WO EIN WILLE IST, IST MANCHMAL KEIN WEG![]() Kathy
Hartmann-Campbell fordert mehr Möglichkeiten für Expats. Foto: Güvengül Köz Brown In
angelsächsischen Ländern hat bürgerschaftliches Engagement eine lange Tradition. «Wichtige Teile des
Sozial- und Bildungswesens werden von der Zivilgesellschaft organisiert, weil der Staat in diesem Bereich
kaum Verantwortung übernimmt,» hält Kathy Hartmann-Campbell fest. Die gebürtige Amerikanerin ist nicht
begeistert von den Defiziten des Sozialsystems in ihrer Heimat, sagt aber: «Wir lernen von klein auf,
weniger privilegierten Menschen beizustehen – sei es in der Essenausgabe für Obdachlose oder in der
Betreuung von älteren, pflegebedürftigen Menschen.» Dieses
ausgeprägte soziale Verantwortungsbewusstsein, so Hartmann-Campbell, hätten viele Englisch sprechende
Expats, die bei international tätigen Unternehmen beschäftigt sind. Das weiss sie aus ihrem langjährigen
Berufsalltag als Kommunikationsberaterin und Coach für ausländische Fachkräfte. Hartmann-Campbell gilt
als Koryphäe auf ihrem Gebiet. Die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» bezeichnet sie sogar als Übermutter
und Urgetier der Basler Expats-Szene. «Expats und ihre Familienangehörigen zeigen den Willen, sich auch
ausserhalb ihrer Arbeit zu engagieren. Das Problem ist jedoch, dass sie in Schweizer Vereinen oder Stiftungen
kaum Einsatzmöglichkeiten finden.» Zu diesem Schluss kommt auch die aktuelle Studie der Beratungsfirma
ecos, die u.a. öffentliche Institutionen und Stiftungen in Projekten zur nachhaltigen Entwicklung unterstützt. Potenzial
jetzt nutzen «Oft werden mangelnde Deutschkenntnisse
als Grund angegeben», bemerkt Hartmann-Campbell. Sie hat die Studie im Rahmen der Begleitgruppe fachlich
unterstützt. Die quirlige 56-jährige wählt ihre Worte sehr bewusst, mit Bedacht. «Ich finde auch, dass
die Integration von hochqualifizierten Arbeitskräften genauso wichtig ist, wie die von weniger privilegierten
Migranten. Der Erwerb der Sprache ist hier von grosser Bedeutung. Das geht aber nicht von heute auf
morgen.» Die Studie verweist hier vor allem auf das Potenzial der nicht-erwerbstätigen Familienmitglieder.
«Oft verfügen die Ehefrauen über viel Zeit, sind gut ausgebildet und motiviert, in karitativen Organisationen
mitzuwirken.» Was sie auch bereits tun – aber vor allem in den vielen von Expats gegründeten Vereinen
wie dem Centrepoint in Basel. Kreativität
zulassen Hartmann-Campbell, die seit knapp 30
Jahren in Basel lebt, ist überzeugt, dass mit etwas Kreativität Einsatzmöglichkeiten zu finden wären.
«Ich gebe ein Beispiel: Expats könnten die Fahrer von Behinderten-Fahrdiensten bei ihren Einsätzen begleiten
im Hinblick darauf, später selber am Steuer zu sitzen.» Solche Kooperationen würden langfristig sogar
den Spracherwerb begünstigen. Um diese Ressourcen noch besser zu nutzen und die Zusammenarbeit zwischen
Expats und Einheimischen voranzutreiben, fand Ende August in Basel die Veranstaltung baselconnect statt.
«Wir haben das initiiert, um gemeinsam neue Ideen für ein besseres Zusam-menleben zu entwickeln.» Vertreten
war auch der Kanton Basel-Stadt, u.a. mit dem Regierungsrat Christoph Brutschin, Vorsteher des Departements
für Wirtschaft, Soziales und Umwelt. Basel
handelt Basel-Stadt hat den Handlungsbedarf erkannt.
«Schon heute leisten viele Expats Freiwilligenarbeit. Das Potenzial ist jedoch bei weitem nicht ausgeschöpft»,
sagt Nicole von Jacobs, Leiterin der Fachstelle Diversität und Integration der Abteilung Kantons- und
Stadtentwicklung. Deshalb habe ihre Fachstelle die Website www.you4basel.ch ins
Leben gerufen. Die Internetplattform
soll den neu zugezogenen Menschen den Zugang zu sozialen Organisationen, die Freiwilligenarbeit vermitteln,
erleichtern. In Planung sei auch ein Mentoren-programm, wo sich Einheimische und ‚fortgeschrittene’
Expats gemeinsam engagieren können. Basel-Stadt will die Integration von Expats durch soziales Engagement
fördern, so von Jacobs, «deshalb sind wir für weitere kreative Ansätze jederzeit offen.» Güvengül
Köz Brown | |||||||||||||||||||||||||||||||||







