Bei den Pfadi bemüht man sich aktiv um junge Migrantinnen und Migranten.
Foto: Pfadibewegung Schweiz

In Schweizer Vereinen lernt man Schweizer Lebensart. Deshalb setzen Pfadi und Fussballclubs auf die Integration von ausländischen Kindern und Jugendlichen. Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz beklagen sich oft darüber, dass an die Einheimischen nur schwer heranzukommen sei. Diese Distanz zu überwinden, ist aber möglich, zum Beispiel im Verein. In kaum einem anderen Land leben ähnlich viele Vereinsmeier wie in der Schweiz. Aber wo einsteigen? Nicht in eine Fasnachtsclique, fand der deutsche Werber Jan Knopp im Selbstversuch heraus, als er an seinem neuen Wohnort Basel per Verein Leute kennen lernen wollte, die ähnlich ticken wie er. «Für einen Ausländer ist es schwierig, bei der Fasnacht ebenso euphorisch mitzumachen wie ein Schweizer», stellte Knopp fest. Jetzt ist er damit beschäftigt, im Sinne seines gemeinsam mit Schweizern gegründeten Vereins Playtheotherside ein Festival im Kleinbasel zu organisieren. «Die Vereinsarbeit verschafft mir Einblick in die Schweizer Lebenswelt und zeigt beispielsweise, dass Diskussionen hierzulande ganz anders geführt werden als in Deutschland.»Nicht konfessionellDie Zahl der hiesigen Vereine lässt sich nicht beziffern, denn sie unterliegen keiner Registrierungspflicht. Trotz- dem gelten sie als häufigste Rechtsform des Landes. Ihr Integrationspotenzial wird zwar erkannt, aber oft noch nicht richtig genutzt, weder von den Vereinen noch von den Ausländern.Hier und da wird aber vorwärtsgemacht. So bemühen sich die Pfadfinder schweizweit seit 1990 um ausländischen Nachwuchs. «Die Pfadi stellten fest, dass die Zusammensetzung der Mitglieder nicht denen der Gesellschaft entsprach», begründet Catherine Comte, Mitarbeiterin des Basler Integrationsprojekts Sigg Sagg Sugg, die Verstärkung der Integrationsarbeit. In zahlreichen Regionen wurden daraufhin fremdsprachige Pfadi-Informationen verteilt. Auch intern fand eine Sensibilisierung für die Arbeit mit ausländischen Kindern statt – und längst darf die Beziehung eines Pfadfinders zu Gott auch als allgemein spirituelle Beziehung verstanden werden, die Atheisten ebenso wenig ausschliesst wie Muslime oder Sikhs.Ob die Bemühungen jedoch erfolgreich waren, lässt sich nicht belegen: «Unsere Mitglieder müssen ihre Nationalität nicht angeben. Daher können wir nur vermuten, dass die Zahl der ausländischen Kinder und Jugendlichen leicht gestiegen ist», resümiert Comte. Änderungen im Ablauf der Pfadi-Nachmittage bringe das nicht mit sich. Und wenn es Schwierigkeiten gebe, «dann eher mit Eltern als mit Kindern». Auf der Wiese statt im WaldDenn nicht wenige ausländische Eltern wissen mit den Schweizer Pfadis wenig anzufangen oder sind skeptisch gegenüber dem geringen Alter der Pfadi-Leiterinnen und -Leiter. In Luzern ging man deshalb in die Offensive. «Statt im Wald spielten wir oft auf Grünflächen vor Wohnsiedlungen. So stiegen die Kinder ins Spiel ein, wann sie wollten, und die Eltern hatten vom Balkon aus alles im Blick», berichtet Beatrice Ebneter von der Pfadi Luzern.So viel Gas muss der Schweizerische Fussballverband nicht geben, um an ausländischen Nachwuchs zu kommen – der rennt ihm auch so die Türe ein. 40 Prozent der 240 000 registrierten Kicker sind ausländischer Herkunft, beim Nachwuchs sind es gar 60 Prozent. Der Grund dafür liegt laut Hansruedi Hasler, dem technischen Direktor des Fussballverbands, auf der Hand: «Die meisten Migrantinnen und Migranten, die hier leben, stammen aus fussballverrückten Nationen, aus Italien, Spanien oder dem Balkan.» Dass Fussball, ja der Breitensport allgemein ein wichtiger Motor für die Integration ist, werde vor allem von den Gemeinden, weniger aber von der nationalen Politik geschätzt. Hasler wünscht sich mehr Unterstützung vom Bund, denn beim Sport spielt die Herkunft keine Rolle – eine wichtige Erfahrung für viele ausländische Jugendliche: «Im Sport erarbeitet sich jeder durch Leistung – und nicht durch Herkunft – eine Position im Team.» Annett Altvater
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