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 Acht Jugendliche leben in der Aussenwohngruppe Wettstein des Waisenhauses Basel. Vier von
ihnen haben Einblick in ihr Zimmer gewährt und berichten von ihrem Zusammenleben.
"Das Heimleben ist nicht so schlimm, wie man es sich vorstellt", stellt Jolanda*
klar. "Aber es ist Stress." Die 16-Jährige lebt seit eineinhalb Jahren in
der Aussenwohngruppe Wettstein des Waisenhauses Basel. Dort wohnt sie mit sieben anderen
Jugendlichen zusammen. Und genau das mache das Heimleben anstrengend: "Ruhe hat man
hier nur, wenn man im eigenen Zimmer ist", erklärt Jolanda. In allen anderen
Räumen muss auf die drei Mitbewohnerinnen und vier Mitbewohner Rücksicht
genommen werden: "Wer will was im TV gucken? Wer möchte was essen? Wer hat wann
Waschtag? Und so weiter."
Jolanda, die derzeit ein Praktikum in einer geschützten Werkstatt absolviert und
später einmal Säuglingskrankenschwester werden will, schätzt aber auch die
Vorteile des Zusammenlebens: "Wir sind eine Gemeinschaft, schliessen niemanden aus,
reden viel über Probleme und sind füreinander da."
Pflanzen, Farben und Schuhe
Das findet auch Nadja*. Es gebe hier keine Grüppchen "mit Ausschliessen und
so", erklärt die 16-Jährige und macht es sich auf der riesigen Couch in
ihrem Zimmer gemütlich. Allerdings gebe es schon zwei Leute, die am meisten zu melden
hätten: "Bei den Mädchen bin ich das, bei den Buben mein Freund
Diego*." Von ihm habe sie übrigens die Couch bekommen. Und die Pflanze auf dem
Gestell dort drüben sei auch von Diego. Sowieso, Pflanzen seien ihr ganz besonders
wichtig, Pflanzen und Schuhe und Farben. Und das sieht man: Nadjas Zimmer ist voll davon.
"Die Pflanzen habe ich im ganzen Haus zusammengesucht und in mein Zimmer geschleppt.
Die Schuhe habe ich mir gekauft, und das farbige Tuch, das über dem Bett hängt,
ist aus der Karibik." Von dort kommt nämlich ihre Mutter, und wenn Nadja
auswählen könnte, wo sie am liebsten leben würde, dann in der Karibik.
"Hier im Heim gibt es fast keine reinen Schweizer", erzählt Nadja. Alle
seien irgendein Nationalitätengemisch. Aber stören tue das niemanden. "Ich
zum Beispiel teile die Menschen in Loser und Winner ein. Woher
jemand kommt, ist mir echt egal. Das Innere zählt."

Musik ist alles
Wer in Abdels* Zimmer kommt, dem wird etwas klar: Hier wohnt ein Hiphop-Fan. An den
Wänden hängen Poster von "Method Man", "LL Cool J" und
"50 Cent" - in der Ecke steht ein Ghettoblaster. "Den habe ich von meiner
Mutter bekommen. Er ist mein wichtigstes Einrichtungsstück", erzählt Abdel,
der seit einem halben Jahr hier wohnt. Musik sei für ihn alles, deshalb laufe bei ihm
auch immer das Radio - sogar, wenn schon Nachtruhe sei. "Wenn ich Musik höre,
bin ich in meiner eigenen Welt", erzählt er. "Wenn dann jemand an die
Türe klopft, bekomme ich das nicht mit."

Abdels Eltern kommen aus Kenia, aufgewachsen ist er in der Schweiz. Trotzdem gehe er sehr
gerne nach Kenia zu seinen Verwandten: "Leider konnte ich sie acht Jahre lang nicht
besuchen, wegen des Geldes", sagt der 16-Jährige. Aber diesen Sommer hat es
geklappt, und Abdel war dreieinhalb Wochen in Kenia. "Das war eine gute Zeit",
erinnert er sich. Aber auch hier in der Wohngruppe findet es Abdel gar nicht so schlecht:
"Die Jugendlichen sind super, die Sozialpädagogen soso-lala."
Über Jungs reden
Ein "megaschönes Haus" in Spanien am Meer, zusammen mit dem Freund - das
ist Sabrinas* Traum. Die 17-Jährige ist seit vier Jahren in der Schweiz, aufgewachsen
ist sie bei ihrer Grossmutter in Kosova. "Die erste Zeit im Heim war schwierig",
erzählt Sabrina. "Ich habe hier einfach nicht hingehört." Als die
Grossmutter starb, kurz nachdem Sabrina in die Schweiz gekommen war, fühlte sich auch
Kosova nicht, mehr als Heimat an. "Damals hatte ich Heimweh, wusste aber nicht,
wonach." Unterdessen habe sie sich aber bestens eingelebt.

Bilder: dp
"Hier in der Gruppe ist es sehr gemütlich, die Jugendlichen sind super",
sagt Sabrina. Ausserdem könne sie mit Mitbewohnerin Nadja über alles reden, auch
über Jungs. Am wichtigsten in Bezug auf ihr Zimmer findet Sabrina, dass dieses
aufgeräumt ist. Unordnung könne sie nicht leiden. "Das Zweitwichtigste sind
meine Schminksachen", so Sabrina, "mit denen mach ich mich schön. Und
sowieso ganz wichtig ist, dass hier alle wissen, wer aus welchem Land kommt, aber niemand
ein Problem damit hat."
Mena Kost
*Namen von der Redaktion geändert
Im Waisenhaus Basel sind über 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen Schweizerinnen
und Schweizer.
Von den anderen 40 Prozent sind die meisten Secondos und Secondas. Jugendliche mit
ausländischem Pass sind klar in der Minderheit.
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