VIELE HÄNDE FÜR VIELE BÜCHER


Das Buch steht im Zentrum der Helferinnen

Das Buch steht im Zentrum der Helferinnen. Foto: David Haas


In der interkulturellen Kinder- und Jugendbibliothek JUKIBU sorgen ehrenamtliche Helfende aus über 12 Sprachkreisen für einen runden Betrieb und glückliche kleine Leseratten.


«Die Bücher stellten wir auf Regale aus Backsteinen und Brettern», beschreibt Nelly Stark Corredor die Anfänge der mehrsprachigen Bibliothek für Kinder und Jugendliche. Die aus Kolumbien stammende Mutter war Gründungsmitglied und engagiert sich bis heute mit Dutzenden anderen Eltern, Lehrpersonen und Buchliebhabenden freiwillig für den Verein JUKIBU.


Unzählige Helferinnen und Helfer

Mit dem Erfolg der dieses Jahr 20 Jahre alt gewordenen Institution im Basler St. Johann Quartier verschwanden die improvisierten Billigstregale zwar aus der Ausstattung und neue moderne Räume an der Elsässerstrasse wurden bezogen, «doch ohne die unzähligen freiwilligen Helferinnen und Helfer könnten wir das Angebot nicht fortführen», stellt die Bibliotheksleiterin Maureen Senn klar. Sie, eine US-Amerikanerin, ist in einem 50-Prozent-Pensum die bis jetzt einzige bezahlte Angestellte und dirigiert das Orchester der vielen helfenden Hände. Wie ein buntes Puzzle fügen sich dabei die Fähigkeiten und Interessen der Beteiligten zusammen und prägen das Angebot der über 20’000 Bücher in mehr als 50 Sprachen für die jungen Leseratten.


Arbeit, Vergnügen und Spracherwerb

Yukiko Nützi-Niwano, aus Japan stammende Mutter von zwei Kindern, schätzt neben der Abwechslung, die sie mit der Arbeit in der JUKIBU erfährt, auch den integrativen Charakter: «Ich bin froh, in einem so unkomplizierten Team mithelfen zu können. Neben der sozialen Integration kann ich hier auch die hiesige Sprache lernen.» Die Frauen und Männer mit über 12 verschiedenen Muttersprachen reden während der Arbeit fast ausschliesslich Deutsch. Während Nützi-Niwano in den vergangenen Jahren den zuvor dürftigen Bestand an japanischen Büchern durch ausgesuchte Exemplare ergänzen durfte und aus diesen Büchern auch regelmässig vor Kindern und Erwachsenen liest, benötigt es in der Bibliothek auch handwerkliches Geschick. Ximena Amador ist gelernte Buchbinderin und kümmert sich mit Begeisterung um diejenigen Bücher, die im Laufe der Jahre lose Seiten oder abgewetzte Buchdeckel erhalten haben. «Einerseits kann ich hier meinen erlernten Beruf sinnvoll ausüben und anderseits haben meine Familie und ich einen Ort gefunden, wo wir ausserhalb unserer eigenen vier Wände zusammensein können. Für eine Familie, die es gewohnt ist, an unterschiedlichen Orten auf der Welt gelebt zu haben, ist so ein Heimatgefühl sehr wichtig.

Deshalb ist JUKIBU für uns mehr als eine klassische Bibliothek», betont die Mexikanerin.


Die Muttersprache stärken, Fremdes

Von der Auswahl der mehrsprachigen Bücher profitieren die Kinder und Jugendlichen stark. Heute ist es unumstritten, dass sich die Pflege der Heimatsprache günstig auf das Erlernen der deutschen Sprache auswirkt. Die JUKIBU ist aber auch eine Fundgrube für Eltern, die ihren Nachwuchs bewusst an andere Sprachkulturen heranführen wollen. «Oft übernehmen wir auch eine Brückenfunktion. Viele Neuankömmlinge kennen das Bibliothekswesen in der Stadt nicht und schätzen es, zuerst in ihrer Muttersprache von jemandem in die Ausleihe eingeführt zu werden», erläutert Maureen Senn. Umgekehrt steigen stetig die Erwartungen an die Professionalität und an die technische Verwaltung.

Eine Diskrepanz, die auch Regula Plattner, eine der Schweizerinnen im Team, feststellt: «Die Ansprüche werden immer grösser. Dabei kann manchmal vergessen gehen, dass wir alle freiwillig hier arbeiten.» Und dies erfolgreich und zur Zufriedenheit unzähliger kleiner und grosser Leseratten.

Philipp Grünenfelder

Weitere Informationen:
www.jukibu.ch


INTEGRATION ÜBER STOCK UND STEIN

Wanderung mit dem Verein

Foto: z.V.g.


Unzählige Vereine in der Region Basel leisten einen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt. Auch Migrantenvereine unterschiedlichster Art setzen sich ehrenamtlich für das Gemeinwohl ein. Zwei Beispiele.


«Unsere Wanderungen sind sehr beliebt,» nennt Sabri Dogan, Gründungsmitglied des Vereins Austausch in Sport und Kultur Basel (ASK), den Renner im Jahresprogramm. Und letzteres ist so vielfältig wie die Ambitionen des Vorstands. Dogan, selbst halb Türke, halb Italiener und in der Schweiz aufgewachsen, engagiert sich aus Überzeugung für den Austausch unter Menschen mit unterschiedlichsten Interessen. «Unsere Angebote richten sich nicht nur an Migrantinnen und Migranten, sondern auch an Einheimische», erläutert er ein Hauptanliegen, «ich habe nie verstanden, weshalb die Nationalität im Zusammenleben eine Rolle spielen soll. Dieses Selbstverständnis möchte ich aktiv leben und vermitteln». Etwas, das auch Vorstandskollegin Ivanka Tomic am Herzen liegt, «denn es fällt mir in der Tätigkeit als Deutschlehrerin immer wieder auf, dass die Lernenden ausserhalb der Kurse wenig Kontakt zu Einheimischen, aber auch kaum zu anderen Zugewanderten haben.»


Begegnung ermöglichen

Sich begegnen am Banntag in Muttenz, bei Äthiopischen Kaffee-Zeremonien oder beim Basketballspiel – der noch junge Verein stösst damit auf offene Ohren und teilweise rege Teilnahme. «Wir geben Migrantinnen und Migranten genauso wie Schweizerinnen und Schweizern die Möglichkeit, ihre Begabungen den anderen Mitgliedern weiterzugeben.» Und Tomic ergänzt, es sei doch das Wichtigste für alle Beteiligten, dass sie das Gefühl bekommen, dazu zu gehören. «Das, kombiniert mit dem Spass an der Aktivität, motiviert und integriert ganz automatisch, ohne Druck.»

Weitere Informationen:
ASK: www.askbasel.ch



Somalischer Verein

Foto: z.V.g.


Somalischer Verein Basel

Zufall oder nicht, das Wandern hat auch im Somalischen Verein Basel (SVB) einen hohen Stellenwert. «Wir gehen oft in die Natur oder spielen regelmässig Fussball, um etwa arbeitslosen jungen Männern über den Spass ein Mindestmass an Struktur geben zu können,» sagt Hassan Ismael, Vorstandsmitglied des Vereins. «Wir konzentrieren uns auf die aus Somalia stammenden Einwohnerinnen und Einwohner in der Nordwestschweiz. Da sind wir zum Teil mit ganz spezifischen Problemen konfrontiert.» Den Verantwortlichen geht es damit nicht darum, sich abzugrenzen. «Wir suchen auch den Kontakt zur übrigen Bevölkerung. Wir würden zum Beispiel gerne an der nächsten Fasnacht teilnehmen, sind nur nicht sicher, ob wir auch willkommen wären.» Grosses Gewicht gibt Ismael aber der sozialen Arbeit nach innen. «Es ist wichtig, dass die zum Teil entwurzelten, das Familien- und Landleben gewohnten Leute in der Stadt einen Ort haben, wo sie sich schnell sozial verankert fühlen und Rat holen können». Noch wichtiger wird eine Betreuung, wenn die Männer und Frauen grauenhafte Kriegserlebnisse verarbeiten müssen, Vergewaltigungen und Morde erlebt haben. In solchen Situationen wird das Engagement der Mitglieder sehr persönlich, bis hin zur individuellen Begleitung. Bei den Treffen im Familienzentrum Gundeli werden aber auch ganz alltägliche Themen wie die korrekte Abfallentsorgung, der Umgang mit Geld, Übersetzungsprobleme oder auch Freudiges, wie gemeinsame Feste besprochen. «Und selbst wenn wir bei Familienfehden vermitteln und harzige Gespräche und Auseinandersetzungen anstehen, ist das Ziel immer, dass am Schluss alle lachen». Warum nicht auf einer gemeinsamen Wanderung über Stock und Stein?

Philipp Grünenfelder

Weitere Informationen:
SVB: Hassan Ismael,
sonofaligood@hotmail.com