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 Nordtangenten-Baustelle, Drogenszene und ein Asylbewerberheim belasten das St.
Johann-Quartier. Hinzu kommt der Lärm aus Nachtschwärmerbeizen. Doch allen
Problemen zum Trotz schreitet die Integration der Migrationsbevölkerung voran.
Städtebauliche Massnahmen sollen diese positive Tendenz stärken.

Lärm im Wohnquartier: Baustelle der Nordtangente.
Am Voltaplatz klafft eine gigantische Schneise. Seit Jahren frisst sich hier die
Nordtangenten-Baustelle mitten durchs St. Johann-Quartier - 25 Meter tief und 26 Meter
breit. "Es ist klar, dass im Zuge jahrelanger Bauarbeiten viele wegziehen und die
Grundeigentümer nicht mehr in die Gebäude investieren", erklärt
Kantonsbaumeister Fritz Schumacher. Folge sind sehr tiefe Mieten, die vor allem Menschen
mit niedrigem sozioökonomischen Status anziehen - darunter auch
Ausländerfamilien.
"Das bringt Kinder ins Quartier und wirkt befruchtend, solange es eine Durchmischung
gibt und die Integration funktioniert", meint ein alteingesessener Santihanser. Kaum
verständlich ist für ihn aber die Verweigerungshaltung einiger Nachbarn, die
nach zehn Jahren im St. Johann noch immer kein Wort Deutsch sprechen
würden. Erfreulicherweise ist bei den Kindern aus Migrantenfamilien keine solche
Abschottung feststellbar - im Gegenteil: "Die Schule spielt ihre Rolle als
Integrationsmotor gut. Hätten wir mehr Schweizer Kinder in den Klassen, würde
sich dieser Prozess auch ausserhalb der Schulstunden beschleunigen - beim Spielen auf dem
Pausenplatz und auf dem Schulweg", meint Primarlehrer Jürg Plattner vom
Voltaschulhaus.

Bunte Welt: auf dem Pausenplatz der Primarschule.
"St. Johann wohnlich machen"
Der gegenwärtige Mangel an Schweizer Familien dürfte dank städtebaulicher
Massnahmen nach Fertigstellung der Nordtangente etwas abnehmen: "Wir arbeiten mit
einer sorgfältig ausgewählten Investorengruppe zusammen, um an der Voltastrasse
und um den Bahnhof St. Johann gute Adressen zu schaffen. Gerade das
äussere St. Johann wird ab 2008 wieder wohnlich werden", verspricht
Kantonsbaumeister Schumacher. Er wertet die schleichende Verslumung keineswegs als
Niedergang, sondern bloss als vorübergehende Begleiterscheinung des Umbruchs.
Dennoch werden die Verwahrlosungserscheinungen kritisch beobachtet - auch von Teilen der
Migrationsbevölkerung. Immer wieder zu reden gibt das Thema Ordnung und Sauberkeit:
"Seit die Schweizer gelernt haben, den Kot ihrer Hunde einzusammeln, sind die
Strassen um einiges freundlicher geworden", meint etwa ein Schweizer kurdischer
Herkunft, der im Quartier jahrelang ein Geschäft betrieb.

Tatkräftig zugepackt: Asylbewerber helfen im Garten. Bilder: pc
Neben dem Problem unsachgemäss entsorgter Abfälle - vom Hundekot über
Mistsäcke bis hin zu Wohnungseinrichtungen - wird das Quartier auch von Drogen
belastet. "Eine Zeit lang hat sich ein Dealer bei uns im Haus eingemietet, da hatten
wir alle Angst", erinnert sich ein Familienvater, der in der Nähe des
Gassenzimmers beim St. JohannsTor wohnt. Inzwischen nehme die Polizei die Klagen der
Anwohner aber ernst und habe das Problem besser im Griff, auch wenn in der
Elsässerstrasse weiterhin mit Drogen gehandelt werde. Unwillen erregen auch die meist
schwarzafrikanischen so genannten Kügelidealer, die vielfach aus anderen Kantonen
anreisen, um hier ihre Deals abzuwickeln. Sie bringen Unruhe ins Quartier, insbesondere
auch rund ums Asylbewerberheim an der Murbacherstrasse.
Beizen früher schliessen
Für rote Köpfe sorgen auch die ständigen Nachtruhestörungen; zeitweise
muss darum die Securitas vor der Asylunterkunft zum Rechten schauen. Das schlechte
Verhältnis zu den Nachbarn gibt einigen Heimbewohnern zu denken: "Wir bedrohen
niemanden, trotzdem merken wir, dass man im Quartier Angst vor uns hat", stellt etwa
ein Asylbewerber aus Sierra Leone irritiert fest, und sein Kollege meint: "Wir
können doch nicht den ganzen Tag drinnen sein und schlafen."

Zeit vertreiben: Asylbewerber dürfen nicht arbeiten.
Auch Arbeit zu finden, sei kaum möglich. Die Ängste vor den Schwarzafrikanern
beruhen weitgehend auf Vorurteilen - die "Kügelidealer" sind gegenüber
der Bevölkerung nicht gewalttätig, wie die Polizei bestätigt. Das
Misstrauen im Quartier macht das Leben für die beiden Männer aus Sierra Leone
schwierig: "In einigen Restaurants werden wir kurzerhand weggewiesen."

Immer offen: Restaurant am Voltaplatz.
Zumindest im "New Point" an der Ecke Elsässerstrasse/Landskronstrasse
können Menschen aller Hautfarben unbehelligt ihr Bier trinken. Doch gerade dieses
Lokal gibt wegen massiver Lärmemissionen zu reden. Genauso ein Dorn im Auge ist
vielen Anwohnern die "Nachtschwärmerbeiz" am Voltaplatz mit Bauchtanzlokal
und 24-Stunden-Betrieb. Hier sorgen nun seit kurzem Einschränkungen der
Öffnungszeiten für eine bessere Nachtruhe.
Elias Kopf
Alle Namen der Redaktion bekannt.
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