WO MENSCHEN AUS ÜBER FÜNFZIG NATIONEN FORSCHEN




50 Nationen unter einem Dach. Foto: PSI


Eine internationale Zusammensetzung der Mitarbeitenden ist im Forschungsbereich an der Tagesord-nung. Ohne die Innovationskraft der besten Fachleute weltweit verliert die Wirtschaft ihre Leistungs-fähigkeit. Auch am Paul Scherrer Institut (PSI) wird dies bestätigt. In Villigen, dem Standort des Zentrums, wird Spitzenforschung gross geschrieben und Menschen aus 55 Nationen beteiligen sich Tag für Tag am Erfolg


Rund 1’300 Männer und Frauen aus aller Welt arbeiten am Erfolg des PSI, dem grössten Forschungszentrum für Natur- und Ingenieurwissenschaften in der Schweiz. Hinter seinem hervorragenden Renommee stehen viele Erfolgsfaktoren, doch einen grossen Teil zum Gelingen trägt das internationale Arbeitsklima bei. Die vielen Sprachen, kulturellen Hintergründe und das breite Herkunftswissen bilden die grosse Vielfalt, die den Wissens-transfer am Institut vorantreibt.


Eine grosse Verantwortung

Rund 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen verschiedene Fragestellungen, rund um die themenkomplexe Struktur der Ma
terie, Mensch und Gesundheit sowie Energie und Umwelt. Die am PSI
gewonnenen Ergebnisse tragen dazu bei, dass wir die Welt um uns besser verstehen können, indem sie die Hintergründe physikalischer oder biologischer Vorgänge aufzeigen. Gleichzeitig bilden sie die Grundlagen für neue Entwicklungen in Technik und Medizin. So haben Mitarbeitende am PSI ein Gerät namens «Gantry» entwickelt, das zur Behandlung von Krebs eingesetzt wird, indem es Protonen optimal für die Tumorbestrahlung nutzt. Mit seiner Hilfe kann zielgenauer bestrahlt und somit das Gewebe rund um den Tumor besser geschützt werden. Im Bereich Energie und Umwelt ist die Entwicklung von Technologien für die Nutzung nachhaltiger Energien ein zentrales Thema. Für die internationalen Forscher verfügt das Institut jährlich über ein Budget von rund 260 Millionen Franken. Es wird grösstenteils von der Schweizerischen Eidgenossenschaft finanziert. Das PSI wurde 1988 gegründet und ist nach dem Schweizer Physiker Paul Scherrer benannt. Das Institut ist Teil der Eid-genössischen Technischen Hochschulen, denen auch die ETH Zürich und Lausanne sowie andere Forschungsinstitute angehören.


Hand in Hand

«Das PSI ist vom multikulturellen Umfeld geprägt. In allen Laboren und Abteilungen haben wir Mitarbeitende aus den unterschiedlichsten Ländern», bestätigt Ursula Schmid, Leiterin der Personalabteilung. «Die Mitarbeitenden sehen die enorme Expertise, die durch die internationale Zusammenarbeit zustande kommt, als grosse Bereicherung an. Daher entsteht auch kein Konkurrenzkampf oder das Gefühl, ein Ausländer nehme einem Schweizer den Arbeitsplatz weg. Das Arbeitsklima ist geprägt von gegenseitiger Achtung, Unterstützung,
Offenheit und Respekt.» Unter diesen Umständen scheint es auch für Neuankömmlinge einfacher, sich zurechtzufinden. Die Integration am Arbeitsplatz ist auch der Personalleiterin ein grundsätzliches Anliegen, denn ein reibungsloses und inspirierendes Umfeld sei in der Spitzenforschung ein unerlässlicher Mosaikstein. «So schätzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den kulturellen Austausch auch im privaten Umgang miteinander», weiss Ursula Schmid.


Eine Zukunft für junge Talente

Es sind in erster Linie Menschen aus anderen Industrieländern, die ihr Wissen ins PSI tragen. Rund 71 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeitenden stammen aus dem Ausland. Über die Hälfte der Forscherinnen und Forscher kommen aus den nahe gelegenen EU-Staaten und bleiben in der Regel zwischen zwei und vier Jahren im Aargau. Das PSI trägt aber auch zur Qualifikation von einheimischen Jugendlichen bei, indem es sowohl Studierende und Doktorierende als auch Berufsleute aus- und weiterbildet. So ist das PSI der grösste Berufs-ausbilder in der Region. Davon profitieren rund 80 Lernende – und von dem internationalen Geist.

Olivia Neubauer

Weitere Informationen: www.psi.ch


MIT JUGENDLICHEM ELAN ZUM ERFOLG



Junge Forscherinnen und Forscher auf Entdeckungsreise. Foto: SJF


Sich einmal wie eine Entdeckerin oder wie Einstein fühlen: Die Stiftung Schweizer Jugend forscht (SJf) macht es möglich und fördert junge Talente in der ganzen Schweiz. Dass dabei auch immer mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund erfolgreich abschneiden, ist für die Organisatoren nur logisch.


Das Förderprogramm von SJf baut grundsätzlich auf drei sich ergänzenden Säulen auf: Mit Studienwochen will die Stiftung Kinder und Jugendliche für die Wissenschaften sensibilisieren und deren Lust am Entdecken und Experimentieren fördern. Ein nationaler Wettbewerb wiederum soll Jugendliche zum selbständigen Forschen anregen. Und als dritte Säule dient das Swiss Talent Forum, eine unabhängige Denkfabrik für junge Menschen aus Europa, die in Workshops neue Lösungsansätze zu gesellschaftlich relevanten Themen erarbeiten.
Mit den unterschiedlichsten Studienwochen öffnet SJf die Tore für interessierte Berufsfach- und Mittelschülerinnen und -schüler. Die Herkunft und der Hintergrund der Einzelnen spielt dabei keine Rolle. Junge Frauen und Männer im Alter zwischen 16 und 21 Jahren, die einen Schweizer Wohnsitz haben, können an den Veranstaltungen in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen teilnehmen. «Den Schülerinnen und Schülern möchten wir auf Grund ihrer Herkunft keine Grenzen setzen», meint Stefan Horisberger, Geschäftsführer von SJf, «denn das Wichtigste an den Studienwochen ist der Spass und die Neugier.» Mitmachen heisst also die Devise. Treu dem olympischen Gedanken bietet SJf Raum für interessante Begegnungen und ausserordentliche Leistungen. Ein Ort an dem die Jugendlichen voneinander lernen können – fachlich und persönlich. Davon lassen sich jeweils auch viele Jugendliche der Nordwestschweizer Kantone überzeugen. Sie folgen etwa dem Angebot der Stiftung, während einer Woche einen ersten Blick hinter die Kulissen von Hochschulen oder Unternehmen werfen und unter Anleitung fachkundiger Experten kleinere Forschungsarbeiten durchführen zu können. Der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund wächst stetig und sie sind auch immer öfter mit hervorragenden Arbeiten beim nationalen Wettbewerb anzutreffen.


Tüfteln, experimentieren und forschen

Als wichtige Beurteilungskriterien für die erarbeiteten Projekte im Wettbewerb dienen der wissenschaftliche Gehalt und die Innovationskraft der Arbeit. Bereits im Vorfeld leiten und unterstützen Fachpersonen die jungen Forscherinnen und Forscher und geben ihnen wertvolle Tipps mit auf den Weg. Waren es im vergangenen Jahr noch 78 Jugendliche, die teilgenommen haben, rechnet Stefan Horisberger dieses Jahr mit rund 100 Teilnehmern. «In den letzten drei Jahren verzeichneten wir beim nationalen Wettbewerb jährliche Zuwachsraten von rund 20 Prozent. Eine erfreuliche Entwicklung.» Dieses Jahr gilt es, den Zeitraum vom 22. bis 24. April in der Agenda zu markieren. Dann findet der Wettbewerb unter dem Motto «Mit jugendlicher Neugier in die Zukunft» an der Universität Basel statt. Die Jugendlichen zeigen im Rahmen einer Ausstellung, was sie während Monaten in Einzel- oder Gruppenarbeiten erforscht und entwickelt haben. Telnehmenden mit sehr guten und hervorragenden Arbeiten winken neben Geldpreisen attraktive Sonderpreise, welche sie zur Teilnahme an nationalen und internationalen Jugendkongressen, Forschungspraktika oder Wissenschaftsausstellungen berechtigen. Spätestens dann erfahren auch sie: Wissen kennt keine Grenzen.

Olivia Neubauer


SCHWEIZER JUGEND FORSCHT

Der bekannte Basler Biologe Adolf Portmann übernahm 1967 im Alter von 70 Jahren das Präsidium des ersten nationalen Wettbewerbs von Schweizer Jugend forscht. Im Jahre 1970 gründete er die gleichnamige Stiftung, die sich mittlerweile zu einer gesellschaftlich anerkannten nationalen Plattform für die wissenschaftliche Jugendförderung entwickelt hat. Weitere Informationen zu SJf und das Jahresprogramm 2010 mit einer Auflistung der angebotenen Veranstaltungen finden Sie unter www.sjf.ch