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 Jugend macht Zeitung als PDF File.
Ein Mensch ist ein Mensch
Diese Seite wurde von der Klasse 2b des Gymnasiums Muttenz, zusammen mit ihrem Deutsch-
und Geschichtslehrer Jan Uebelhart, gestaltet. Wir befassten uns mit den Themen Migration
und Integration. Diese bearbeiteten wir auf verschiedene Arten. Zum Beispiel entstand eine
fiktive Geschichte über einen jungen Migranten. Auch ein Gedicht über die
Gefühle eines solchen ist dabei. Ausserdem können Sie hier eine Fabel und ein
Interview mit Kindergärtnern über Ausländer lesen.
Lächerlich ernst
Was haben Flughörnchen im Reich der Eich-
hörnchen zu suchen? Eigentlich nichts,
finden die Eichhörnchen. Und wenn sie
schon bleiben müssen, sollten sie mit
dieser Fliegerei aufhören.
Trixi, ein kleines Eichhörnchen, rannte ganz ausser sich zu seiner Mutter:
«Mami, Mami, ich habe ein fliegendes Eichhörnchen gesehen!»
«Aber Kind, du weisst doch, dass Eichhörnchen nicht fliegen können.»
Doch schon stand vor ihnen ein sonderbar graues, eichhörnchenartiges Geschöpf.
«Hallo, ich heisse
Pit und bin eben mit meiner Flughörnchengruppe hier angekommen.» Nach und nach
fanden sich auf der Waldlichtung immer mehr Eichhörnchen und Flughörnchen ein.
«So schnell findet man zusammen!», bemerkte ein älteres
Flughörnchen, worauf die meisten Flughörnchen in Gelächter ausbrachen. Die
Eichhörnchen blieben todernst und ärgerten sich. Daraufhin murmelten einige
Flughörnchen: «Man hat uns ja gesagt, dass die Hörnchen hier im Norden
keinen Sinn für Humor haben.» Beleidigt dachten die Eichhörnchen bei sich:
«Typisch Südländer!», und zogen sich zurück. Einige
Kindereichhörnchen, die beeindruckt beobachtet hatten, wie die Flughörnchen
geschickt von Ast zu Ast segelten, versuchten es nachzumachen und fielen vom Baum. Eine
Mutter sagte empört zur anderen: «Diese Flughörnchen setzen den Kindern
solche Flausen in den Kopf. Sie glauben, dass sie etwas Besseres sind, weil sie fliegen
können. Und wie sie sich aufgedrängt haben.» «Du hast vollkommen
Recht. Wenn sie schon rotzfrech in unser Reich kommen, sollen sie sich auch
anpassen
» «
und mit dieser dummen Fliegerei aufhören»,
fügte ein weiteres Eichhörnchen hinzu. Ein anderes meinte: «Jetzt macht
doch mal halblang. Ihr kennt sie doch nicht einmal. Vielleicht können sie uns noch so
manches zeigen, was wir noch nicht kennen.» «Wers glaubt! Die sind doch alle
gleich», bemerkte ein weiteres Eichhörnchen. Die Flughörnchen
hatten sich inzwischen ein Zuhause auf der anderen Seite der Waldlichtung gesucht. Bei
ihnen gab es genauso heftige Diskussionen: «Ich verstehe nicht, warum die
Eichhörnchen so zurückhaltend reagiert haben und beleidigt weggegangen
sind.» «Wir sind doch offen auf sie zugegangen und wollten uns nur
vorstellen.» «Vielleicht hätten wir sie nicht so überrumpeln
dürfen?» «Ach was, die konnten uns doch von Anfang an nicht ausstehen,
weil wir ein graues Fell haben und nicht so ein braun glänzendes wie sie.» Auch
bei den Eichhörnchen wagte es keines, sich über die Gruppe hinwegzusetzen, in
der sich eine starke Abneigung gegen die fremdartigen Hörnchen breitgemacht
hatte. Eines Tages beobachtete der Eichhörnchenanführer, wie zwei
halbwüchsige Flughörnchen ein kleines Eichhörnchen herumschubsten.
Wutentbrannt schlug er auf die zwei Flughörnchen ein. Beim Versuch, die Streitenden
zu trennen, mischten sich immer mehr Hörnchen in den Kampf ein. Zwei Wölfe
spazierten vorbei und unterhielten sich. Plötzlich brach einer in schallendes
Gelächter aus und steckte bald den anderen an. «Hast du das gesehen? Da
verprügeln sich Hörnchen, als seien sie Feinde. Ist der Fuchs etwa
ausgestorben?» Im Gegenteil.
Anh Thu, Seraina und Svenja, alle 17 Jahre
Iran - Schweiz: Einfach
«Erfunden, aber vielleicht anderswo passiert.»
Abrupt wache ich auf. Ein bärtiger Mann in dunkelblauer Uniform und stimmiger
Mütze schreit mich in einer mir fremden Sprache an. Er sieht mitgenommen aus und
erinnert mich an den Schauspieler, der in meiner Lieblingsserie den Bahnhofsaufseher
gespielt hat. Die Serie ist schon über dreissig Jahre alt, und schon mein Vater hatte
sie gerne gesehen. Er packt mich an den Haaren und schlägt meinen Kopf gegen die
Waggontüre. Jetzt bin ich wirklich wach, mein Schädel dröhnt, und ich kann
förmlich spüren, wie sich eine Beule formt. Nach einem Tritt in den Bauch finde
ich mich neben dem offenen Güterwaggon auf dem kühlen, harten Boden wieder.
Trotz heftigen Schmerzen an Kopf, Bauch und Rücken stehe ich sofort auf und renne, so
gut es geht, vor dem brutalen und zu meinem Glück nicht mehr allzu rüstigen
Bahnwärter davon.
Angefangen hat alles damit, dass chinesische Truppen unsere Provinz überfallen und
besetzt haben. Seit die Amerikaner China und seinen Verbündeten den Krieg
erklärt haben, ist im Iran, vor allem wegen der Erdölvorkommen, die Hölle
los. Als die Chinesen in unser Dorf einmarschierten und wahllos das Feuer auf Zivilisten
eröffneten, versteckte ich mich in einem Keller. Dort stiess ich auf andere
Schutzsuchende. Unter ihnen befand sich auch ein älterer Mann, der mir auf Anhieb
sympathisch erschien. Flieht nach Europa und bittet um «Asyl», riet er uns. Im
Besonderen empfahl er uns die Schweiz als neutralen Staat mit einem gut ausgebauten
Sozialwesen. Da flog plötzlich die Tür auf, und man schoss auf uns.
Ich wurde am Bein getroffen. Geistes-gegenwärtig blieb ich am Boden liegen und
stellte mich tot. Viel später rappelte ich mich auf und bemerkte, dass ich der
einzige Überlebende war. Trotz des schrecklichen Anblicks verweilte ich noch bis in
der Nacht im miefigen Keller.
Es war still, als ich die Treppe hinaufstieg. Auf der Strasse erwartete mich der Anblick
von zusammengestürzten Häusern. Ich wusste, dass ich fliehen musste, und ergriff
ein Fahrrad, das auf der Strasse lag. Kurz nachdem die Sonne aufgegangen war, erreichte
ich eine grössere Ansiedlung. Auf dem Marktplatz des Dorfes, welches offenbar noch
nicht von den Kriegsmächten heimgesucht worden war, traf ich auf einen Händler,
der gerade dabei war, seinen Stand aufzubauen. Ich erklärte ihm, dass ich nach Europa
fliehen wollte. Der meinte, ein befreundeter Lieferant könne mich bestimmt ein
Stück weit mitnehmen. Die Fahrt im Laderaum war holprig und unkomfortabel, denn ich
sass auf einem Haufen leerer Jutesäcke. Ich war froh, als das Transportmittel vor dem
Bahnhof von Ahvãz anhielt. Ich bedankte mich kurz, aber herzlich beim Fahrer,
welcher mir mit einem Lächeln einen Laib Brot in die Hand drückte.
Während ich ass, sah ich mich auf dem Bahnhofgelände um. Überall rannten
Menschen mit grossen Koffern und Reisetaschen herum. Viele unter ihnen schauten
verängstigt umher. Einer hatte sogar eine Ständerlampe dabei. Die Zeitungsjungen
riefen die neusten Neuigkeiten über den Vorplatz: Weitere Eroberungen der Chinesen.
Danach folgten einige Dorfnamen sowie der Name unserer Provinz. Ich nahm dies nur am Rande
wahr. Ich trat in die Schalterhalle ein. Nach einer halben Stunde wusste ich, dass
Ahvãz-Bern einfach, 2. Klasse, ganze 3'845'472 Rial kosten würde. So viel Geld
hatte ich in meinem Leben nie besessen. Dazu fehlten mir ein Visum sowie Passierscheine
für die Staaten, welche dazwischenlagen. Deprimiert ging ich den Geleisen entlang und
überlegte mir, wie es weitergehen sollte. Der vorbeirollende Güterwaggon schien
mir ein Wink des Schicksals, hier wollte ich mich verstecken und heimlich in die Schweiz
reisen. Zu meinem Glück fand ich bald einen gesprächigen Bahnangestellten,
welcher mir mitteilte, welcher Zug als nächster in Richtung Schweiz fuhr. Er fuhr
«nur» nach Istanbul, aber immerhin das. In Istanbul gelang es mir dann
tatsächlich, rasch einen weiteren Zug mit Ziel München zu finden...

Bilder: Raphael und Lorenzo, 17 Jahre
... aus dem mich der Bahnbeamte eben rausgeworfen hat. Je länger ich renne, desto
mehr entferne ich mich von den Geleisen. Als ich in der Ferne Häuser erblicke,
schöpfe ich wieder Hoffnung. Im Dorf angelangt, treffe ich auf ein paar Leute. Erst
als sie sich erschrocken von mir abwenden, wird mir bewusst, wie ich aussehen muss. Ich
weiss nicht, wo ich bin, die Leute sprechen eine mir fremde Sprache, ich habe nichts zu
essen, nichts zu trinken, kein Geld und nicht einmal ein Dach über dem Kopf.
Während ich die Strasse entlanggehe, spüre ich die ersten Tropfen des kommenden
Regenschauers auf meinem lädierten Kopf.
Jean-Daniel und Philipp, 17 Jahre
ENTKOMMEN!?
«Umgeben von Waffen und Kriegern,
gejagt von vermeintlichen Siegern,
kann sie jeder verstehen:
die Lust, bloss fortzugehen.
Endlich hat sie es wahrgemacht,
ist geflohen, in der schlimmsten Nacht.
Ohne Plan, ohne Ziel, ohne Geld
suchte sie bessere Plätze unserer Welt.
Nur jetzt im neuen Land,
gibt ihr keiner die Hand.
Zudem ist alles neu
und sie ist doch scheu.
Traurig fristet sie ihr Dasein,
unter vielen, und doch allein.
In ihr wimmelt es von Fragen,
aber laut wagt sie nicht zu klagen.
Stiller wird sie von Tag zu Tag,
hat das Gefühl, dass sie keiner mag...
Sollte sie besser wieder gehen?
Ein Mensch ist einfach ein Mensch.
Wieso kann das hier niemand verstehen???
Judith Wunderlin
In welchem Alter beginnt Rassismus?
Beginnt Rassismus schon im Kindergarten? Um das herauszufinden, befragten wir Schweizer
und ausländische Kinder. Dabei hat sich unsere Annahme bestätigt, dass bei den
meisten Kindern Hautfarbe oder Herkunft der Kameraden keine Rolle spielen. Einige Aussagen
wie etwa «Alli, wo kei Moslem sin, sin bös!» zeigten aber auch, dass
gewisse rassistische Ansätze vorhanden sind.
Denise, Stephanie und Rebecca

Kathrin, 6, Schweizerin
«Mi störts nid, wenn Lüt met ere andere Hutfarb id Schwyz
chöme»

Melanie, 6 1/2, Schweizerin
«Fraue met Kopftüecher gsend komisch us, aber me stört da ned»

Alex, 6 1/2, Schweizer
«I ha e Frönd ond e Fröndin us Italie, die send e bez
donkel... aber da stört mi ned. Ond i fends blöd, wämer Lüt, wo donkel
sind, beleidigt»

Abbu, 4, in der Schweiz geboren, Eltern aus Syrien
«Mis Mami het es Kopftuech a, aber i fend da ned schlemm, wenn anderi Fraue keis
ahend»

Gunesh, 6, in der Schweiz geboren, Eltern aus Sri Lanka
«I fends schwerig, dehei tamilisch ond im Chendergarte dütsch zrede... aber i
gang glich gärn in Chendergarte»
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