KLASSE VORLEHRE A8
DER SCHULE FÜR BRÜCKENANGEBOTE IM SCHULHAUS AUBERG, BASEL:
In unserer Klasse sind wir 15 Schülerinnen und Schüler: Thilip 19, Cem 16, Cansu 17, Synavere 17, Arsim 18, Sana 17, Pascal 16, Enise 16, Abdul 17, Donjeta 17, Xaje 17, Suzana 16, Irhada 17, Steve 16, Corinne 16. Wir leben fast alle seit unserer Geburt in Basel, Arsim und Pascal sind seit 5 Jahren hier. Wir haben alle eine Praktikumsstelle als Kleinkindererzieherin, Pflegeassistentin, Detailhandelsfachfrau/-fachmann, Koch, Verkäufer, Maler, Dekorationsgestalterin, Medizinische Praxisassistentin, Zahntechniker. sechs von uns haben schon eine Lehrstelle. Wir halten alle zusammen und sind immer guter Laune.
Wir hoffen, dass die anderen bis Ende des Schuljahres auch eine Lehrstelle bekommen können. Unsere Lehrerin ist Frau Zeynep Yerdelen Fanti.
WIR BEHANDELN DIE LEUTE GLEICHBERECHTIGTJedes Jahr kommen etwa 600 bis 800 Jugendliche zwischen 17 und 20 Jahren ins Arbeitsamt Basel-Stadt. Sie kommen oft direkt nach der obligatorischen Schulzeit und in den Sommerferien, weil sie keine Ausbildung und/oder keine Arbeit haben. Insgesamt haben sich im Kanton Basel-Stadt 4057 Menschen arbeitslos gemeldet (Zahlen Februar 2006), davon sind 1189 Männer und 688 Frauen ausländischer Herkunft, und 6 Prozent sind Jugendliche.Wir stellten einer Personalberaterin und einem Personalberater beim Arbeitsamt Basel-Stadt ein paar Fragen zu ihrer Arbeit.Wie halten Sie es aus, Jugendliche zu sehen, die schon arbeitslos sind?Das gehört zu unserer Arbeit.Sehen Sie die Erfolge Ihrer Arbeit oder ist sie oft frustrierend?Man kann Vermittlungen machen, wir schicken den Jugendlichen die Liste mit den offenen Arbeitsstellen, damit sie sich dort bewerben können. Wir motivieren sie, geben Internetadressen. Darunter gibt es sicher Erfolge.Wir haben von Jugendlichen gehört, die sich vom Arbeitsamt nicht freundlich behandelt fühlten. Wie kann das passieren?Das kann nicht nur jungen Menschen passieren, das kann auch den älteren passieren. Die Jugendlichen sind auch nicht immer freundlich. Wenn jemand nicht freundlich ist, dann sind wir auch nicht freundlich. Aber es ist selten, dass so etwas passiert. Wir behandeln die Leute gleichberechtigt!Haben Sie selber Kinder?Nein.Wenn Sie Kinder hätten: Würden Sie Ihr Kind zum Arbeitsamt schicken, wenn es arbeitslos wäre?Ja, würde ich tun: Damit es nicht arbeitslos bleibt und etwas zu tun hat.Interview: Cansu, 17, und Donjeta, 17
CHANCENGLEICHHEIT BEI DER LEHRSTELLENSUCHEUns beschäftigt die Frage, ob ausländische und schweizerische Jugendlichen dieselben Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Deshalb haben wir Leute auf der Strasse nach ihrer Meinung gefragt. Es gab Menschen, die sagten, wer eine Lehrstelle oder Arbeit wolle und suche, der finde sie auch, egal, ob man Schweizer oder Ausländer ist. Die Mehrheit dachte aber, dass Schweizerinnen und Schweizer leichter eine Lehrstelle oder Arbeit finden, weil sie besser Deutsch können und besser in der Schule sind. Das zeigen auch die Erfahrungen, die viele ausländische Jugendliche machen, und auch wissenschaftliche Studien belegen das. Wir geben an dieser Stelle eines dieser Interviews wieder.Finden die Jugendlichen mit Migrationshintergrund leichter eine Lehrstelle als die Schweizerinnen und Schweizer?Schülerin (17): Ich glaube, die Ausländer haben weniger Chancen als die Schweizer, weil sie nicht so gut in der Schule sind wie sie.Warum denken Sie so?Weil es so ist. Diejenigen, die gemischte Wurzeln und einen nicht schweize-rischen Namen haben, haben weniger Chancen auf dem Lehrstellenmarkt.Finden Sie das richtig?Nein, ich bin damit nicht einverstanden. Ich finde, wir sollten alle die gleichen Rechte haben.Irhada, 17, Synavere, 17

Steve (o.) und Abdul«Ich bin im Moment stark am Suchen »«Ich hoffe, dass ich bald eine Lehrstelle als Detailhandelsfachmann bekomme. Ich bin im Moment stark am Suchen. Mein grösstes Ziel ist es, eine eigene Sportartikel-Firma zu gründen. Ich habe die WBS besucht, und leider waren meine Noten nicht gut genug, um eine Lehre anzufangen. Ich hoffe, dass ich dank der Vorlehre A meine Ziele erreichen kann. Jetzt absolviere ich ein Praktikum in einem Malergeschäft. Ich habe aber festgestellt, dass dieser Beruf nicht der richtige für mich ist. Mein Chef sagte zu mir, dass ich besser in den Verkauf oder in den Pflegeberuf passen würde. Also versuche ich mein Glück dort. Ich bin wieder dabei, Bewerbungen zu schreiben, und freue mich auf – hoffentlich auch positive – Antworten.» Steve, 16«Ein normales Leben führen»«Ich beschäftige mich schon lange mit meinen Zielen und Wünschen. Ich bin also auf der Suche danach, was ich aus meinem Leben machen soll. Wenn ich Glück habe, bekomme ich in dem Geschäft, wo ich ein Praktikum als Detailhandelsfachmann mache, auch eine Lehrstelle.
Nach der Lehre möchte ich eine Weiterbildung machen. Danach würde ich gern meine eigene Firma gründen. Dann könnte ich mir ein Auto und ein eigenes Haus leisten. Ich wünsche mir eine Familie und möchte ein guter Vater für meine Kinder werden. Ich wäre froh, wenn ich ein normales Leben führen könnte.» Abdul, 17

6 von 10 Bauarbeitern würden eigentlich etwas anderes arbeiten wollen.
UMFRAGE AUF ZEHN BAUSTELLEN IN BASEL
Wir haben 10 Baustellen in der Stadt Basel besucht und jeweils immer einen Arbeiter befragt. Das war für uns eine einmalige Erfahrung, weil wir mit den Arbeitern über ihre Zufriedenheit mit ihrem Beruf sprechen konnten. Wichtig war uns, aufzuzeigen, dass viele eigentlich nicht unbedingt auf der Baustelle arbeiten wollten: 6 von 10 Befragten würden eigentlich etwas anderes arbeiten, wenn sie die Möglichkeit hätten.
Hier unsere Umfrage.Haben Sie eine Ausbildung für Ihre Arbeit? Welche? 9 der befragten Bauarbeiter haben eine Ausbildung. Darunter sind 3 Gipser, 1 Maurer, 1 Bauarbeiter, 1 Maschinenfahrer, 1 Monteur, 1 Deckenmonteur, 1 Plattenleger. 1 Person hat keine Ausbildung.Was ist Ihr durchschnittlicher Lohn? Und wie viele Stunden arbeiten Sie am Tag? Die Bruttolöhne auf den 10 Baustellen variieren zwischen 4000 und 6500 Franken (Gruppenleiter). Es wird zwischen 7,5 und 9 Stunden gearbeitet.Verdienen Sie genug für die Arbeit, die Sie leisten? 7 Arbeiter finden, dass sie genug verdienen, hingegen 3 sind nicht zufrieden mit dem Lohn.Warum arbeiten Sie auf einer Baustelle? 5 sagten aus, dass sie einfach arbeiten mussten, 3 arbeiten auf der Baustelle, weil sie nichts anderes gefunden haben, 2 wollten mehr Geld verdienen. (Wir haben übrigens auf keiner dieser 10 Baustellen Frauen getroffen!)Was würde Sie an Ihrer Arbeit ändern, wenn Sie die Gelegenheit dazu hätten? Während 3 der Befragten zufrieden sind mit ihrer Arbeit und dort, wo sie jetzt sind, weiterarbeiten würden, sagten 6 aus, dass sie alles andere machen, aber nicht mehr auf einer Baustelle arbeiten würden. 1 Bauarbeiter würde sich gerne weiterbilden.
PORTRÄTS VON ERFOLGREICHEN MIGRANTEN/-INNEN

Suat Barutcu
Zeynep ErdalSechs Berufe – und aus Berufung Lehrer
Suat Barutcu (58) kam mit 19 Jahren in die Schweiz, um zu studieren. In der Türkei war das wegen der politischen Unruhen nicht mehr möglich. Er verliebte sich noch dazu in eine Baslerin, und da war es für ihn klar, dass er nach Basel kommen musste. Zuerst hat er an der Universität Basel Wirtschaftspolitik studiert. Nach dem Abschluss hat er ein Jahr bei Ciba gearbeitet. Gleichzeitig schloss er das Latein-Examen ab, um Rechtswissenschaften zu studieren. Er finanzierte sein Studium selber, indem er als Sprachlehrer tätig war. Zwei Studien abzuschliessen, war nicht schwer für ihn, es ist alles gut gegangen. Seine Familie ist glücklich darüber, dass er jetzt Lehrer ist. Der Beruf macht ihm sehr viel Spass. Er würde für die Schule auch seine Freizeit opfern, berichtet er uns. Man brauche für diesen Beruf sehr viel Einsatz, er muss aber auch Freude machen. Suat Barutcu hat sechs Berufe. Er könnte als Simultan-Übersetzer, Fahrlehrer, Jurist, Rechtsberater und Wirtschaftsberater arbeiten oder die Führung einer eigenen Firma übernehmen (zum Beispiel im Bereich Import/ Export).Ständig gelernt und jetzt Filialleiterin
Zeynep Erdal (32) kam mit 19 Jahren in die Schweiz, um ihren Mann kennen zu lernen, bevor sie ihn heiratete. Sie absolvierte bei der Migros eine Schnupperlehre und entschied sich danach für eine Lehre in der Migros. Der Weg bis zur Lehre war für sie nicht schwer. Sie empfiehlt den Beruf im Detailhandel allen weiter, die mit dem Herzen dabei sind. Für ihren Beruf musste sie sehr viel Zeit investieren, um zu lernen, und sie hat dabei fast keine Zeit für ihre Familie gehabt. Neben aller Arbeit hat sie eine Sprachschule besucht. Zeynep Erdal hat einen Sohn und ist heute Filialleiterin.Cem, 16 Jahre, und Xaje, 17 Jahre
zurückblättern
blättern