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 Wir sind die Klasse 3f an der Bezirksschule Aarau. Unser Deutschlehrer,
Hans-Paul Müller, organisierte, dass wir für die Zeitung MIX schreiben durften. Voller Eifer gingen
wir an die Arbeit. Es war einmal etwas anderes als Grammatik.

Menschen
und SteineEs gibt sehr viele verschiedene
Steine auf der Welt, grosse, kleine, schwarze, graue und noch viele mehr. So ist es auch bei den Menschen.
Wenn Steine sprechen könnten, gäbe es dann bei ihnen auch Rassismus? Wir denken, es interessiert niemanden,
ob Steine gross oder klein, rund oder eckig sind; es sind einfach Steine. So sollten die Menschen auch
über andere Menschen denken.Lucien 14, Christoph 14, Valentin 14, Claudio
14, Marc 14Es
gibt Tierschutz und Menschenrechte – doch wo bleibt der Menschenschutz?Vor
rund 30 Jahren wurden viele Ausländerinnen und Ausländer für 9 Monate als Saisonniers in die Schweiz
geholt, danach mussten sie wieder zurück in ihre Heimat.Ein
ehemaliger Saisonnier erzählt uns von seinen Arbeitserfahrungen: Einmal arbeitete er in einem Hotel.
Die Chefin beauftragte ihn, 14 Stunden täglich zu arbeiten, und er hatte nur 11/2 Tage in der Woche
frei. Die Ferien wurden ihm nicht bezahlt, und er wurde oft von der Chefin schikaniert. Am Anfang stand
er das durch, doch als sie ihm seine Papiere wegnahm, ging er vor Gericht. In der Folge bekam er zwar
seine Papiere wieder, aber er verlor seine Arbeit und einen Teil seines Lohns. Die Arbeitgeberin schuldet
ihm bis heute 680 Franken.So ging es nicht nur ihm. Auch viele andere Personen
aus anderen Ländern wurden hier nur ausgenutzt. Die einen mehr als die anderen. Doch eine solche Erfahrung
wird einen das ganze Leben lang beschäftigen. Dazu kommt, dass die Ungewissheit, ob man wieder genommen
wird, gross ist. Oft wurden Saisonniers nach 3 Monaten wieder für dieselbe Zeit angestellt. Nur wenn
sie die Möglichkeit hatten, in 5 aufeinanderfolgenden Jahren in der Schweiz zu arbeiten, bekamen sie
eine dauernde Arbeitserlaubnis. Alle mussten AHV-Beiträge bezahlen, auch diejenigen, die nicht in der
Schweiz bleiben durften. Vielen schuldet man heute noch Geld, das man nicht
bezahlt mit der Begründung, man wisse die Adresse nicht.Seraina (12), Angela
(15), Slavisa (15), David (15)Am
Anfang steht immer die ProvokationWenn man
angerempelt wird, weil man seine Meinung sagen will, ist das nicht in Ordnung. Solche Konflikte erleben
Jugendliche immer wieder.Streitereien und Schlägereien
erleben wir immer mehr auch an Schulen. Viele Konflikte spielen sich zwischen Schweizern und Ausländern
ab. Am Anfang ist es häufig nur Spass, das heisst, Beleidigungen schwirren durch die Luft, die einen
zuerst nicht stark verletzen. Doch aus Spass wird Ernst. Und am Anfang einer
solchen Entwicklung steht immer die Provokation. Es werden Schweizer und Ausländer provoziert. Manche
Menschen, ob sie nun Ausländer oder Schweizer sind, werden schnell wütend und schlagen sofort zu. Manchmal
wird das Problem verschärft, wenn verschiedene Kulturen aufeinandertreffen. Wir fragen uns, ob das daran
liegt, dass die Kinder zu Hause geschlagen werden oder Gewalt im Krieg erlebt haben.Manche
Ausländer und Schweizer gehen mit Konflikten anders um, wie ich das selber erlebt habe: Ein Kollege
und ich gingen auf dem Trottoir, und da kam ein Ausländer und fragte uns: «Wie findest du Ausländer?»
Mein Kollege antwortete: «Gut, ich habe auch ausländische Kollegen.» Als ich sagte «Kommt darauf an
»,
fing er an, mich zu treten. Ich wollte eigentlich sagen «
wenn sie Schlägertypen sind, finde ich sie
nicht gut.» Solche Gewaltausbrüche verstehen wir einfach nicht und wir finden
das auch nicht gut. Ich fühlte mich im eigenen Land diskriminiert. Wenn man nach seiner Meinung gefragt
wird, sollte man sie ehrlich äussern können, ohne dass das als Provokation verstanden wird.Robin
(15), Ramon (13), Leonard (14), Marco (14)Wo
gehöre ich hin?Das folgende Interview und
die Statements von unseren Klassenkameraden geben einen Einblick darin, wie man sich als Einwanderer
oder Nachkomme von Einwanderern in der Schweiz fühlt.«Ich
habe eher positive Erlebnisse»Susan Abuzar kommt aus Afghanistan. Sie lebt
seit fünf Jahren in der Schweiz, ihre Muttersprache ist Persisch. Aus
welchem Grund bist du hierher in die Schweiz gekommen?Susan (15 Jahre):
Mein Onkel war hier in der Schweiz. Nachdem mein Vater auch in die Schweiz gekommen war, holte unser
Onkel später meine Mutter, meine Geschwister und mich hierher. Fühlst
du dich manchmal benachteiligt wegen deiner Nationalität? Wenn ja, aus welchem Grund?Nein,
eigentlich gar nicht. Die Leute die ich kenne, haben mir immer geholfen. Zum Beispiel in der Schule:
Ich habe die Schule hier ab der 4. Klasse besucht, konnte jedoch noch überhaupt kein Deutsch.Hattest
du schon negative Erlebnisse mit Schweizern?Nein, ich habe eher positive
Erlebnisse mit den Schweizern. Die Leute, die ich kennen gelernt habe, waren immer sehr nett zu mir.
Zum Beispiel auf Klassenausflügen, in Lagern und bei Museenbesuchen mit meiner Schweizer Grossmutter,
die mir immer bei meinen Hausaufgaben und Sonstigem geholfen hat. Elda (14),
Esther (14), Lisa (13) Slaviˇ sa (15): Ich bezeichne
mich als Schweizer Bürger mit serbischen Wurzeln. Ich denke, dass ich zur Schweiz gehöre, aber nicht
meine Vorfahren vergesse! Ich beantworte die Frage «Wer gehört zu uns?» als Schweizer Bürger.Ich
finde es sehr arrogant, wenn Ausländer zu uns kommen, sich nicht integrieren wollen und noch die Leute
um sich herum provozieren. Dann fragt man sich: Warum sind sie überhaupt gekommen, wenn sie sich nicht
anpassen wollen? Sinem (15): Die allermeisten Schweizer
haben schon Mühe, meinen Nachnamen auszusprechen. Viele Schweizer sehen mich als Ausländerin, als eine
«andere». Dabei bin ich 1/2 Türkin, 3/8 Schweizerin und 1/8 Italienerin. Ich habe das Glück, dass ich
zwei Kulturen kenne. Ich gehöre keinem Land. Ich mache keine Unterschiede zwischen mir und meinen Mitmenschen.
Nur weil jemand zum Beispiel eine andere Hautfarbe hat, ist der doch nicht wirklich anders!Damiano
(15): In meinem Fall ist es schwer, zu sagen, ob ich zu den Schweizern gehöre oder zu den Italienern.
Ich sage immer: «Egal, wo ich bin, ich bin immer ein Ausländer.» Ich werde wohl immer so gespalten bleiben,
aber im Grossen und Ganzen, bezogen auf meine Vorfahren und meine Geschichte, sehe ich mich als Italiener,
aber mit gewissen Angewohnheiten eines Schweizers. Zu irgendjemandem werde ich wohl nie ganz gehören.
Aber für alle meine Mitmenschen will ich ganz einfach Damiano sein.«Es
ist genug Arbeit für alle da»Wir befragten
Menschen nach ihren Vorurteilen. Sind zum Beispiel Schweizerinnen und Schweizer gegenüber andern Kulturen
verschlossen?Wir haben dreissig Menschen in Aarau
nach ihrer Meinung über zwei Vorurteile gefragt, nämlich:• Die Ausländer nehmen
uns die Arbeit weg!• Die Schweizer sind nicht offen für andere Kulturen!Die
Hälfte der befragten Leute wollte uns nicht antworten. Eine Frau hatte ihre drei Jahre alte Tochter
bei sich und sagte uns, dass sie sich nicht vor der Kleinen äussern wolle. Eine andere Frau sagte, sie
habe keine Zeit, sie müsse auf jemanden warten. Weshalb wollten sich so viele Leute nicht äussern? Vermutlich
hatten sie Angst, verurteilt zu werden oder etwas Falsches zu sagen. Von
jenen Befragten, die uns antworteten, meinte jedenfalls kaum einer ernsthaft, dass uns die Ausländer
die Arbeit wegnehmen würden. Die meisten Leute denken, dass genug Arbeit für alle vorhanden wäre und
dass Ausländer, weil sie meistens keine in der Schweiz anerkannte Ausbildung haben, auf dem Arbeitsmarkt
sowieso nicht die gleichen Chancen hätten. Die Mehrheit der Befragten ist der Meinung, dass die Ausländer
die gleiche Arbeit für weniger Geld verrichten. Ein anderes Vorurteil wurde aber bestätigt: Die meisten
der Befragten meinten, dass Schweizer nicht offen für andere Kulturen seien und Neuem eher Ablehnung
entgegenbringen würdenEs erstaunt uns, dass so viele Leute ihre Meinung nicht
äussern wollten.Sinem (15), Cynthia (13), Noah (14), Damiano (15)

Fussballer
zwischen zwei LändernMladen Petric ist ein
Fussballspieler des FC Basel, der für die kroatische Nationalmannschaft spielt. Kroatien ist seine Heimat,
in der Schweiz ist er zuhause, sagt er. Haben Sie
das Gefühl, Sie werden hier oder in Kroatien als Ausländer gesehen?Mladen
Petric: Nein, dieses Gefühl habe ich weder hier in der Schweiz, wo ich lebe, noch in Kroatien.Was
hat Sie dazu gebracht, für Kroatien zu spielen und nicht für die Schweiz?Das
waren die sportlichen Perspektiven, die ich für die kroatische Mannschaft als besser beurteilte. Wenn
man Sportler ist und man die Auswahl hat, möchte man immer in jenem Team mitspielen, das man als das
noch etwas bessere beurteilt.Unterstützt Sie Ihre
Familie? Wie?Ja, sehr. Meine Familie unterstützte mich von Beginn meiner Karriere
an moralisch, und sie schaut sich heute jedes unserer Heimspiele an.Man hat
meistens das Gefühl, wenn man zwischen zwei Ländern steht, dass man nicht weiss, wohin man gehört. Haben
Sie das auch? Oder wohin, haben Sie das Gefühl, gehören Sie?Das ist eine gute
Frage und von euch gut beobachtet. Für mich selbst ist es so: Kroatien ist meine Heimat, und zuhause
bin ich in der Schweiz.Haben Sie vor, später wieder
nach Kroatien zu gehen?Nein, für immer und als festen Wohnsitz nicht.Hat
man Sie hier in der Schweiz schon mal ausgeschlossen, weil Sie Kroate sind? Wenn ja, in welcher Situation?Nein,
das habe ich zum Glück nie erlebt.Interview Laura
(14), Livia (13), Salomé (14) |
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