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 Wichtig beim Start ins Berufsleben ist die Schulleistung. Bei jungen
Migrantinnen und Migranten hapert es oft beim Bildungshintergrund oder bei der Unterstützung durch die
Eltern, sagt Thomas Buchmann, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau. «Wir
zeigen, wie unser System funktioniert»: Thomas Buchmann, Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau.
Foto: zVgHerr Buchmann, Migrantinnen und Migranten, die
erst seit Kurzem in der Schweiz leben, stolpern häufig beim Schritt ins Berufsleben. Nehmen diese Menschen
die Herausforderung von Schule und Beruf zu wenig ernst? Das Problem
liegt tiefer – im sozialen und kulturellen Selbstverständnis. Zum Teil wissen diese Menschen gar nicht,
dass Schule und Berufsausbildung in der Schweiz – anders als in ihrem Herkunftsland – wichtige Voraussetzungen
für den individuellen Erfolg in unserer Gesellschaft darstellen. Sie übernehmen die Wertvorstellungen
ihrer Verwandten. Eine solche Orientierung an der Herkunftskultur und an hergebrachten Sozialmustern
– häufig auch von unterprivilegierten Schichten – ist keine gute Voraussetzung, um unsere Sprache zu
lernen und in der Schweizer Ausbildungs- und Berufswelt Fuss zu fassen.Haben
diese Jugendlichen denn überhaupt eine realistische Vorstellung vom hiesigen Lehrlings- und Berufsalltag?
Da hapert es in der Tat, nicht nur bei vielen jungen Migrantinnen und
Migranten selbst, sondern auch bei ihren Eltern. Wir versuchen, diesen Menschen zu zeigen, wie unser
duales Bildungssystem funktioniert. Und dass es zum Beispiel wichtig ist, die Kinder in die Aufgabenhilfe
zu schicken, wenn sie mit schlechten Noten nach Hause kommen. Auch bei Problemen in der Lehre sollten
die Eltern ihre Kinder unterstützen und zum Weitermachen ermutigen. Leider werden die Prioritäten oft
völlig falsch gesetzt. Die Wichtigkeit einer guten Ausbildung hängt stark vom Bildungsniveau
und von der sozioökonomischen Lage der Eltern ab. Welches sind
die speziellen Hindernisse, die junge Migrantinnen und Migranten überwinden müssen?Zentral
ist die Sprache. Wer nicht gut Deutsch kann, dem bleiben viele Türen verschlossen. Hinzu kommen gesellschaftliche
Werte wie Pünktlichkeit, Exaktheit und Umgangsformen: Das stellt Zuwanderer aus unterprivilegierten
Schichten vor teilweise unüberwindbare Herausforderungen. Doch handelt es sich hier eher um ein Schicht-
als um ein Migrationsproblem. Kinder aus gehobeneren sozialen Schichten kennen diese Schwierigkeiten
weniger, egal, aus welchem Land sie kommen.Ist auf Seiten der
Arbeitgeber zu wenig Goodwill vorhanden? Muss der Kanton vermehrt auf Lehrbetriebe zugehen und sie beraten?Für
anspruchsvolle Berufsausbildungen fehlt jungen Neuzuzügern oft schlicht der Bildungshintergrund. Sie
geraten nicht ins Schleudern, weil sie aus dem Ausland kommen, sondern weil sie zum Beispiel nicht Bruchrechnen
können. Das trifft zwar zum Teil auch auf Schweizer zu. Allerdings ist es richtig, dass Jugendliche
aus dem Balkan vermehrt auf Vorbehalte stossen. Dennoch stellen wir immer wieder fest, dass sehr viele
Unternehmen Migrantinnen und Migranten durchaus wohlgesinnt sind, sofern die Leistung stimmt. Im Rahmen
des Gesamtprojektes «Jugend und Arbeitsmarkt» versuchen wir im Teilprojekt «KMU-Support» Lehrbetriebe
zu unterstützen und Lehrabbrüchen vorzubeugen. Wie lassen sich
jugendliche Migrantinnen und Migranten nach einem Lehrabbruch zu einem Neuanfang motivieren? Wir
müssen vermehrt frühzeitig eingreifen, damit es möglichst gar nicht erst zum Lehrabbruch kommt. Denn
es ist in der Tat sehr schwierig, junge Menschen für einen Neuanfang zu gewinnen, wenn sie nach dem
Lehrabbruch auch noch das Selbstvertrauen verloren haben. Zurzeit läuft ein entsprechendes Projekt zusammen
mit ABB. Dabei erhalten die Absolventinnen und Absolventen nach einem Jahr einen Nachweis, der ihnen
den erneuten Zugang zur Berufsbildung ermöglichen soll.Die
kantonalen Massnahmen kosten bis 2009 über drei Millionen Franken. Lohnt sich das überhaupt? Jeder
Jugendliche, der den Einstieg ins Berufsleben schafft, ist ein Erfolg. Vorbeugen ist sicher besser als
heilen. Indem wir frühzeitig eingreifen, verhindern wir langwierige und teure Sozialhilfekarrieren.
Wir sind deshalb überzeugt, dass dieses Geld gut investiert ist. Interview
Elias Kopf |
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