UNTERSTÜTZUNG BEI DER BERUFLICHEN INTEGRATION


Beratend: EB Zürich. Foto: z.V.g.


Migrantinnen und Migranten, die im Ausland einen Beruf gelernt haben oder in der Schweiz über langjährige Berufserfahrung verfügen, können mit einer so genannten Validierung zu einem eidgenössisch anerkannten Berufsdiplom gelangen. Für viele ein gangbarer Weg – Unterstützung finden sie bei der EB Zürich, der kantonalen Berufschule für Weiterbildung.


«Die Validierung ist für Migrantinnen und Migranten eine gute Chance, im Berufsleben weiterzukommen und ist somit ein wichtiger Integrationsschritt», sagt Véronique Hauser, Erwachsenen-bildnerin an der EB Zürich. Gerade im Gesundheitsbereich, wo viele Ausländerinnen arbeiten, bestehe derzeit grosser Druck, das eidgenössische Fachzeugnis Fachangestellte Gesundheit nachzuholen.

In der Schweiz führt nicht nur eine Berufslehre im herkömmlichen Sinn zu einem Berufsabschluss. Auch wer über eine mindestens fünfjährige Berufserfahrung verfügt, kann ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis erlangen, das vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie ausgestellt wird. Die Validierung ist seit einigen Jahren möglich und wird vom kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungs-amt durchgeführt. Unter anderem können die Berufe Fachangestellte Gesundheit und Fachangestellte Be
treuung, sowie Informatiker validiert werden.

Der Anerkennungsprozess ist mehrstufig und sehr schreiblastig – in einem ausführlichen Dossier müssen die beruflichen Kompetenzen genau beschrieben werden. «Gerade für Fachangestellte Gesundheit, deren Kernkompetenz nicht im schriftlichen Be
reich liegt, bereitet dies Schwierigkeiten», sagt Hauser. Deshalb bietet die EB Beratungen zum Schreiben von Validierungstexten, Schreibkurse und Kurse zur Dossier- und Portfolioerstellung an. Möglich sind auch Einschätzungen zur Sprachkompetenz. «Uns ist es wichtig, dass das Angebot niederschwellig beginnt, damit möglichst viele davon Gebrauch machen können», sagt Hauser.
Offenbar mit Erfolg: Kürzlich habe sie in der EB Zürich zufällig einen Bekannten getroffen. «Er hat gerade erfolgreich die Validierung zum Fachangestellten Gesundheit geschafft», sagt Hauser. Der Familienvater aus dem Nahen Osten, der 1996 noch arbeitslos war, hat nun dank der Erlangung dieses eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses intakte berufliche Perspektiven.

Angela Müller Meinherz

Weitere Informationen:
www.eb-zuerich.ch, www.bbt.admin.ch/themen/berufsbildung, www.mba.zh.ch


AUSLÄNDISCHE UNI-DIPLOME IN DER SCHWEIZ

Wenn es um die Anerkennung von akademischen Diplomen geht, ist das Swiss Enic, die Informationsstelle für akademische Anerkennungsfragen, zuständig. Sie ist eine Abteilung der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (CRUS). Bis zu 2000 Anfragen werden von der Infostelle jährlich bearbeitet. Die meisten Anfragen stammen von Stellensuchenden, die ihr akademisches Diplom an einer ausländischen Uni erlangt haben und eine Anerkennungsempfehlung für berufliche Zwecke brauchen. Swiss Enic berät sowohl Behörden, Institutionen als auch Einzelpersonen. Sie kann zwar Anerkennungsempfehlungen ausstellen, für die eigentlichen Anerkennungen sind jedoch die verschiedenen Amtsstellen oder Berufsverbände zuständig.

(AMM)
Weitere Informationen: www.crus.ch


COCOMO UND JUCOMO: DER WEG INS BERUFSLEBEN

Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten bringen jeweils eigene berufliche Fähigkeiten und Kompetenzen mit. Doch nicht immer gelingt es, diese im Arbeitsmarkt erfolgreich zu verwirklichen. Das Projekt Cocomo – Coaching Coordination und Mobilisation – vermittelt ausländische Stellensuchende ins Berufsleben und leistet somit einen spezifischen Beitrag zur Integration.
«Wir arbeiten mit verschiednen Partnern aus der Wirtschaft, Bildung und Sozialbehörden zusammen», sagt Projektleiterin Emine Braun. Die intensive Vernetzung zeigt Wirkung: «Acht von zehn Teilnehmenden werden erfolgreich vermittelt.» Cocomo besteht seit 2003 und wird vom Bund und dem Kanton Zürich finanziell unterstützt. Seit Herbst 2009 hilft zudem das Projekt Jucomo Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen. «Hier ist ergänzend die Zusammenarbeit mit den Eltern oder den Beiständen wichtig», sagt Braun.

(AMM)
Weitere Informationen: www.cocomo.ch


«NATIONALITÄTEN SIND WENIGER WICHTIG.»


Andreas Fischer, Rektor Uni Zürich. Foto: UZH


Im Jahr 2008 haben an der Universität Zürich (UZH) 480 Professorinnen und Professoren
gearbeitet. 50 Prozent kamen aus dem Ausland, rund 34 Prozent aus Deutschland. Im Jahr 2009 ist der Anteil der Deutschen leicht gesunken. Dennoch hat die Kampagne der SVP-Zürich gegen den «deutschen Filz» eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit ausgelöst. Für Andreas Fischer, Rektor der UZH, ist eine internationale Ausrichtung von enormer Wichtigkeit. Für ihn steht die Qualifikation der Professoren im Vordergrund, egal welche Nationalität sie haben.


MIX: Hat es an der UZH Tradition, deutsche beziehungsweise ausländische Professorinnen und Professoren anzustellen?

Andreas Fischer: Seit der Gründung der Universität 1833 gab es immer deutsche und andere ausländische Pro-fessorinnen und Professoren – manchmal mehr, manchmal weniger.


Können Sie berühmte Namen aus der Vergangenheit nennen?

Zum Beispiel den österreichischen Physiker Erwin Schrödinger. Er war von 1921-1927 Professor an der UZH und gilt als Begründer der Quanten-mechanik. 1933 erhielt er den Nobelpreis für Physik – um nur einen von vielen zu nennen.


Die Uni Zürich ist im Shanghai-Ranking der europäischen Universitäten von Platz 14 im Jahr 2006 auf Platz 13 im Jahr 2009 aufgestiegen. Mit was hat dies zu tun?

Die UZH bietet ausgezeichnete Arbeitsmöglichkeiten und sie bemüht sich – mit Erfolg – sehr gute Profes-sorinnen und Professoren zu berufen. Man sollte die Positionen im Shanghai-Ranking nicht zu mikroskopisch sehen und Verschiebungen von einem Jahr zum nächsten nicht übergewichten. Im Shanghai-Ranking 2009 aller Uni-versitäten – weltweit – steht die UZH auf Platz 53 und rangiert damit, wenn auch knapp, vor den bestplatzierten deutschen Universitäten.


Hat sich das Klima an der Uni verändert, seit hier mehr Deutsche arbeiten?

Für mich nicht wesentlich, aber es ist wohl so, dass ausserhalb von Lehrveranstaltungen, zum Beispiel in Sitzungen, mehr Hochdeutsch gesprochen wird als früher. Das sollte aber kein Problem sein.


Hat die Uni-Leitung mit der SVP-Kampagne im letzen Dezember rechnen können oder müssen?

Das Inserat kurz vor Weihnachten kam unerwartet. Vor etwa zwei Jahren gab es schon eine Diskussion um Deutsche an der Universität, doch die gegenwärtige hat ein weit grösseres Echo ausgelöst.


Herrscht seit der Kampagne eine andere Stimmung an der UZH?

Ja, insofern als die Diskussion nicht nur in den Medien und auf der Strasse, sondern auch intern bei der Profes-sorenschaft und beim Mittelbau stattfindet.


Haben Sie Massnahmen in Sachen Professuren-Ernennung ergriffen?

Ich sehe keinen Grund für besondere Massnahmen. Professuren werden grundsätzlich international ausgeschrieben. Die Kandidatinnen und Kandidaten werden nach fachlichen Kriterien beurteilt. Die Leitung der Universität legt jedoch Wert darauf, dass die Berufungskommissionen Kandidaturen von Schweizern und/oder Frauen besondere Aufmerksamkeit schenkt. Quoten für diese Gruppen gibt es jedoch keine.


Stimmt der Vorwurf, dass der Schweizerische Nachwuchs zu wenig gefördert wird?

Es dürfte stimmen, dass in den letzten Jahrzehnten in Deutschland mehr für den akademischen Nachwuchs getan worden ist als in der Schweiz, zum Beispiel durch so genannte Sonder-Forschungsbereiche und Graduiertenschulen. Wir unternehmen seit einiger Zeit allerdings sehr viel.


Werden also in Zukunft weniger Deutsche nach Zürich kommen?

Man muss sehen, dass die Bevölkerung Deutschlands zehnmal grösser ist als diejenige der Schweiz. Schon aus diesem Grund wird es für viele Stellen mehr deutsche Bewerbungen geben als schweizerische. In einer zuneh-mend offenen, globalisierten Welt sind Landesgrenzen und Nationalitäten weniger wichtig als noch vor kurzem. Zudem gehören für uns alle, die in Zürich doktorieren, zum eigenen Nachwuchs – unabhängig von ihrer Staatszugehörigkeit.

Interview: Angela Müller


FAMILIE UND BERUF

Es gibt viele Wege und Möglichkeiten, die zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf führen. Auf der Informations- und Kontaktplattform der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich erfahren Unternehmen und Angestellte, warum sich ein Engagement für Familienfreundlichkeit lohnt:
www.vereinbarkeit.zh.ch