicklung des Arbeitsmarktes wiederum hängt von unserer Position im globalen Wettbewerb ab. Das angestrebte hohe Bildungsniveau wird nur in Kombination mit Forschung und Vermarktung produktiv. Auch hier ist die Ausgangslage der Schweiz dank den Leistungen der Pharma-, Nano- und Biotechnologiebranchen noch luxuriös, aber bereits zeichnet sich ein Wegschmelzen des Vorsprungs ab. Saubere Luft, gesunde Nahrung, Unabhängigkeit von Fossilenergie, effiziente Nutzung der Sonnenenergie und halbierter CO2-Ausstoss bestimmen als Ziele den technologischen Wettbewerb. Die Metropole Schweiz darf diesen Wettbewerb nicht verschlafen und muss mit einer Investitionsoffensive in modernste Energie- und Umwelttechnologien wieder – wie in den 1980er-Jahren – einen ökologischen Spitzenplatz einnehmen. Mit einer weitsichtigen Politik nach dem Potenzialansatz – mit Familienunterstützung, Frühförderung und Integration und mit einer innovativen Umwelt- und Energiepolitik schaffen wir in Kombination mit hoher Bildung, Forschung und Vermarktung eine Schweiz, die 2020 einen soliden Wohlstand und eine gesunde Natur an die nächste Generation weitergeben kann.Thomas Kessler,
Leiter Integrationsstelle Basel-Stadt
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