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Als ich meine erste Heimat verlassen
hatte, landete ich in einem Land, das mir anfangs doch sehr fremd war: Frankreich. Ich muss aber sagen,
jedes Land wäre mir fremd gewesen damals, denn ausser Altgriechisch und Latein habe ich keine Fremdsprache
gelernt, und die Emilia-Romagna hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt so gut wie nie verlassen.In
Paris angekommen, begab ich mich auf die Suche nach einem Hotel. Die U-Bahn-Station «Hôtel de Ville»
schien mir da genau richtig. An der Pforte gab es zwei Türsteher, sie standen rechts und links und ihre
Hüte sahen wie Torten aus – irgendwie sympathisch. Ich fragte also: «Haben Sie ein Zimmer frei?» Ich
entging nur knapp einer Verhaftung.Heute, der Sprache mächtig, ist es klar,
«Hôtel de Ville» ist das Rathaus – was nichts mit «dem Haus der Ratten» zu tun hat, was ich auch zeitweise dachte. Um meine
Theaterkurse zu bezahlen, arbeitete ich als Babysitter. Die Kinder wollten immer Sandwich mit Cornichons
essen. Für mich aber war klar, dass Cornichon eine spezielle Salami sein musste, denn Cornichon und
Cochon waren für mich sehr nah. Der Mimenlehrer im Unterricht beim Abfragen
einer Übung sagte immer: und jetzt «tout le monde». Wie arrogant! Wie kann er erwarten, dass die ganze
Welt diese Übung lernen muss. Irrungen
und WirrungenKaum
war mir Frankreich nicht mehr so fremd, kam ein neues Ausland und brachte mir gleich zwei neue Sprachen:
Schweizerdeutsch und Hochdeutsch. In Italien spielen Vokale eine grosse Rolle: Jedes Wort hört mit einem
Vokal auf. So war es eine grosse Herausforderung, in Deutsch drei bis vier Konsonanten gleichzeitig
aussprechen zu müssen. Für mich war die «Länggassstrasse» ein unendlich langer Weg.Irrungen
und Wirrungen bei der Begegnung mit diesen Sprachen haben mich vom Pantomimen zum sprechenden Schauspieler
werden lassen. Der Fundus an Erlebnissen war so gross, dass sogar ein Theaterprogramm daraus entstanden
ist. Aber nicht nur die Sprache, sondern auch das Spiel hat mir geholfen,
in fremden Ländern Fuss zu fassen. In Indien, in Marokko, in Kopenhagen, auf Kreta oder in Wilderswil
war es immer dasselbe: Sobald ein Ball auf einer Wiese lag, kamen Kinder und Erwachsene zusammen: Zwei
Gesten – und das Spiel ging los. Vor vier Jahren schliesslich landete ich in Basel und erlebte ein eigenartiges Schauspiel: die Basler Fasnacht. 35 000 Menschen treffen sich
in der Nacht und die Stadt wird dunkel. Die Larven verdecken jedes Gesicht, und Trommel und Piccolo
werden lauter. Drei Tage und drei Nächte lang mischen sich Menschen ohne Namen und ohne Gesicht. Alle
laufen und laufen und laufen zusammen. Ich habe das Gefühl gehabt, ich gehörte zu diesem Rhythmus, zu
diesem Fest dazu.Um dazuzugehören, braucht es Spiele und Sprachen. Lassen
wir uns gemeinsamen sprechen und spielen.Zusammen sein ist möglich – auch
wenn man nicht immer einig ist.Massimo Rocchi |
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