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 IntegrationskursDer
Integrationskurs (IK) ist ein Jahreskurs für fremdsprachige Jugendliche an den Berufsfachschulen Solothurn
und Olten. Ziel des Kurses ist es, Deutschkenntnisse zu erweitern, berufliche Perspektiven zu entwickeln
und umzusetzen, Alltagssituationen kennen zu lernen, handwerklich-gestalterische Fähigkeiten zu entwickeln
und schulische Lücken zu schliessen.Wir sind alle zwischen 16 und 20 Jahre
alt und haben die obligatorische Schulzeit grösstenteils im Heimatland absolviert. In diesem Jahr kommen
die Schüler/-innen aus 12 verschiedenen Nationen und aus 3 Kontinenten. Durchschnittlich haben unsere
Väter und/oder Mütter bereits rund 10 Jahre lang hier gelebt, bevor auch wir hierhergekommen sind.Die
Beiträge, die Sie lesen können, wurden von den Schülern/-innen der Niveau-ll-Klasse in Solothurn während
4 Wochen im Lernbereich Deutsch entwickelt und verfasst. Es war für uns alle eine grosse Herausforderung,
Wörter zu finden auf Deutsch, um unsere persönlichen Erfahrungen und Gedanken in Texten zu formulieren.
Einige von uns haben den Inhalt zuerst in ihrer Muttersprache gedacht und diesen dann auf Schriftdeutsch
übersetzt und aufgeschrieben und natürlich mehrmals überarbeitet. Für alle war es eine gute Erfahrung
und wir freuen uns an dem, was dabei entstanden ist.Ana Rita V. (16), Dafina
I. (17), Malika Q. (18)

Arm
und ReichGeld trenntWenn
ich die Leute frage «Was heisst arm sein?», bekomme ich als Antwort: «Das bedeutet, kein Geld zu haben.»
Ich finde es nicht wichtig, ob man viel Geld hat oder wenig. Viel wichtiger ist der Reichtum des Herzens,
und den kann man nicht kaufen. Ich denke, was Reiche von Armen trennt, ist das Geld. Reichtum und Armut
müssen in einem reichen Land wie der Schweiz ein Thema sein, aber mit Respekt!Volkan
C. (18)In der Familie glücklich seinWichtig
ist, dass man mit seiner Familie glücklich ist, das ist auch Reichtum. Wenn man viel Geld hat und in
seiner Familie unglücklich ist, dann ist man arm dran, weil man oft traurig ist. Das Leben ist ein Geschenk
und wir brauchen nicht so viel Geld, um glücklich zu sein.Albert W. (16)Kein
MitgefühlIn der Welt gibt es viele sehr arme und einige sehr reiche
Menschen. «Das Leben ist so ungerecht», so denken die armen Leute, die wenig Geld und vielleicht auch
nur einfaches Essen haben. Sie schauen auf die reichen Leute und sagen: «Die haben ein sehr gutes Leben
mit Geld, Luxus, grossen Häusern und sie können alles haben, was sie wollen.» Das stimmt, aber Respekt
und Liebe für die andern kann niemand mit Geld kaufen. Ich glaube, das sind die richtig armen Leute,
welche kein Mitgefühl für die andern haben.Dafina I. (17)Es
tut uns leid, die Stelle ist…Nichts
verstehen ist peinlichIch lebe seit ungefähr drei Jahren in der Schweiz
und ich habe bis jetzt noch keine Lehrstelle gefunden. Wenn jemand zu mir
spricht und ich verstehe es nicht, ist das peinlich für mich und schlimm. Wenn das passiert, wird mein
Gesicht sofort rot. Ich bin deshalb bis jetzt nicht so viel schnuppern gegangen. Das war meine Schuld,
aber ich hatte Angst wegen der Sprache. Viele Schweizer Jugendliche suchen eine Lehrstelle und sprechen
die gleiche Sprache wie die meisten Chef/-innen. Ich muss also noch besser Deutsch lernen und mich auch
noch mehr engagieren.Mesut A. (17)
Wunschberuf
PflegeassistentinEin Problem, warum ich noch keine Lehrstelle gefunden
habe, ist sicher die Sprache. Ich lebe seit eineinhalb Jahren in der Schweiz. Mein Wunschberuf ist Pflegeassistentin,
deshalb muss ich Schriftsprache und Dialekt verstehen lernen.Malika O. (18)Nur
die BestenIch denke, dass Chefs nur die besten Lehrlinge
haben wollen. Manchmal schreibe ich sogar eine Bewerbung für eine Schnupperlehre und ich frage mich,
wo und wie wir noch Chancen haben, wenn wir nicht einmal schnuppern gehen können. Ich lerne gern immer
weiter. Mit 17 Jahren eine neue Sprache zu lernen, kann man aber nicht von heute auf morgen.Volkan
C. (18)Ich gebe nie aufIch
habe viele Bewerbungen geschrieben, und leider habe ich bis jetzt nur Absagen bekommen. Dann habe ich
gemerkt, dass ich keine Lehrstelle bekomme, wenn ich einfach Bewerbungen schreibe. Ich habe meine Strategie
geändert, und jetzt telefoniere ich oder gehe persönlich vorbei und frage, ob ich mal schnuppern kann.
Ich bekomme immer gute Feedbacks, aber am Schluss sagen alle, dass sie keine freie Lehrstelle mehr haben.
Ein grosses Problem ist sicher die Sprache. Ich bin seit einenhalb Jahren in der Schweiz und ich kann
noch nicht perfekt Deutsch, aber ich gebe nie auf! Ich bin mit meinen Eltern in die Schweiz gekommen,
weil wir ein besseres Leben haben wollen. Ich kämpfe weiter, bis ich eine Lehrstelle finde. Es ist schwierig,
aber nicht unmöglich. Ana Rita V. (16)Offenheit
und RespektToleranz, ein Geschenk, das wir uns schenken
könnenVor
langer Zeit sind die ersten Ausländer/-innen in die Schweiz gekommen und haben ihre Kultur mitgenommen.
Deshalb kann man heute Ausländer/-innen nicht mehr von der Schweiz wegnehmen. Es geht nicht. Die Schweiz
ist ein interkulturelles Land geworden, deswegen ist es ein reiches Land mit vielen verschiedenen Personen
und Gedanken. Toleranz beginnt dort, wo man Respekt hat anderen Gedanken gegenüber, und es ist ein Geschenk,
das nicht alle Menschen haben, aber alle können es erwerben und weitergeben.Ana
Rita V. (16)EigentlichRespekt
ist für mich etwas Wichtiges. Wenn ich zum Beispiel jemandem sage «Du bist ein Arschloch!», dann ist
das überhaupt nicht respektvoll. Eigentlich bin ich dann auch traurig. Ich bin traurig, weil der andere
zum Beispiel gesagt hat: «Du Scheissausländer!» Und manchmal sage ich dann einfach «Arschloch». Zum
Glück habe ich einige Schweizer Kollegen, die mir nie Scheissausländer sagen, auch wenn sie wütend sind
auf mich. Schweizer und Ausländer sollten lernen, respektvoll miteinander umzugehen.Veysel
K. (17)Nicht alle sind gleichAls
ich vor einigen Monaten in die Schweiz gekommen bin, habe ich viele neue Situationen erlebt. Ich habe
zum Beispiel einmal in einem türkischen Lokal eine Arbeit gefunden. Dorthin waren alte türkische Männer
gekommen, um Karten zu spielen. Die Männer haben mich gefragt, ob ich Bier oder vielleicht Wodka trinken
wolle. Dann sagte ich: «Nein danke, ich trinke keinen Alkohol.» Sie haben nur gelacht und gesagt: «Was?
Du kommst aus Polen und du trinkst nicht, das glauben wir nicht!» Ich war traurig, weil ich nicht gewusst
habe, dass Leute so denken über die Polen. Nicht alle Polen, nicht alle Türken und auch nicht alle Schweizer
sind gleich.Olivia S. (18)Offen
und ehrlichAls ich in die Schweiz kam, konnte ich kein Deutsch, und
ich hatte keine Ahnung vom Leben in der Schweiz. Am Anfang war ich bei einer Pflegefamilie. Alle waren
offen und ehrlich zu mir und haben mich über die Schweiz informiert. Sie haben mir erklärt, wie ich
mich in der Schweiz verhalten muss, und auch darüber, was ich nicht machen darf, zum Beispiel nicht
einfach wegzurennen, wenn ein Polizist mich etwas fragt, so wie das alle in Sri Lanka machen. Nach ein
paar Monaten lernte ich, wie das Leben hier funktioniert. Wenn diese Familie nicht so offen und ehrlich
zu mir gewesen wäre, würde ich heute vielleicht nicht gern in der Schweiz leben. Ich habe dadurch auch
gelernt, dass, wenn wir einander gegenüber offen sind, wir dann nicht nur in der Schweiz, sondern auch
im Heimatland gut leben könnten.Kirikaran A. (16)
In
der stillen NachtIn der stillen
Nacht ihr schlaft alle ruhig ich schau euch zu tausend
Gedanken im Kopf
Wir sind alles Menschen verschieden
in Haut und Sprache aber das ist egal
Wir
leben hier und jetzt in diesem Teil der Welt unter gleichem Himmel in
der gleichen Luft
Zum Glück seid ihr bei mir zum Glück
bin ich bei euch das ist das wertvolle Geschenk für uns alle
Lasst
uns Sorge tragen lasst uns mit Respekt begegnen lasst uns lernen in
Frieden zu leben und eine starke Familie zu sein
Qi
Z. (17)
AusländerDie
feinen UnterschiedeIch bin in die Schweiz gekommen, weil meine Mutter
einen Schweizer geheiratet hat. Als ich aus Kenia hierhergekommen bin, war das für mich sehr schwierig.
Ich habe kein Deutsch gesprochen und meine Freunde waren in Kenia geblieben. Als ich das erste Mal in
der Schweiz in die Schule ging, habe ich überhaupt nichts verstanden und alle hatten die gleiche Hautfarbe,
nämlich weiss. Inzwischen habe ich Deutsch gelernt, kann Weisse voneinander unterscheiden und habe auch
gemerkt, dass die Afrikaner für viele Schweizer auch alle gleich aussehen, nämlich schwarz. Langsam
habe ich Freunde gefunden und nette Leute kennen gelernt. Manchmal schauen mich die Leute hier an und
einige lachen. Ich weiss dann manchmal nicht, ob sie mich auslachen oder anlachen.Albert
W. (16)
Ich bin Ausländer – überallAus
vielen Nationen reisen Menschen irgendwohin ins Ausland, und sie werden dann Ausländer auch im eigenen
Land. Das meine ich so: Es gibt eine komische Situation, wenn du als junger Mann ins Ausland gegangen
bist und später ins Heimatland zurückgehst, sehen dich die Leute anders. Vielleicht sehen sie andere
Kleider an dir oder du hast deine Muttersprache zum Teil vergessen, deshalb bin ich irgendwann vielleicht
überall Ausländer.Tsewang Topden T. (19)
StreitAls
mein Bruder in die Schweiz gekommen ist, hatte er einen Streit mit einem Schweizer Jungen gehabt, der
ursprünglich aus Sri Lanka gekommen war, aber in der Schweiz aufgewachsen ist. Während dieses Streits
schimpfte der Junge mit meinem Bruder und sagte: «Du bist Ausländer und du sollst in deine Scheissheimat zurückgehen, ich will nicht, dass du da bist.» Dann sagte ich zu ihm: «Warum sagst du das? Eigentlich
bist du ja auch Ausländer, obwohl du hier aufgewachsen bist, oder nicht?»Olivia
S. (18) |
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