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 Stellensuchende Kaderleute helfen Jugendlichen als Coaches: Mit diesem
Programm unterstützt die Berufs- und Studienberatung des Kantons Solothurn Jugendliche, die nach der
Schule nicht weiterwissen. Hasret
Gedik bei der Arbeit im Spezialitätengeschäft «Zum Fass». Foto: dpHasret
Gedik füllt vorsichtig etwas Öl aus dem Fass in eine Flasche ab. Seit letztem Sommer arbeitet sie im
Spezialitätengeschäft «Zum Fass» in Solothurn. Weil das Geschäft keine Lehrlinge ausbildet, absolviert
sie eine Vorlehre im Bereich Detailhandel, eine Art Praktikum. Die 18-Jährige ist noch immer auf der
Suche nach einem Ausbildungsplatz, obwohl sie sich seit ihrem letzten Schuljahr intensiv darum bemüht. «Ich
meldete mich nach dem Schulabschluss beim Projekt Berufswahlplattform an», erzählt sie. «So fand ich
zum Glück meine jetzige Vorlehrstelle.» Detailhandelsfachfrau und Coiffeuse sind ihre Wunschberufe.
«Doch viele Stellen sind schon lange besetzt oder meine Zeugnisnoten sind zu schlecht», sagt Gedik. Die
türkische Migrantin aus Biberist SO ist eine der 159 Jugendlichen, die durch das Projekt Berufswahlplattform
eine Anschlusslösung gefunden haben. Mit der Plattform setzt sich das Amt für Berufsbildung und Berufsberatung
zusammen mit dem Amt für Volksschule und Kindergarten sowie dem Amt für Wirtschaft und Arbeit seit anderthalb
Jahren aktiv für die Prävention von Jugendarbeitslosigkeit ein. «Wir streben eine nachhaltige
Verbesserung der Problematik an», erklärt Renato Delfini, Leiter der Berufs- und Studienberatung des
Kantons Solothurn. «Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ist eine Verbundsaufgabe. Bisher gab es
jedoch noch keine Koordinationsstelle.»Unterstützung vom Coach Das
Projekt Berufswahlplattform ist einfach, aber wirksam: Die Lehrpersonen melden per Stichtag alle Schülerinnen
und Schüler ihrer Klassen, die keine Anschlusslösung gefunden haben. Die gemeldeten Jugendlichen werden
darauf von der kantonalen Berufs- und Studienberatung in einem kurzen Gespräch zu ihren beruflichen
Zielen befragt. «So stellen wir fest, ob der Berufswunsch gefestigt ist und ob die Jugendlichen trotz
Engagement und guten Voraussetzungen selbstständig keine Lehre finden können», erklärt Renato Delfini.
Gerade junge Menschen mit Migrationshintergrund hätten es in dieser Hinsicht häufig schwer, wie eine
Erhebung des Amts für Wirtschaft und Arbeit zeige.Kaderleute
helfen weiter Im Jahr 2005 schlossen im Kanton Solothurn 2545 Jugendliche die Schule
ab. Davon hatten 221 Schüler – 8,7 Prozent – im Juni 2005 noch keine Anschlusslösung. Der Ausländeranteil
unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Berufswahlplattform ist dabei hoch: Von den 221 Schülern
sind 120 Migranten, also 54 Prozent. Hinzu kommen weitere Probleme, wie Delfini erklärt: «Die Eltern
stammen aus einem anderen Kulturkreis und können deshalb oft keine Unterstützung bei der Lehrstellensuche
bieten.»Das Projekt Berufswahlplattform bietet diesen Jugendlichen eine besondere
Hilfe: Von Anfang Mai bis Ende Juli werden sie von einem Coach bei der Lehrstellensuche begleitet. Für
diese Einsätze stehen sorgfältig ausgewählte, stellensuchende Kaderleute zu Verfügung, die von der Berufs-
und Studienberatung sowie vom Lehrstellenmarketing eingehend auf ihre Tätigkeit vorbereitet und während
des Projekts unterstützt werden. Das Engagement ist ehrenamtlich, die Coaches erhalten nur eine Spesenentschädigung
und eine kleine Tagespauschale.Modell macht Schule Die
Begleitung ist intensiv. Die Coaches helfen bei der Erstellung der Bewerbung, begleiten die Jugendlichen
an Vorstellungsgespräche und betätigen sich bei den Lehrbetrieben als Türöffner. «Die Jugendlichen können
von der Erfahrung, aber auch vom Netzwerk der Coaches profitieren», sagt Delfini. Doch auch die Coaches
erleben die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen als sinnvoll und bereichernd. Und: «Einige Kaderleute
fanden durch die Lehrstellensuche mit den Jugendlichen sogar einen neuen Arbeitsplatz», erzählt Delfini.Das
Projekt sei ein voller Erfolg, sagt Delfini stolz: Von den 245 Schulabgängern, die durch einen Coach
individuelle Unterstützung erhielten, fanden 70 Prozent eine Anschlusslösung. Der Kanton Zug hat das
Projekt eins zu eins übernommen, auch der Kanton Aargau geht nach einem ähnlichen Prinzip gegen die
Jugendarbeitslosigkeit vor. «Wir konnten nicht nur vielen Schulabgängern eine Anschlusslösung vermitteln,
sondern auch einige Firmen überzeugen, noch zusätzliche Ausbildungsplätze anzubieten», sagt Delfini.Helen
Weiss |
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