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«Keine dumpfe Gemütlichkeit»
«200 Jahre Migration - eine Erfolgsgeschichte» ist der Untertitel Ihres Films.
Ist die Migrationsentwicklung der Stadt für Sie tatsächlich eine
«Erfolgsgeschichte»?
Basel hat sich in den letzten 200 Jahren vom mittelalterlichen Städtchen zum
Industriestandort entwickelt. Das ging nicht ohne Zuzug von «Fremden».
Migration wird in dem Moment zum Erfolg, wo die Integration kein isoliertes Thema mehr
ist, sondern eine Selbstverständlichkeit. So gesehen pendelt sich das Verhältnis
zwischen Zugezogenen und Alteingesessenen immer wieder auf unspektakuläre Weise neu
ein.
Im Film werden die Geschichten von zwei Migrantinnen und zwei Migranten erzählt.
Welche hat Sie am meisten beeindruckt?
Es gibt in jedem Lebenslauf Details, die mich nachdenklich stimmen. Der italienische
Coiffeur zum Beispiel, der hier geboren wurde, ging als Siebenjähriger mit seinen
Eltern zurück nach Italien. Die Eltern aber konnten in ihrer ehemaligen Heimat nicht
Fuss fassen, und so kehrte die Familie zurück in die Schweiz. Dieses Hin und Her
machte dem jungen Massi schwer zu schaffen. Das Beispiel zeigt, dass auch eine
Migrationserfahrung, die nach aussen unproblematisch erscheint, mit einer grossen
Anpassungsleistung verbunden ist.
Sie sind Deutscher. Wie wurden Sie hier aufgenommen?
Ich bin als 14-jähriger in die Schweiz gekommen und wollte anfangs den Dialekt nicht
lernen - dann spürt man immer wieder ein bisschen Ablehnung. Ich wurde aber auch ganz
herzlich empfangen. Sowohl diese Ablehnung wie auch die tollen, positiven Erfahrungen
verlangen, dass man sich als Migrant immer wieder hinterfragt. Es kommt keine dumpfe
Gemütlichkeit auf, und das ist gut so.
Interview: mws
Armin Biehler ist Filmemacher in Basel.
«Menschen bewegen Basel. 200 Jahre Migration - eine Erfolgsgeschichte». 35
min/2004.
Info: 061 267 70 67
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