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 Die «Jugendseiten» der MIX ermöglichen Schulklassen aus den beteiligten Kantonen, ihre
eigenen Gedanken und Erfahrungen zum Thema Integration einem breiten Publikum zu präsentieren. Bei dieser
anspruchsvollen Arbeit werden die Schülerinnen und Schüler sowie auch das Lehrpersonal von der MIX-Redaktion
unterstützt und beraten. Wir
sind eine siebte Klasse aus der Stadt Bern, genauer aus dem Quartier Bethlehemacker. Wer Bern kennt,
denkt dabei vielleicht an «Ghetto» oder «viele Ausländer» oder «multikulti». Tatsächlich treffen in
unserem Quartier Menschen aus vielen verschiedenen Ländern aufeinander. Auch unsere Klasse ist bunt
zusammengewürfelt. Und genau diese Ressource wollten wir ausschöpfen. Im Anschluss an die Frage, warum
vor gut 150 Jahren so viele Europäer nach Amerika ausgewandert sind, haben wir uns auch gefragt, wo
unsere eigenen Familien denn herkommen, wo auf dem Globus sie Haltgemacht haben und wie sie schliesslich
in Bern angekommen sind. Wir haben ein bisschen unsere Wurzeln erforscht und uns gefragt, wo unsere
Eltern und Grosseltern aufgewachsen sind und was sie veranlasst hat, ihre Koffer zu packen oder an einem
Ort zu bleiben. Die Ergebnisse haben wir auf einer Weltkarte eingetragen. Zum Abschluss haben wir zu
zweit Interviews zum Thema «Vom Kofferpacken und Fussfassen» in unserem Bekanntenkreis durchgeführt.
Wir haben auch einen ehemaligen Lehrer unserer Schule, der nach Indien ausgewandert ist, interviewt.
Die gestellten Fragen und eine Auswahl aus verschiedenen Antworten wollen wir auf dieser Doppelseite
vorstellen.Wann und warum haben Sie sich
entschieden, Ihr Heimatland zu verlassen?1986 bin ich von Vietnam weggegangen,
weil die Politik und die Wirtschaft dort schlecht waren. Ly Tong* (48)
stammt aus Vietnam. Er arbeitet als Elektriker und reist am
liebsten mit dem Zug und mit dem Flugzeug. (*Name geändert)Im
Januar 2006 ist mir nach einem einjährigen Indienaufenthalt bewusst geworden, dass mein Platz auf dieser
Erde im Moment nicht mehr die Schweiz ist. Daniel Bongard (48) stammt
aus der
Schweiz. Er arbeitet als Therapeut in Indien und reist am liebsten in Gemeinschaft mit Menschen, die
ihm nahestehen. Weil meine Mutter schon mal
hier
war und wegen meiner Zukunft. David Kiertlamlert (45) stammt aus Thailand.
Er ist von Beruf Koch und spricht Thailändisch, Deutsch, Englisch, Chinesisch und Koreanisch.Wenn
Sie an Ihr Heimatland denken, was kommt Ihnen in den Sinn?Meine Familie
und
Freunde, die Angst um die Türkei in der Zukunft, der Verkehr und der Stau. Sahli
Küçüksahin (33) stammt aus der Türkei. Er arbeitet in einer Fabrik und reist am liebsten mit dem Schiff.All
die schönen Jahre, die ich in Vietnam verbracht habe. Thi Huyen Nguyen
(33)
kommt aus Vietnam. Sie macht im Moment eine Lehre und verbringt die Zeit am liebsten mit ihren Kindern.Meine
Verwandten. Alle leben dort. Manchmal vermisse ich sie sehr. Hula Sultan
(32)
stammt aus Syrien. Sie ist von Beruf Informatikerin und reist am liebsten mit dem Flugzeug. Warum
haben Sie gerade die Schweiz als zweites Heimatland gewählt?Meine Wahl
ist reiner Zufall. Ich wollte ursprünglich nach Holland auswandern, aber dann habe ich mich verliebt und habe meine Pläne zugunsten der Schweiz geändert. Uli
von Dach (46) kommt aus Deutschland. Sie arbeitet als Köchin und reist
am liebsten mit dem Motorrad.Weil meine vier
Kinder
hier in der Schweiz wohnen. Selvarani Vinayagendran (62) stammt aus Sri
Lanka.
Sie ist Hausfrau von Beruf und reist am liebsten mit dem Auto.Weil
es bisher keinen Krieg gab und weil es ein schönes Land ist. Ly Tong*
(48)
stammt aus Vietnam. Er arbeitet als Elektriker und reist am liebsten mit dem Zug und mit dem Flugzeug.
(*Name geändert)Wie stellten
Sie sich
die Schweiz vor, bevor sie ankamen?Schöne Wiesen und Landschaften mit
Blumen und Einfamilienhäuschen. Und die Fabriken abgetrennt von alldem. Sahli
Küçüksahin (33) stammt aus der Türkei. Er arbeitet in einer Fabrik. Seine Freizeit verbringt er gerne
mit Ping-Pongspielen oder Schwimmen.Ich stellte
mir die Schweizer als langsam sprechende Schoggi-Esser vor. Uli von Dach
(46)
kommt aus Deutschland. In ihrer Freizeit betreibt sie Hundesport.Was
gefällt Ihnen an der Schweiz?Die Leute sagen, was sie denken. Es gibt
gute Schulen, gute Berufe und auch gutes Essen wie zum Beispiel Raclette und Fondue. Sonam
Dorji (52) kommt aus Tibet. Er arbeitet als Physiotherapeut und reist am liebsten mit dem Zug.Mir
gefallen besonders die Sauberkeit und die Ordnung. Nabil Selmi* (42)
stammt
aus Tunesien. Er arbeitet als Hausmeister. Seine Lieblingsbeschäftigung ist Schlafen. (*Name geändert) Dass hier weltoffene Menschen leben (trotz
dem langsamen
Sprechen). Uli von Dach (46) kommt aus Deutschland. Sie arbeitet als
Köchin
und reist am liebsten mit dem Motorrad.Mir
gefällt
hier das Schlittschuhfahren, denn in Vietnam hatte es weder Eis noch Schnee. Ly
Tong* (48) stammt aus Vietnam. Er arbeitet als Elektriker. In seiner Freizeit beschäftigt er sich am
liebsten mit dem Computer. (*Name geändert)Was
gefällt Ihnen nicht an der Schweiz?Dass die meisten Leute stur sind. Nabil
Selmi* (42) stammt aus Tunesien. Er arbeitet als Hausmeister und reist am liebsten mit dem Flugzeug.
(*Name geändert) Alles ist ein wenig langsam und manchmal auch
ein
bisschen bieder. Die Leute sind nicht so begeistert und auch nicht spontan. Messina
Italo (40) kommt aus Italien.Nennen
Sie drei Eigenschaften, die für Sie typisch schweizerisch sind.Die Leute
verdienen gut. Die Schweizer brauchen lange, um Kontakte zu knüpfen, und sie sind gerne neutral. Sonam
Dorji (52) kommt aus Tibet. Er arbeitet als Physiotherapeut. In seiner Freizeit fährt er Ski und Fahrrad.
Steuern zahlen, Schnee und Fondue. Nabil Selmi*
(42) stammt aus Tunesien. Er arbeitet als Hausmeister und reist am liebsten mit dem Flugzeug. (*Name
geändert) Was vermissen Sie hier in der
Schweiz
am meisten?Die Leute nehmen sich wenig Zeit. Sie haben manchmal wenig
Freude an kleinen Dingen. Sonam Dorji (52) kommt aus Tibet. Er arbeitet
als
Physiotherapeut und reist am liebsten mit dem Zug.Ich
vermisse oft meine Familie. Nabil Selmi* (42) stammt aus Tunesien. Er
arbeitet
als Hausmeister und reist am liebsten mit dem Flugzeug. (*Name geändert) Erinnern Sie sich an Ihren ersten
Tag in der Schweiz? Als ich in die Schweiz kam, war es eine Überraschung,
als ich die schöne Landschaft hier sah. Ly Tong* (48) stammt ursprünglich
aus
Vietnam. Er arbeitet als Elektriker und reist am liebsten mit dem Zug und mit dem Flugzeug. (*Name geändert)Ich
weiss noch, wie mein Mann mich vom Bahnhof abholte und mit mir eine Rundfahrt durch Bern machte. Er
zeigte mir die Wohnung und den Arbeitsplatz. Aber mir war das zu viel, ich konnte nicht so viel auf
einmal aufnehmen. Hula Sultan (32) stammt aus Syrien. Sie ist von Beruf
Informatikerin
und reist am liebsten mit dem Flugzeug. Haben
Sie schon Diskriminierung erlebt, weil Sie Ausländer sind?Bei uns gibt
es ein Sprichwort: Es gibt keinen Wald ohne Wölfe. Auch hier in der Schweiz ist klar, dass manche keine
Ausländer leiden können. Dann kommt eine Kleinigkeit und sie reagieren wie Wölfe, oft für nichts. Klar
habe ich manchmal mit solchen Leuten zu tun. Ich habe einen Deutschkurs besucht und spreche Hochdeutsch.
Meistens reagieren die Leute so: «Warum sprechen Sie hochdeutsch und nicht berndeutsch?» Immer wieder
erkläre ich, dass ich als Erwachsene in die Schweiz gekommen bin und hier die Schule nicht besucht habe.
Hier in der Schweiz habe ich drei Deutschkurse besucht. Maria
Hiseni (36) stammt aus dem Kosovo und arbeitet als Hausfrau. In ihrer Freizeit geht sie gerne joggen
oder schwimmen.Ja, aber es hat mich nicht
so beschäftigt.
Tschingg und Spaghettifresser waren die klassischen Beschimpfungen. Messina Italo
(40) kommt
aus Italien.Ja, ich wurde als Nazideutsche
bezeichnet,
obwohl ich mit dem Nationalsozialismus nichts am Hut habe. Aber nicht nur Diskriminierungen, die auf meine fremde Heimat hinweisen sollten,
haben mich getroffen, sondern auch solche, die gegen mich als Frau gerichtet waren. Krasses Beispiel,
gleichzeitig Ausländerin und Frau zu sein. Uli von Dach (46) kommt aus
Deutschland.
Sie arbeitet als Köchin und reist am liebsten mit dem Motorrad.Was
für Schritte haben Sie unternommen, um sich in der Schweiz zu integrieren?Ich
habe versucht, mich mit den Leuten zu unterhalten, und so kam ich ins Gespräch. Was dazu gehört, ist
Offenheit, Ehrlichkeit und Respekt voreinander. David Kiertlamlert (45)
stammt
aus Thailand. Er ist von Beruf Koch und entwickelt in seiner Freizeit neue Gerichte.Ich
machte bei einem Deutschkurs mit. Um die Politik hierzulande zu verstehen, absolvierte ich einen politischen
Kurs. Ich arbeite absichtlich in einem Café, in dem deutsch gesprochen wird, um mich in diese Sprache
einzufinden. Hula Sultan (32) stammt aus Syrien. Sie ist von Beruf Informatikerin.
Ihre Lieblingsbeschäftigungen in der Schweiz sind die Arbeit und der Haushalt.Welche
Gedanken und Gefühle bewegten Sie, als Sie Ihre Koffer packten, um auszuwandern?Ich
war gespannt, die grosse Reise anzutreten. Aber dass ich meine Familie so sehr vermissen würde, konnte
ich nicht ahnen. Thi Huyen Nguyen (33) kommt aus Vietnam. Sie macht im
Moment eine Lehre und verbringt die Zeit am liebsten mit ihren Kindern.Wenn
Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?Ich wünsche
mir,
dass junge Leute Disziplin und Anstand lernen. Natürlich wünsche ich mir Frieden, sowohl in meinem Land
als auch auf der ganzen Welt. Krieg ist etwas Furchtbares! Selvarani
Vinayagendran (62) stammt aus Sri Lanka. Sie ist Hausfrau von Beruf
und mag Blumen und Gartenarbeit.Bewusstsein
und
Dankbarkeit, für mich persönlich, aber auch für alle Menschen auf der Erde. Bewusstsein, dass wir sorgsam
miteinander, mit der Natur, mit den Tieren und allen Lebewesen, überhaupt mit der Welt umgehen und uns
während unseres beschränkten Aufenthalts hier verantwortlich verhalten sollten. Daniel
Bongard (48) stammt aus der Schweiz. Er arbeitet als Therapeut in Indien und reist am liebsten in Gemeinschaft
mit Menschen, die ihm nahestehen. |
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