MIT HERZ UND SEELE FÜR MEHR SOZIALE GERECHTIGKEIT![]() Ellen Ringier engagiert sich seit über 20 Jahren unentgeltlich. Foto: z.V.g. Ellen Ringier ist die Grande Dame der Schweizer Charity und arbeitet seit über 20 Jahren unentgeltlich für verschiedene Stiftungen. Im MIX-Interview verrät die 60-Jährige, warum sie sich verpflichtet fühlt, soziale Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. MIX:
Woher kommt Ihr ausgeprägtes soziales Engagement? Das
hat sicherlich mit meiner ganz persönlichen Sozialisierung zu tun. Ich stamme aus einer Familie, wo
es immer selbstverständlich war, sich für andere einzusetzen. Ich bin nicht religiös, aber trotzdem
habe ich immer nach dem Motto gelebt: jeden Tag eine gute Tat vollbringen. Ich bin nun mal kein Manager-Typ,
der immer mehr haben muss. Statt teuren Schmuck zu kaufen, investiere ich mein Geld lieber in Menschen,
die weniger haben. Welche
Rolle spielt Geld in Ihrem Engagement? Eine grosse,
denn ohne Geld könnte ich beispielsweise meine Stiftung Elternsein mit dem Elternmagazin «Fritz+Fränzi»
nicht finanzieren. Ich war immer in der komfortablen Lage, nie Geldsorgen zu haben. Deshalb kann ich
es mir auch leisten, seit 20 Jahren unentgeltlich zu arbeiten. Mein Engagement gibt mir die Möglichkeit,
mich bei der Gesellschaft für das Glück, das ich im Leben hatte, zu bedanken. Sie
setzen Ihre Bekanntheit bewusst für humanitäre Zwecke ein. Wie ist es, sich permanent zu exponieren? Das
ist nicht einfach. Vor allem das Fundraising fällt mir manchmal schwer, weil ich zusehends das Gefühl
habe, anderen damit auf die Nerven zu gehen. Und ich werde bald 60 und habe mich entschieden, in Zukunft
kürzer zu treten. Welche
Rolle spielt das Thema Migration in Ihrer Arbeit? Ich
hatte eine aus Wien stammende, in England aufgewachsene Mutter. Wir haben zu Hause praktisch nie deutsch
gesprochen. Im konservativen Luzern der 1950er Jahre waren wir Sonderlinge. Ich weiss also, wie es sich
anfühlt, wenn man anders ist. Zudem war ich jahrelang Stiftungsrätin der Stiftung gegen Rassismus und
Antisemitismus. Sigi Feigel, Gründer der Stiftung, war mein grosser Mentor und Motivator. 2011
ist das Freiwilligenjahr. Was halten Sie davon? Es
ist ein sinnvolles und notwendiges PR-Instrument, um die Gesellschaft für das Thema zu sensibilisieren.
Nehmen wir das Beispiel der Tixi-Taxifahrer. Dieser Fahrdienst für Menschen mit Behinderung wäre nicht
möglich, wenn sich nicht so viele Freiwillige engagieren würden. Diese Art von Solidarität macht unser
Leben in der Gesellschaft erst aus. Wer
muss in unserer Gesellschaft diese soziale Verantwortung übernehmen – der Staat oder jeder Einzelne? Das
muss Hand in Hand gehen. Der Staat kann das nicht allein machen. Er muss aber die soziale Grundausstattung
gewährleisten, damit niemand durch die Maschen fällt. Zudem muss er sich im sozialen Bereich für eine
finanzielle Kontinuität einsetzen. Wenn Hotellerie-Betriebe in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Geld
bekommen, muss er auch dafür sorgen, dass soziale Organisationen finanziell unterstützt werden. Was
brauchen wir sonst für mehr soziale Gerechtigkeit? Wir
müssen das Rad zurückdrehen und davon wegkommen, nur an uns selbst zu denken. Wir müssen unser Bewusstsein
für mehr Solidarität aufleben lassen. Wir haben alle die Möglichkeit, uns in irgendeiner Form sozial
zu engagieren. Warum nicht einmal auf die Kinder der überforderten alleinerziehenden Mutter aufpassen
oder sich regelmässig um die pflegebedürftigen Eltern kümmern? Hier fängt das Umdenken an. Interview: Güvengül Köz Brown ELLEN RINGIERDr.
Ellen Ringier ist Juristin
und Mutter
von zwei erwachsenen Töchtern. Seit 35 Jahren ist sie mit dem Verleger Michael Ringier verheiratet.
Mit dem Vermögen, das sie von ihrem Grossvater geerbt hat, sowie mit Spenden (u.a. vom Ringier-Verlag)
finanziert sie seit Jahren soziale Projekte. Sie ist u.a. Präsidentin und Gründerin der Stiftung Elternsein. | |||||||||||||||||||||||||||||||||







