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 In Baden bleiben junge Migrantinnen und Migranten nicht auf sich allein
gestellt. Zusammen mit Schule und Behörden helfen ehrenamtliche Mentoren beim Sprung ins Berufsleben.
Mit Erfolg, wie eine Evaluation zeigt. Jugendliche
auf der Treppe zum Erfolg: Badener Integrations- und Berufsfindungsklasse mit Lehrer Martin Brunner
(vorne), Mentorinnen und Mentoren (hinten). Foto: Raphael HegglinTanja*
lebt erst seit kurzem in der Schweiz. Zusammen mit anderen Neuzuzügern besucht sie die Integrations-
und Berufsfindungsklasse im Badener Schulhaus St. Ursus. Hier büffeln die jugendlichen Migrantinnen
und Migranten täglich Deutsch und Mathematik und lernen im Eilzugtempo, wie unser Land funktioniert. Bei
Schulbeginn war Tanja voller Tatendrang. Mit guten Qualifikationen wollte sie den Sprung ins Berufsleben
schaffen. Stattdessen hagelte es bei der Lehrstellensuche Absage an Absage. Mutlosigkeit machte sich
breit. Doch dann gelang es der Mentorin Gudrun Horisberger, für die junge Frau eine Lehrstelle als Detailhandelsassistentin
zu finden. Optimismus und Lebensfreude kehrten zurück – Tanja ist wieder auf Kurs.Realistische
Ziele entwickeln Die Idee für das Projekt «Mentoring für Jugendliche» in Baden
geht auf den SeniorInnenrat zurück. Eine Gruppe von Badener Seniorinnen und Senioren wollte nicht länger
tatenlos zusehen, wie junge Menschen schulisch und beruflich zwischen Stuhl und Bank fallen, bloss weil
sie aus fremden Kulturen stammen. «Wenn wir diese Jugendlichen zu uns kommen lassen, dann müssen wir
sie auch integrieren», meint Peter Lacheta, der sich zusammen mit seiner Frau als Mentor engagiert.
«Nur so können sie später der Volkswirtschaft nützen.» Zentral seien zwei Aufgaben, so
Lacheta: «Einerseits helfen wir bei Bewerbungen, reden mit den Lehrmeistern und mobilisieren den Goodwill
der Unternehmen.» Wenn man beispielsweise klar mache, dass ein Schüler intensiv Deutsch lerne, dann
seien mangelnde Sprachkenntnisse oft kein Ausschlussgrund mehr für eine Lehre. Auf der
anderen Seite gehe es darum, bei den jungen Migrantinnen und Migranten ein Verständnis für die hiesige
Bildungs- und Berufswelt zu schaffen und sie bei Problemen zu beraten, sagt Lacheta: «Wir reden über
Berufswünsche, begleiten unsere Schützlinge zum Berufsinformationszentrum und versuchen, gemeinsam realistische
Zielsetzungen zu entwickeln.» Dabei sind die Mentoren keineswegs auf sich allein gestellt.
Unterstützung finden sie beispielsweise beim Klassenlehrer Martin Brunner. «In der Regel halten die
Mentoren alle zwei Wochen Sitzung bei uns im Schulhaus. Dabei besuchen sie auch die Klasse», erklärt
Brunner. «Auf diese Weise können sich alle gegenseitig unterstützen. Wir sind inzwischen so etwas wie
eine Betreuergrossfamilie geworden.» Keine
teuren Strukturen Das Resultat sei ermutigend, die Schülerinnen und Schüler beteiligten
sich viel aktiver bei der Berufsfindung als früher, betont Brunner. Das hat auch damit zu tun, dass
die Mentoren aktiv helfen, Schwellenängste gegenüber Firmen, Behörden und Beratungsstellen zu überwinden.
So stehen sie nicht nur bei Vorstellungsgesprächen zur Seite, sondern gehen auch mit zur Berufsberatung,
zu Informationsveranstaltungen und zu Eignungstests. Hier spielt die Fachstelle Integration
der Stadt Baden eine wichtige Rolle, wie deren Leiterin Rada Gajic erklärt: «Wir dienen als Drehscheibe
für Kontakte zwischen den verschiedenen Stellen. Ziel ist es, die Mentoren mit unseren bestehenden Ressourcen
optimal zu unterstützen.» Beispielsweise vermittelte Gajic den Mentoren einen zweitägigen Einführungskurs
bei einem ähnlich ausgerichteten kantonalen Projekt. Doch grundsätzlich ist der Einsatz der Mentoren
ehrenamtlich und kostenneutral: «Wir wollen keine zusätzlichen teuren Strukturen auf die Beine stellen»,
betont Gajic. «Es geht um ein rein privates Engagement. Lediglich die Spesen für Fahrten und Büromaterial
werden vergütet.»Nachahmung erwünscht Eine
Evaluation des Badener Mentoringprojekts nach dem ersten Jahr förderte durchwegs positive Resultate
zu Tage: Alle Beteiligten äusserten sich zuversichtlich, sieben von zwölf Jugendlichen hatten Anschluss
an eine Berufsausbildung gefunden. Der Erfolg spiegelt sich auch darin, dass die Beziehung
zwischen Schülern und Mentoren in den meisten Fällen auch nach dem Berufsfindungsjahr fortbestehen.
Rada Gajic: «Integration heisst ja gerade, dass Ansässige und Neuzuzüger sich dauerhaft auf einen gemeinsamen
Weg einlassen.» Dieser Ansicht ist auch die Eidgenössische Ausländerkommission, die das Badener «Mentoring
für Jugendliche» kürzlich mit dem Schweizer Integrationspreis auszeichnete. Dabei wurde das Projekt
andern Städten und Gemeinden zur Nachahmung ans Herz gelegt.
*Name geändert Elias KopfKontakt: Rada
Gajic, Fachstelle Integration Stadt Baden Tel. 056 200 83 83 E-Mail:
rada.gajic@baden.ag.ch |
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