BEZAHLUNG HAT AUCH IMMER ETWAS MIT WERTSCHÄTZUNG ZU TUN![]() ![]() ![]() ![]() Die vier engagierten Frauen vom Treffpunkt Integration in Windisch: (von oben: Ana Moncada, Kathrin Potratz, Martina Cerletti und Esmat Shahriari. Fotos: David Haas Der
Treffpunkt Integration in Windisch will bildungsferne Eltern unterstützen und deren Kindern einen geglückten
Schuleinstieg zu ermöglichen. Zehn im Stundenlohn angestellte Vernetzerinnen sind für den Treffpunkt
tätig, der in Zukunft eng mit dem Familienzentrum Brugg zusammenarbeiten will. Das
grosse weisse Haus an der Dorfstrasse 29 direkt neben dem evangelischen Kirchgemeindehaus in Windisch
ist markant und viel genutzt: Hier teilen sich der Mittagstisch der Primarschule, die Randstundenbetreuung
und der Treffpunkt Integration die Räume im Parterre. Dank verschiedener Öffnungszeiten kommen die drei
Projekte problemlos aneinander vorbei. «Ausser dem Eltern-Kind-Treff am Donnerstagnachmittag finden
unsere Veranstaltungen mehrheitlich am Abend statt», sagt Kathrin Potratz. Sie ist Projektleiterin des
Treffpunkts Integration, der vor einem Jahr seinen Betrieb aufgenommen hat. «Kindergärtnerinnen
und Logopädinnen haben vor einigen Jahren festgestellt, dass immer mehr Kinder in Windisch nicht für
die Einschulung bereit sind», so Potratz. Neben sprachlichen Problemen hatten solche Kinder zum Teil
kaum Kontakt zum hiesigen Alltagsleben und entsprechend Mühe, sich einzuordnen. Kinder
und Eltern unterstützen Das Projekt Treffpunkt
Integration soll Kindern einen besseren Schulstart ermöglichen, indem die Eltern unterstützt werden.
Neben bildungsfernen Schweizer Eltern werden vor allem Migranten-Familien angesprochen. «Viele Migrantinnen
und Migranten haben zwar einen sehr guten Bildungshintergrund, dennoch zeigen manche Schwierigkeiten,
sich hier zurechtzufinden», sagt Kathrin Potratz. Die gelernte Kindergärtnerin und freie Journalistin
weiss, wovon sie spricht, sie hat jahrelang als Schulleiterin gearbeitet. Das Programm des Treffpunkts
ist vielfältig; schwergewichtig stehen Elternweiterbildungen und Deutschkurse im Zentrum. «Einmal wöchentlich
haben wir eine Gesprächsgruppe für Frauen. Hier reden wir Deutsch und besprechen Schul-, Erziehungs-,
Gesundheits- und Frauenthemen. Dabei verfolgen wir durchaus pädagogische Ziele und zeigen auf, wie Eltern
ihre Kinder fördern, den Alltag meistern und sich in unsere Kultur integrieren können.» Vernetzerinnen
besuchen Familien Ein weiteres, schwergewichtiges
Thema des Treffpunkts ist die Arbeit der zehn Vernetzerinnen, die zusammen 15 Sprachen sprechen, von
Portugiesisch bis Cebuano. In Windisch leben über 60 Nationalitäten zusammen. Die Vernetzerinnen besuchen
Familien und beraten sie bei anstehenden Problemen. Anmeldungen erfolgen mit dem Einverständnis der
Eltern durch Schule, Kindergarten, Therapeuten oder Sozialamt. Im ersten Jahr wurden zehn Besuche durchgeführt.
Auch Begrüssungsbesuche bei Neuzuzüger-Familien und die Begleitung der Mütterberaterinnen beim Besuch
junger Mütter stehen auf dem Programm. Die Anforderungen,
die Vernetzerinnen erfüllen müssen, sind hoch; neben guten Sprach- und Sachkenntnissen brauchen sie
auch viel Sozialkompetenz. Viele von ihnen sind interkulturelle Übersetzerinnen mit eidgenössischem
Diplom. Bescheidene Entlöhnung
für Vernetzerinnen «Ich habe von Anfang an gesagt,
dass ich nur mit Vernetzerinnen aus anderen Kulturen arbeite, wenn sie auch bezahlt sind. Einerseits
weil ich der Meinung bin, dass Bezahlung auch immer etwas mit Wertschätzung zu tun hat und anderseits,
weil es wichtig ist, dass sie über längere Zeit mit uns arbeiten», sagt Potratz. Doch auch wenn diese
Entlöhnungspolitik vorbildlich ist, so kann der Treffpunkt kein Mindest-Jahreseinkommen garantieren
und auch nur bescheidene Stundenansätze und Sitzungsgelder bezahlen. «Für
mich ist es wichtig, dass meine Arbeit entlöhnt wird», sagt Martina Cerletti, eine der zehn Vernetzerinnen.
Sie ist in der Schweiz geboren und in Brasilien aufgewachsen, spricht fliessend Portugiesisch und Deutsch
und ist Mutter von drei Kindern. Die diplomierte, interkulturelle Übersetzerin arbeitet auch für die
Kantonspolizei, das Sozialamt und das Kantonsspital. «Als meine Kinder noch klein waren, habe ich sehr
viel Freiwilligenarbeit geleistet. Noch heute leiste ich viel unbezahlte Arbeit – dies bringt dieser
Beruf einfach mit, denn es ist schwierig sich abzugrenzen. Mittlerweile habe ich aber ein schlechtes
Gewissen, wenn ich wertvolle Familienzeit für Freiwilligenarbeit stehle», sagt Cerletti. Freiwilligenarbeit:
belastend und befriedigend Anders geht es diesbezüglich
der Vernetzerin Esmat Shahriari; sie lebt seit 15 Jahren in der Schweiz und stammt aus Iran. Die Mutter
von zwei Schulkindern leistet sehr viel Freiwilligenarbeit auf rein privater Ebene ohne institutionellen
Hintergrund. Sie unterstützt Familien aus Iran und Afghanistan, sich hier zurechtzufinden, indem sie
die Familien berät, übersetzt und sie begleitet. Shahriari spricht Farsi, Englisch und Deutsch. «Diese
Frei-willigenarbeit gibt mir jene Zufriedenheit, die ich früher durch meine Arbeit als Elektroingenieurin
erhalten habe.» Sie räumt ein, dass es zeitweilig belastend sei. Doch ihr Engagement hat einen weiteren
wichtigen Aspekt: «Es zwingt mich als Familienfrau, aus dem Haus zu gehen und mich zu vernetzen. Dies
hat mir immer die Sicherheit gegeben, dass ich im Notfall nicht allein dastehe.» Ähnlich
geht es auch Ana Moncada. Die Venezuelanerin ist Mutter von zwei noch kleinen Kindern und engagiert
sich in der «Netgruppe» des Treffpunkts Integration, die den Internetauftritt des Projekts betreut.
«Nachdem ich vor zehn Jahren in die Schweiz gekommen bin, habe ich mich gleich im Familienzentrum Brugg
engagiert. Das hat mir geholfen, Kontakte zu knüpfen und ich habe mich als nicht berufstätige Familienfrau
nie isoliert gefühlt.» Die Anwältin ist im Vorstand des Familienzentrums Brugg, sie moderiert wöchentlich
eine Frauen-Gesprächsrunde. «Die Anerkennung für meine ehrenamtliche Arbeit tut mir genauso gut wie
Entlöhnung.» Trotzdem möchte Ana Moncada irgendwann wieder ins Berufsleben einsteigen –sie hält ihr
Wissen als Rechtsberaterin durch kostenlose Beratungen à jour, bei Organisationen wie Nosotras-Aagrau,
interkulturelle Informationsstelle, und «Telefono de la esperanza. Zusammenarbeit
von Brugg und Windisch Ana Moncada ist ein wichtiges
Bindeglied zwischen dem Familienzentrum Brugg und dem Treffpunkt Integration in Windisch. «Wir wollen
in Zukunft unsere Zusammenarbeit ausbauen, weil wir so wesentlich mehr Familien erreichen können», sagt
Moncada. Dies ist nicht immer einfach. «Gerade wenn Familien in Schwierigkeiten geraten, machen sie
die Türe einfach zu und lassen sich nicht helfen», sagt Kathrin Potratz. Ihre Zukunftsvision: «Der Treffpunkt
Windisch soll zu einem Ort werden, wo man einfach hingeht.» Angela
Müller Meinherz TREFFPUNKT INTEGRATION WINDISCHDas
Programm des Treffpunkts ist auf der Internetseite www.integration-windisch-brugg.ch
zu finden. Der
Treffpunkt an der Dorfstrasse 29 ist ein Ort der Begegnung und Information. Bürozeiten: Dienstag 17.30
bis 20.30 Uhr, Donnerstag 14 bis 18 Uhr. Telefon 077 446 39 78. DAS
FAMILIENZENTRUM BRUGG IST UMGEZOGEN![]() Fotos: Angela Müller Meinherz Im
Juni hat das Familienzentrum Brugg die Villa Süssbach verlassen und ist neu an der Laurstrasse 11 im
ersten Stock zu finden. Das Familienzentrum bietet Familien in Brugg und Umgebung ein spannendes Programm
mit diversen Veranstaltungen, Weiterbildungssangeboten und Kinderbetreuungsmöglichkeiten an. Weitere
Infos unter: | |||||||||||||||||||||||||||||||||











