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 Die Zahl der stellensuchenden Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren
ist im Kanton Solothurn in den letzten fünf Jahren gestiegen. Bei den 20- bis 24-Jährigen ist sie im
selben Zeitraum leicht gesunken. Doch mit 8,3 Prozent sei die Jugendarbeitslosigkeit unverhältnismässig
hoch, findet SP-Regierungsrat Peter Gomm. Pasta
und Diskussionen: Regierungsrat Peter Gomm beim Abendessen mit seiner Familie. Foto: zVgHerr
Gomm, was tun Sie gegen die Jugendarbeitslosigkeit?Gegenwärtig stehen
hauptsächlich vier vom Kanton geführte oder unterstützte Projekte im Vordergrund: das zusätzliche 10.
Schuljahr, das Coachingprojekt Berufswahlplattform sowie ein «Lehrstellenjäger», der vor allem bei und
mit Arbeitgebenden nach zusätzlichen Lehrstellen sucht. Das vierte Projekt heisst JUP und ist ein Jugendqualifizierungsprogramm.
Es ermöglicht stellenlosen Jugendlichen nach Schulaustritt während eines Jahres, die Lehrstellenqualifikation
zu erhalten oder zu verbessern. Da viele stellenlose Jugendliche oft auf Grund ihrer Bildung scheitern,
setze ich auch auf die vorgesehenen Ausbildungsformen für lernschwache Schülerinnen und Schüler. Hier
gilt es, die Arbeitgeber zu ermutigen, Lehrstellen für die zweijährige berufliche Grundausbildung mit Attest – früher Anlehre – oder die einjährige Vorlehre anzubieten.Was
halten Sie von finanziellen Anreizen, damit Unternehmen vermehrt Lehrstellen anbieten?Direkte
Geldleistungen an Unternehmen tragen die Gefahr in sich, auf Zeit als wirkungslose Dauerleistungen zu
verpuffen. Auch eine Bestrafung etwa in Form von Besteuerung führt nicht weiter. Wirtschaftliche Sanktionen
lösen oft eine Kettenreaktion aus: Das Unternehmen zieht weg und damit fehlen auch die Arbeitsplätze.
Ich befürworte daher Aufklärungskampa- gnen, Preisverleihungen oder aber Submissionsregelungen, welche
staatliche Aufträge – nicht nur gegenüber dem Baugewerbe – auch davon abhängig machen, dass genügend
Lehrstellen angeboten werden.Junge
Migrantinnen und Migranten haben es oft besonders schwer, eine Lehr- oder Arbeitsstelle zu finden. Wie
kann ihnen geholfen werden?Integrationsmassnahmen müssen früh angesetzt
werden. Junge Migrantinnen sollten bereits von ihren Eltern lernen, dass sie nicht nur befristet, sondern
auf Dauer im Zuwanderungsland leben. Integration ist aber nicht nur zu fördern, sondern auch einzufordern.
Migranten und Migrantinnen haben sich an die geltenden Grundwerte und Grundrechte zu halten. Kinder
haben zum Beispiel unabhängig von ihrem Migrationshintergrund an schulischen Aktivitäten gemeinsam teilzunehmen.
Hier sind auch die Behörden gefordert: Von angeblich migrationsbedingten Ausnahmeregelungen ist meiner
Meinung nach abzusehen. Unabdingbar für alle Migranten sind ausreichende Kenntnisse der vorherrschenden
Sprache.Sie haben selbst zwei Kinder,
die bald mit einer beruflichen Ausbildung beginnen. Erleben Sie das Problem Jugendarbeitslosigkeit auch
in ihrem direkten Umfeld?Meine Kinder, die bald 15 und 16 Jahre alt
werden, sind von der Stellenlosigkeit nicht betroffen. Sie besuchen weiter führende Schulen und haben deshalb auch in ihrem Freundeskreis wenig Berührungspunkte zu stellenlosen
Jugendlichen. Was sie jedoch bewegt, ist die Gewaltbereitschaft von stellenlosen Jugendlichen in der
Freizeit, die oft frustriert und provokativ auftreten. Ihre klare Erwartung an uns ist, dass wir dieser
Problematik entgegenwirken. Das beste Mittel dazu ist eine echte und wirkungsvolle Integrationspolitik. Interview
Helen Weiss |
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