Überall und nirgends zuhause

Domenico Billari ist in der Welt zuhause. Essen und schlafen tut der Rapper von "Tempo al Tempo" zwar bei seiner Familie. Doch fürs Musikmachen und fürs Malen bevorzugt er die Küche seines Ateliers.


Wohnt in der Küche: Domenico "Mimmo" Billari. Bild: dp

Domenico "Mimmo" Billari brüht sich Kaffee auf, macht es sich in einem Sessel bequem und setzt seine Sonnenbrille auf. "Die Küche ist der wichtigste Ort in meinem Atelier", erklärt der 26-Jährige, "hier kommen die verschiedensten Düfte zusammen." In der Küche malt er Bilder und schreibt Songtexte, im angebauten Wintergarten hat er sich ein Studio eingerichtet und macht Musik - italienischen Rap.

"Rap ist meine Liebe", sagt das Mitglied der fünfköpfigen Basler Band "Tempo al Tempo", die gerade an einer neuen Platte arbeitet. In den beiden anderen Zimmern von Mimmos Atelierwohnung sind sein Bass, seine Bilder und ein Gästebett untergebracht. "Gegenstände sind mir nicht wichtig, auch nicht meine Bilder", so Mimmo. Das Malen und Machen sei Therapie, das Resultat, die Bilder, seien zum Verschenken da.

Familienclan
Mimmo isst und schläft bei seinen Eltern. "Ich bin Italiener, das passt doch", findet er. Zuhause sei er nirgendwo oder, besser gesagt, überall: "Ich fühle mich in der Welt daheim." Mimmo wurde in Basel geboren. Als er fünf war, zog er mit seiner Familie nach Kalabrien, ins Dorf, aus dem seine Eltern stammen: "Dort wohnen 700 Seelen, Hühner und Schweine mit eingerechnet", erzählt er. Am Abend treffen sich die Männer auf der Piazza, machen Kartenspiele, reden oder sind einfach nur da. "Meine Familie ist ein richtiger Clan. Wenn wir alle zusammen sind, dann wird gefeiert", erzählt Mimmo. "Und obwohl wir weit weg voneinander wohnen -  wenn jemand von uns Hilfe braucht, sind wir füreinander da." In Schweizer Familien sei das nicht anders, höchstens die Freiheit sei grösser.

Verschiedene Welten
Als Mimmo 13 Jahre alt war, zog er mit seiner Familie wieder nach Basel. "Hier kann man machen, was man will, auch beruflich hat man viele Möglichkeiten." Das Leben in Basel und das in seinem Dorf seien zwei völlig verschiedene Filme, findet Mimmo. Allerdings: "Wenn ich in die Innerschweiz fahre, stelle ich keinen Unterschied zu meinem Dorf mehr fest." Sowieso glaube er nicht an Unterschiede, nur an unterschiedliche ungeschriebene Regeln, mit denen die Menschen aufwachsen. "Das ist alles."

Mena Kost

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