Schlecht qualifizierte Personen haben es schwer, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Immer mehr Städte versuchen deshalb, diesen Schritt mit Teillohnprojekten und ähnlichen Massnahmen zu erleichtern. Dazu gehören auch die so genannten «1000-Franken-Jobs».
Ein Teillohnjob kann Sozialhilfeempfängern den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern. Foto: pc
Die Idee stammt aus der Ostschweiz: In den Räumlichkeiten der Alten Färberei im idyllischen Sittertal bei St. Gallen schlägt das Herz der «Stiftung für Arbeit». Die 260 Mitarbeitenden des Unternehmens sind in den Bereichen Gartenarbeit, Abbruch von alten Liegenschaften und einfachen handwerklichen Arbeiten tätig.
Die Stiftung wurde 1997 gegründet, heute beträgt der Jahresumsatz stolze 5,5 Millionen Franken. Das Besondere am Stiftungsmodell: Es sind Sozialhilfeempfänger, die hier ein Auskommen finden und sich ein Zubrot zur staatlichen Zahlung verdienen. «Daneben helfen wir den Mitarbeitenden, sich professionell für Jobs zu bewerben und den Sprung in die freie Wirtschaft zu schaffen», so Geschäftsführerin Daniela Merz.In Bildung investieren
Das Konzept macht Schule. So startete die Stadt Zürich Anfang Jahr ein ähnliches Modell. Drei Betriebe der städtischen Arbeitsintegrationsprogramme beschäftigen bis heute insgesamt 50 Sozialhilfeempfänger. Je nach Leistung erhalten sie für ihre Arbeit eine Entschädigung von 1600 bis 3200 Franken. Die Sozialhilfeleistung wird um diesen Lohn reduziert, wobei den Betroffenen ein Freibetrag von zusätzlich 600 Franken verbleibt.
«Zum einen ist es für die Betroffenen gut, arbeiten zu können und einen eigenen Lohn zu erhalten», erklärt Christina Stücheli, Informationsbeauftragte des städtischen Sozialdepartements. Zum andern könne mit denselben Kosten ein grösseres Angebot an Integrationsangeboten geschaffen werden. In dem neuen Programm will Zürich bis Ende des nächsten Jahres 550 Plätze offerieren.Dauerhaften Zustand verhindern
Für jugendliche Stellenlose kennt Zürich spezifische Angebote. Im Atelier Blasio beispielsweise werden aus Kunststoffblachen Spielgeräte gefertigt, andere Projekte betreffen die Gastro- oder die Mechanikbranche. «Neu verstärken wir vor allem niederschwellige Angebote, die eine Tagesstruktur anbieten und damit die Jugendlichen sehr eng führen», sagt Stücheli. Denn oft gelinge es nur so, zu verhindern, dass der Sozialhilfebezug schon in jungen Jahren zum Dauerzustand werde.
Auch Basel will Teillohnjobs einführen, wie Rolf Schürmann, Leiter der kantonalen Strategiegruppe Jugendarbeitslosigkeit, erklärt. Basis ist die Soziale Stellenbörse, ein Verein, der von den regionalen Wirtschaftsverbänden gegründet wurde und die Integration von Menschen mit einer Leistungsbeeinträchtigung in den Arbeitsmarkt fördert.
Mittelfristig sollen 50 bis 100 Teillohnplätze in der freien Wirtschaft entstehen, die auf ein Jahr beschränkt sind. Danach, so die Hoffnung, schaffen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Wechsel in ein reguläres Arbeitsverhältnis.Selbstständig statt arbeitslos
Doch nicht nur eine Anstellung, auch die berufliche Selbstständigkeit kann am Ende einer Arbeitslosigkeit stehen. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit Basel-Stadt etwa verzeichnet seit 2002 ein wachsendes Interesse danach und hilft mit rechtlicher Beratung oder unterstützt Eingaben an Stiftungen, die Anschubfinanzierungen leisten. 2005 kam es zu weit über 100 Neugründungen.
Auch Migrantinnen und Migranten nutzen die Möglichkeit, sofern sie eine zündende Geschäftsidee haben und sich die Basiskenntnisse aneignen. Der Verein «Crescenda», der im Juni 2004 gegründet wurde und 2005 mit einer ersten Pilotgruppe die Gründungskurse startete, unterstützt Migrantinnen bei der Geschäftsgründung und gibt Hilfestellungen bei dem Schritt in die wirtschaftliche Selbstständigkeit.

Pieter Poldervaart
Bern coacht psychisch Kranke
Nicht nur Langzeitarbeitslose, auch Menschen mit einer psychischen Erkrankung haben es schwer, einen Job zu bekommen. «Selbst wenn man die Bewerber stark selektioniert: Passende Arbeitsstellen in der freien Wirtschaft sind rar. Und auch wer platziert werden kann, verliert seine Stelle meist wieder innert kürzester Zeit.» Diese Erfahrung brachte Holger Hoffmann, Abteilungsleiter an den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern, dazu, eine Idee aus den USA aufzugreifen: «Supported Employment» bedeutet, dass psychisch Kranken nicht nur eine ihnen angepasste Arbeit gesucht wird, sondern dass ihnen und vor allem ihrem Vorgesetzten ein Coach zur Seite gestellt wird.
Vor drei Jahren wurde eine Studie gestartet, die den Erfolg herkömmlicher Wiedereingliederungsmassnahmen mit dem Erfolg des Job-Coach-Projekts vergleicht. Die ersten Resultate machen Mut: Während in der Kontrollgruppe nur 15 Prozent eine Stelle antreten konnten und drei Fünftel davon diese schon wieder verloren haben, fanden die Job-Coaches für 68 Prozent ihrer Gruppe einen Arbeitsplatz. Und drei Viertel von ihnen arbeiten heute noch immer an einer Stelle in der freien Wirtschaft.
zurückblättern
blättern